Salamanderland
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| Paarung | Entwicklung | Technik |
Erstbeschreibung:
Waga, A.(1876): Nouvelle espèce de
salamandride. Revue et Magasin de zoologie pure et appliquée, Paris, 3: 326-328.
Diagnosis:
Ein überaus schlanker Molch mit außergewöhnlich langem Schwanz, der bis zu 2/3
der Gesamtlänge einnimmt. Die Färbung ist schwarzbraun bis schwarz. Im
Rückenbereich zieht eine Doppelreihe von gelben Flecken vom Kopf bis in den
Schwanzbereich. Die Ausprägung der Gelbfärbung ist individuell sehr
unterschiedlich. Seitlich sind zahlreiche weisse Pünktchen zu erkennen.
Charakteristisch beim Männchen ist der deutlich ausgeprägte Schwanzwurzelhöcker
und eine Rückenhaut, die zahlreiche winzige verhornte Zäpfchen aufweist, die
offenbar den Zweck haben, das Weibchen bei der Paarung sicher festhalten zu
können. Das Weibchen weist an der Stelle des Schwanzwurzelhöckers statt dessen
eine Einbuchtung auf.
Der Schwanz kann- im Gegensatz zu den entsprechenden Angaben in der Literatur-
nicht abgeworfen werden. Sollte er abbrechen, stirbt das Tier.
Differentialdignosis:
Im Lebensraum des Kaukasussalamanders existiert kein weiteres ihm ähnelndes
Tier. Andererseits gibt es eine verwandtschaftliche Beziehungen zu Chioglossa
lusitanica, dem Goldstreifensalamander aus Portugal, der in der Tat auch
erhebliche morphologische Ähnlichkeiten aufweist.
Dass die Tiere des Artenkreises Lyciasalamandra (non Mertensiella) luschani ( Veith
M. & S. Steinfartz, 2004) nicht monophyletischen Ursprungs mit M. caucasica
sind und deshalb in eine neu geschaffene Gattung gestellt wurden, ist
mittlerweile hinlänglich anerkannt.
Unterarten:
Von Tartaraschvili R. V. & M. A. Bakradse wurde
1989 die Unterart M. caucasica djanaschvili vom Berg Tirala (Provinz
Batum, Georgien) beschrieben. Diese zeichnet sich durch eine deutlich hellere
(als orange-braun beschriebene) Grundfärbung aus. Möglicherweise handelt es sich
aber nur um eine lokale Tieflandform. Die Validität ist fraglich.
(mehr Systematik)
Verbreitung:
Östliche Schwarzmeerküste, Transkaukasien, Türkei-
Nordabhänge des Ostpontus von Giresun bis zur georgischen Grenze, Georgien-
Adjaro-Imeretian-Gebirge und westlicher Teil des Tiraleti-Gebirges bis Bakuriani.
Habitat /
Ökologie:
Ursprünglich hielt man diese Art für einen reinen
Gebirgsbewohner. Bei den Untersuchungen der letzten beiden Jahrzehnt hat sich
aber herausgestellt, dass die Tiere entlang von kleinen Wasserläufen bereits von
der Küstenzone an bis ins Gebirge leben. Der Verbreitungsschwerpunkt ist aber in
den höheren Lagen. Inwiefern sich die Tieflandpopulationen in ihren
Habitatansprüchen unterscheiden, ist unbekannt. Es scheint aber, dass die eher
zweifelhafte Unterart „dschanashvili“ tatsächlich nur eine derartige
Tieflandform darstellt. Wesentlich für die Verbreitung dürfte eine
Jahresniederschlagsmenge von über 1000 mm zu sein. M. caucasica fehlt dem
entsprechend auch in allen trockeneren Arealen inmitten ihres
Verbreitungsgebietes.
Die Umgebung der bewohnten kleinen bis kleinsten Bäche und Rinnsale zeichnet
sich durch hohe Feuchtigkeit aus. Subtropischer Mischwald im Küsten nahen
Bereich mit sämtlichen Übergängen bis zu alpinen Matten stellen den Lebensraum
dar. In den warmen tiefen Regionen, die auch außerhalb der Frostgrenze liegen,
bevorzugt die Art schattige, tief eingeschnittene Tälchen im Bereich von
Laubwäldern. Im subalpinen Bereich können die Matten auch südexponiert sein.
Über die Lebensweise der Tiere in der natürlich Umgebung ist recht wenig
bekannt. Es ist aber sehr wahrscheinlich, dass auch Populationen, die außerhalb der
Frostzonen leben, eine ausgeprägte Winterruhe einhalten. Je nach Höhenlage beginnt die
Jahresaktivität im späten Frühjahr. Nach der kompliziert ablaufenden Paarung
dürften die Weibchen die Eier im Lauf des Sommers hauptsächlich in den Bereich
von Quellmündern ablegen. Dort kann der Laich- temperaturabhängig- sogar
überwintern und erst im darauffolgenden Frühjahr schlüpfen. Die Larvalentwicklung im Lückensystem zwischen den Steinen der Rinnsale dauert
schließlich bis zu drei Jahre. Die Geschlechtsreife dürfte erst mit insgesamt
9-10 Lebensjahren erreicht werden.
Nahrung:
Von M. caucasica existieren Magenanalysen, die sie als Generalisten
ausweisen. Insbesondere aber Gammariden und diverse Insekten der
Wohngewässer bilden die Nahrungsgrundlage.
Haltung
im Terrarium:
Entsprechend ihrer Lebensweise ist das Terrarium
stellenweise nass oder zumindest sehr feucht zu halten. Trotzdem müssen
ausreichend Plätze vorhanden sein, wo die Tiere abtrocknen und sich „aufwärmen“
können. Das Hauptproblem bei der Haltung ist das gleichzeitige zur Verfügung
stellen von kühlem Wasser (12° bis 14°C) und zeitweilig (stundenweise) höheren
Lufttemperaturen von bis zu 25°C. Dies kommt den Gegebenheiten des Habitats
nahe, aus dem die Tiere des Salamanderlands
stammen. Die Installation eines gekühlten Wasserteils scheint daher ratsam.
Die Wasserwerte im natürlichen Habitat weisen geringe Härtegrade und tendenziell
eher sauren pH-Wert auf. Sie stehen damit im deutlichen Gegensatz zu vielen
anderen von Schwanzlurchen bewohnten Gewässern Eurasiens.
An Nahrung bevorzugt M. caucasica eher kleinere Beutetiere. Regenwürmer
werden häufig verschmäht. Die Raupen der Wachsmotte hingegen werden gierig
angenommen. Auch mittelgroße Heimchen und selbst Drosophila werden von den
Adulti erbeutet.
Auf Grund der technischen Konzeption unterscheiden sich die M. caucasica
Becken im Salamanderland deutlich vom
üblichen Liebhaber-Terrarium. Der gekühlte Wasserteil (8-12 cm Wasserstand) wird
zu 2/3 von einer Glasplatte abgedeckt, die den Landteil bildet. Auf diesem
liegen geschichtet Schaumstoffstreifen, die zu unterst noch im Wasser liegen und
nach oben hin immer trockener werden. Die Becken sind mit Glas abgedeckt.
Ventilatoren drücken - über Schaltuhren gesteuert - kurzeitig warme trockene
Umgebungsluft ein. Das Wasser des Wasserteils wird permanent gefiltert und
rieselt über die gesamte Rückwand verteilt zurück. Die Rückwand stellt
gleichzeitig die Wärmetauscherfläche zum Primärkühlraum dar. Der Primärkühlraum
ist mit Kühlflüssigkeit gefüllt und wird mittels eines Kompressoraggregats gekühlt. Die
Temperaturdifferenz Primärkühlraum zu Terrarieninnenraum liegt zwischen 2° und
4°C. Eine technisch aufwändige und komplizierte Einrichtung, die aber letztlich
zum Erfolg führt.
Fortpflanzung:
Etwa Ende Mai beginnen die Männchen mit der Balz und im
Juni/Juli legen die Weibchen ihre Eier ab. Diese heften sie unter Wasser an
diverse Strukturen. Abhängig von den Temperaturen entwickelt sich der Laich sehr
langsam und kann selbst überwintern. Die geschlüpften Larven, die schon Beine
aufweisen, brauchen bis zu einem Monat, bis der Dottervorrat aufgebraucht ist
und sie zu fressen beginnen. Die Versorgung erfolgt mit dem für Larven dieser
Größe üblichen Kleinfutter. Die gefressenen Mengen sind sehr gering. Es ist
nicht ratsam, die Wassertemperaturen deutlich über 16°C ansteigen zu lassen. Die
Entwicklung der Larven wird dadurch zwar beschleunigt, aber bei der
Geschlechtsdifferenzierung kann das zu Problemen führen (zu hohe
Dauertemperaturen in einem bestimmten Larvenstadium dürften ausschließlich die
Ausbildung von Männchen zur Folge haben). Im zweiten Jahr verlassen die
metamorphosierten Jungtiere mit 6-7 cm Gesamtlänge das Wasser. Nun beginnt eine
überaus langdauernde Entwicklung, die sich über mehrere Jahre erstreckt, bis die
Jungtiere mit etwa 7 Jahren ihre Geschlechter erkennen lassen. Mit
durchschnittlich 8 Jahren beginnen erste Paarungsversuche, die im
Salamanderland aber erst im Alter von 10
Jahren von Erfolg gekrönt waren. Dies entspricht auch den Daten aus dem Habitat.
Allein der lange Zeitraum, der für die Entwicklung in Anspruch genommen wird,
bedeutet bei der Haltung dieser Art einen sehr hohen Aufwand an Kontinuität und
exakter Betreuung. Hinzu kommt die laufende Wartung der technischen Apparatur,
die nicht mit billigen Elementen auskommt, sondern aus Komponenten aufgebaut
werden muss, die aus der industriellen Nutzung kommen und somit eine maximale
Zuverlässigkeit aufweisen. Immerhin muss mit einem klaglosen Funktionieren der
Anlage im Rahmen von 15-20 Jahren gerechnet werden, will man mehrere
Generationen heranwachsen sehen. Technische Pannen können zum Verlust der
Tiere führen. Die entsprechende Anlage im Salamanderland ist seit 1992 ununterbrochen in Betrieb. Es wachsen
darin die Nachkommen der einzigen sich regelmäßig vermehrenden Gruppe von
M. caucasica in menschlicher Obhut heran. Seit 2000 gelingt in
unserer Anlage bislang jedes Jahr die Aufzucht einer kleinen Gruppe von F2-Tieren.
Zusatzinformation:
Es ist durchaus möglich, M. caucasica über
längere Zeiträume auch ohne besonderen technischen Aufwand unter üblichen
Terrarienbedingungen individuell bei halbwegs guter Kondition zu halten. Mit der
Fortpflanzung wird es aber auf diese Weise kaum klappen. Es scheint so zu sein,
dass zumindest die Weibchen unter höheren Dauertemperaturen nicht entsprechend
viel Nahrung zu sich nehmen und verdauen zu können, die sie brauchen, um den
zusätzlichen Energieaufwand der Eiproduktion zu bestreiten. Hohe Temperaturen
bewirken einen hohen Grundumsatz beim Tier. Die Nahrungsaufnahme ist nun
durchaus im Stande, diesen erhöhten Grundumsatz energetisch abzudecken, kann
aber für die Eiproduktion nur noch unzureichende Mengen liefern. Es kommt unter
derartigen Bedingungen in der Regel zu keinem Laichansatz.
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