Salamanderland 

Ambystoma mexicanum (Shaw & Nodder, 1798)

Axolotl

GOLD

COPPER

SILVER

PLATIN

BLACK

WILD

Erstbeschreibung:
Shaw G. & R. P. Nodder (1798): Nat. Miscell., 9: Tafel 342 und 343.

Diagnosis:
Großer, neotener Schwanzlurch mit massigem Körper. Wird bis zu 30 cm lang und trägt zeitlebens Außenkiemen. Er lebt ständig im Wasser und ist als ein Larvenstadium zu betrachten. Die Grundfarbe der Wildfangtiere ist ein düsteres Grau mit zahlreichen dunklen Marmorierungen. Sämtliche in den Aquarien befindlichen Tiere stellen allerdings Produkte verschiedener Experimente und von Auslesezuchten dar. Daraus ist eine Vielzahl unterschiedlicher Varietäten entstanden, die nur noch eingeschränkt mit der beschriebenen Ausgangsart zu vergleichen sind. Das Axolotl im Sinn des Labortiers ist als domestiziert zu betrachten.

Differentialdiagnosis:  
Die Gattung Ambystoma besteht aus zahlreichen, einander teilweise sehr ähnlichen Arten. Selbst neotene Formen treten in der systematischen Gruppe häufig auf. Den nächsten Verwandten stellt Ambystoma tigrinum dar, der jedoch eine gelbliche Zeichnung aufweist und in der Regel eine Landform ausbildet.

Status der Unterarten:
Es sind von Ambystoma mexicanum keine Unterarten beschrieben.

Verbreitung:
Das Axolotl stammt ursprünglich aus einem großen Flachwassersee bzw. Sumpf, dem Xochimilco-See in Mexico-City. Durch drastischen Habitatverlust - der Sumpf ist bis auf kleine Areale trockengelegt - und durch katastrophale Verschmutzung des Restgewässers steht die Art in ihrer Heimat praktisch vor der Auslöschung. Das ist der Grund, weshalb A. mexicanum in das Washingtoner Artenschutzabkommen aufgenommen wurde. Eine weitgehend nutzlose Bestimmung, da dies die ursächliche Biotopzerstörung selbstverständlich nicht verhindern konnte.
Das Axolotl, wie es in unseren Aquarien schwimmt, hat mit seinem Urahn aus Mexiko nur noch wenig gemeinsam und ist als domestiziert zu betrachten.

Habitat / Ökologie:
Wir wissen recht wenig über die Ökologie im natürlichen Gewässer. Da es mit großer Wahrscheinlichkeit außerhalb von wissenschaftlichen Einrichtungen in Mexiko keine Wildfänge in menschlicher Obhut gibt, wäre die Schilderung des natürlichen Habitats ohnehin mehr akademischer Natur. Seit mehr als hundert Jahren ist A. mexicanum allerdings als Labortier in Pflege. Als das klassische Beispiel von Neotenie, also dem Erreichen der Geschlechtsreife im Larvenstadium, ist das Axolotl zeitlebens ans Wasser gebunden und verliert seine Außenkiemen nicht. Die Ursache hierfür ist eine genetisch bedingte Schilddrüsenunterfunktion. Offenbar wurde diese Unterfunktion entwicklungsgeschichtlich erst recht spät erworben, da das Axolotl die entsprechenden Erfolgsorgane für das Schilddrüsenhormon sehr wohl noch funktionstüchtig besitzt. Es ist also experimentell einfach, mittels Zufuhr von Thyroxin einen Vollmolch aus der Larve zu produzieren. Dieser Molch ähnelt im Aussehen sehr A. tigrinum, mit dem er ja unmittelbar verwandt ist. (Hinweis: Die Verabreichung von Schilddrüsenhormon an Axolotl gilt in der EU als Tierversuch und ist als solcher genehmigungspflichtig und nur in Ausnahmefällen für wissenschaftliche Versuche gestattet!) Umgewandelte Axolotl verhalten sich wie A. tigrinum: Sie suchen zur Fortpflanzung das Wasser auf und legen ihre Eier dort ab. Aus diesen Eiern schlüpfen wiederum ausschließlich neotene Nachkommen.

Haltung:
Axolotl sind Einzelgänger, die kleinere Artgenossen als Futter betrachten. Will man deshalb mehrere Tiere in einem Behälter pflegen, ist es notwendig, diesen so groß wie möglich zu wählen. Wichtiger noch als die absolute Größe des Beckens ist es, Sichtbarrieren durch Steine, Bepflanzung und ähnlichem zu schaffen und die Tiere regelmäßig zu füttern. Auch gleich große Tiere beginnen sich im Hungerzustand gegenseitig zu verletzen, indem sie sich Extremitäten und Kiemenäste abfressen. Allerdings ist das Regenerationsvermögen erstaunlich und verloren gegangene Körperteile, wachsen in wenigen Wochen wieder vollständig nach. Ein Problem kann aber die Wunde als solche darstellen, ist sie doch eine Eintrittspforte für schädigende Keime.
Axolotl halten zwar auch ungünstige Wasserverhältnisse aus, wachsen aber nur unter optimalen Bedingungen zu wirklich stattlichen Tiere heran. Solche Verhältnisse setzen sauberes, gefiltertes Wasser voraus, das sauerstoffreich, verhältnismäßig mineralstoffhaltig und leicht basisch sein sollte (dGH nicht unter 10°, pH knapp über 7,0). Die Temperaturen sollten nicht über 24°C ansteigen und im Regelfall zwischen 18°C und 20°C liegen.
An Futter akzeptieren Axolotl alles, was an Lebendem ins Maul passt, auch z.B. Fische. Durch die vielen Generationen an Labortieren, was einer Art „Haustierwerdung“, also Domestikation entspricht, ist es aber auch möglich, diese Art völlig unabhängig von Lebendnahrung etwa mit Tiefkühlfutter oder sogar mit entsprechenden Pellets tadellos zu ernähren. Im Salamanderland lebende Axolotl erhalten allerdings hauptsächlich Lebend- und Frostnahrung, wie Regenwürmer, Mückenlarven etc. Abzuraten ist vom Verfüttern von Säugetierfleisch, da dies nicht dem normalen Nahrungsspektrum entspricht und zu Verdauungsstörungen führen kann.

zum Regenerationsvermögen:
Das Regenerieren von verlorenen Körperteilen, wie Beinen und Kiemenästen gehört zu einem besonderen Phänomen, das sich bei einer Reihe von Schwanzlurchen findet, aber wahrscheinlich nirgends so spektakulär funktioniert, wie beim Axolotl. Aus diesem Grund ist die Art auch im Blickfeld der Rehabilitationsmedizin. Die Wissenschaft versucht, das zugrunde liegende Prinzip zu erforschen und, wenn möglich, für den Menschen nutzbar zu machen.

Wo aber liegt der biologische Sinn eines derartigen Vermögens?
Der wesentliche Teil der Lebewesen (so auch wir Menschen) entwickelte die unterschiedlichsten Strategien, um derartige Verletzungen zu vermeiden.
Anders offenbar das Axolotl. Es gibt hier innerartlich, insbesondere im Jungendstadium, praktisch keinerlei Beißhemmung und kaum Abwehrstrategien. An Stelle dieser Funktionen, die für uns so selbstverständlich anmuten, setzt das Axolotl das Prinzip des Nachwachsens. So grausam es für den menschlichen Betrachter auch aussehen mag, für ein junges oder halbwüchsiges Axolotl scheint der Verlust eines Beines oder Kiemenastes zum Alltag zu gehören und dürfte für das Wohlergehen des Tieres nur untergeordnete Bedeutung haben. Möglicherweise ist hierfür auch das Schmerzempfinden deutlich reduziert. Bei ansonsten optimaler Versorgung besteht also kein Grund zur Beunruhigung, wenn derartige Beißereien passieren. Die Physiologie der Art ist auf diesen Fall perfekt vorbereitet.

Fortpflanzung:
Über die Vermehrung im natürlichen Gewässer wissen wir beim Axolotl wenig. Umso bekannter ist der Vorgang im Labor bzw. in den Liebhaberbecken: Mit einem Höhepunkt in den Wintermonaten sind die Tiere praktisch das ganze Jahr über zur Fortpflanzung zu bringen. Voraussetzung ist, dass das Weibchen Laich angesetzt hat. In diesem Zustand kühlt man die Tiere einige Tage ab, indem sie z.B. in einen kühlen Raum gebracht werden oder das Becken direkt mit Kühlakkus bestückt und so die Temperatur auf 10°C bis 14°C abgesenkt wird. Es ist nicht ausschlaggebend, welche absoluten Temperaturen erreicht werden, sondern ein für die Tiere deutlich wahrnehmbarer Kältereiz ist erforderlich. Möglicherweise stammt dieses Reizbedürfnis von heftigen Regenfällen im natürlichen Habitat, die dort als Fortpflanzungsauslöser dienen. Bei entsprechend hoher Fortpflanzungsbereitschaft reicht auch zuweilen ein kaum wahrnehmbarer Außenreiz, sodass für den Pfleger der Eindruck eines spontanen Geschehens entsteht. Nach Absetzen und Aufnehmen des Spermatophoren beginnt das Weibchen innerhalb von 1-2 Tagen große Mengen (bis 250 Stück) an Eiern abzusetzen indem diese an diverse Einrichtungsgegenstände geklebt werden. Der Laich sollte von den Elterntieren getrennt werden. Abhängig von der Temperatur schlüpfen die Larven innerhalb von 2 Wochen. Schon am vierten Tag nach dem Schlupf beginnen sie mit der Futteraufnahme. Als Erstnahrung haben sich im Salamanderland Artemia-Nauplien bewährt. Die große Anzahl der Jungtiere bedingt ein entsprechend intensives Futterangebot und daraus resultierend einen häufigen Wasserwechsel bzw. eine leistungsfähige Filterung wobei es allerdings gilt, deutlich wahrnehmbare Strömungen im Becken zu vermeiden, da Axolotl generell schlechte Schwimmer sind, die Ruhigwasserzonen bevorzugen.
Wenn die Larven eine Größe von 20 mm erreicht haben, kann auf größeres Futter umgestellt werden (Daphnien, Tubifex, Rote Mückenlarven, Enchyträen etc.) Die Umstellung auf Frostfutter erfolgt im Salamanderland allmählich und mit etwa 4 cm erhalten die Tiere vor allem gefrorene Rote Mückenlarven, die bei zunehmendem Wachstum mit lebenden Regenwürmern ergänzt werden. Im Alter von etwa 12 Monaten sind die Tiere geschlechtsreif.

Zusatzinformationen:
Durch die über sehr viele Generationen erfolgte Inzucht, durch Linienzucht, Spontanmutationen und durch genetische Experimente entstanden beim Axolotl eine ganze Reihe von unterschiedlichen Farbschlägen.
Neben der dunkelgrau marmorierten Wildform (WILD) gibt es unter anderem:

SILVER Weisslinge (unpigmentierte Tiere mit roten Kiemen, aber schwarzen Augen)
BLACK Schwärzlinge (fast durchgehend schwarz gefärbt)
PLATIN Albinos (fast unpigmentierte Tiere mit farblosen Augen)
GOLD Goldalbinos (metallisch gelb gefärbte Tiere)
COPPER Braune (wie Wildform, aber braune Grundfarbe)
HARLEKIN diverse Schecken (unregelmäßig über den Körper verteilte Pigmentgruppen)


Spezialisten unterscheiden innerhalb dieser Farbformen noch weitere Varianten. Darüber hinaus existieren selbst augenlose Stämme.

Teils stammen diese Tiere aus Experimenten von R. R. HUMPHREY, der in den 1960er Jahren Eier eines albinotischen Weibchens von A. tigrinum mit Sperma von A. mexicanum befruchtete. Dieses Produkt wurde mittels Zellkerntransplantationen weiter entwickelt, was schließlich zu lebensfähigen Zuchttieren führte. Man nennt deshalb die daraus entstandenen Farbformen auch „Humphrey-Hybriden“. Bei tadelloser Versorgung sind diese Farbformen entgegen den Angaben in der Literatur heute durch Zuchtwahl ebenso vital und lebensfähig wie die Naturfärbigen. Wer sich näher mit der Genetik der einzelnen Farbformen beschäftigen möchte, findet auf der Homepage der Kentucky University (vormals "Axolotl Colony") umfassende Informationen.
 

Im Salamanderland werden folgende Bezeichnungen für die unterschiedlichen Farbvarianten verwendet:

Grau marmorierte Wildform = WILD
Schwärzlinge = BLACK
Weisslinge = SILVER
Teilalbinos (albinotisch) = PLATIN
Humphrey Hybriden (Goldalbinos) = GOLD
Braune (kupferfarben) = COPPER
Schecken (unregelmäßig gefleckt) = HARLEKIN

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