Salamanderland
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| Kurdistan | Adulti |
Erstbeschreibung:
Cope, E. D. (1862): Proc.
Acad. Nat. Sci. Philadelphia, 123: 347.
Diagnosis:
Ein
recht großer, für die Gattung kräftiger Molch mit einer Gesamtlänge von 18 cm. Der Schwanz nimmt etwa die Hälfte der Gesamtlänge ein. Die
Haut am Rücken und den Seiten ist rau und nur mit zahlreichen mittelgroßen und kleinen Warzen besetzt.
Der schwarze Rücken trägt eine Vielzahl großer hellgelber Flecken (namensgebend:
crocatus = safrangelb), die sich mit zunehmend Alter vergrößern und somit ein
Muster erzeugen, das einer schwarzen Netzzeichnung auf gelbem Grund ähnelt. Der
Bauch ist gelb bis orangerot gefärbt.
Die Unterscheidung der Geschlechter außerhalb der Paarungszeit ist schwierig. In
der Wasserphase hingegen zeigt das Männchen eine stark halbkugelig vorgewölbte
Kloake, während das Weibchen die seine zu einer mäßig großen Legeröhre
ausbildet. Laichtragende Weibchen sind darüber hinaus recht füllig.
Differentialdiagnosis:
Zu N. kaiseri: Dieser weist eine weiss-schwarze Grundfärbung mit
orangeroter Rückenlinie auf.
Zu
N. microspilotus: Dieser hat einen deutlich
geringeren Gelbanteil, die Flecken sind erheblich kleiner.
Der Bauch und die Gliedmassenunterseiten sind leuchtend orangerot. Die Kehle ist orange mit schwarzen Punkten. Die Kloake des
Weibchens ist stumpfkegelig. Die Jungtiere tragen orangerote Marken an den
Kopfseiten und den Ansatzstellen der Gliedmassen
Zu
N. strauchii strauchii: Dieser ähnelt ihm
in der Körperzeichnung weitgehend. Der Bauch zeigt eine orangerote Mittellinie.
Er und die Gliedmassenunterseiten sind allerdings
grauschwarz.
Zu
N.
strauchii barani: Dieser zeigt eine Bauchfärbung, die helle
Flanken und eine deutlich breitere Längsbinde auszeichnet. Die gelben Flecken
nehmen mit zunehmendem Alter nicht zu.
Status der Unterarten:
Von N. crocatus sind keine
Unterarten beschrieben. In den Nachzuchten traten allerdings vereinzelt aberrant
gefärbte Tiere auf: Auf eher braunschwarzem Grund zeigte sich eine große Zahl
winziger gelber Pünktchen. Tiere dieses Aussehens wurden als "Goldstraub-Variante"
bezeichnet.
Verbreitung:
Terra
typica restricta: "Ooremiah, Persia" (=Urmia-See)
Die Art ist aus einem recht großen Gebiet bekannt: Südliche Provinz Hakkari der
Türkei, nordöstlicher Irak bis Kirkuk, nordwestlicher Iran im Bereich des
Westufers des Urmia-Sees. Sie lebt in diesem Gebiet auf den westlichen und
östlichen Hängen und Ausläufern des Zagros-Gebirges. Die Habitate sind
allerdings weitgehend unerforscht. Allein aus türkischen Vorkommen liegen
rezente Daten vor. N. crocatus bewohnt Gebirgsbäche des Mittel- und
Hochgebirges. Auffällig ist auch bei dieser Art ihre häufig enge Nähe zu
menschlichen Siedlungen. Zum Hochwasserschutz werden lange Steindämme entlang
der Bäche errichtet an dessen Verlauf die Dörfer liegen. Diese Dämme sind
offenbar ein günstiger Zweitlebensraum, wo die Tiere in hoher Zahl ihr
Fortkommen finden. Der
gegenwärtige Wissensstand über die Art ist überaus gering. Aussagen über das
Verbreitungsgebiet und Populationsgrößen oder Gefährdungsgrad von N. crocatus
sind deshalb vorläufig reine Spekulation. Bislang wurden keine Tiere in den
Zoohandel gebracht.
Habitat/Ökologie:
Das Vorkommensgebiet von N. crocatus ist verhältnismäßig kühl und
je nach Jahreszeit auch feucht. Die Winter sind lang und streng mit großen
Schneemengen. Die Sommertemperaturen können allerdings recht hoch werden. In den
Sommerquartieren dürfte es darüber hinaus auch recht trocken werden. Über die
Lebensweise, Nahrung, Sommer- und Winterquartiere ist wenig bekannt.
Nahrung:
Es gibt
kaum Befunde über die Nahrung von N. crocatus in seiner natürlichen
Umgebung. Im Terrarium erweisen sich die Tiere als und anspruchsvolle Fresser.
Haltung
im Terrarium:
Auf Grund der großen Informationslücken ist es schwierig,
ein geeignetes Terrarium einzurichten. Bislang einigermaßen bewährt haben sich Becken, die über einem Wasserstand von
ca. 20 Zentimetern mehr oder
weniger hohe Stein- und Lochziegelaufbauten aufweisen. Organisches Material, wie
Rinden oder auch lebende Pflanzen sind weitgehend fehl am Platz. Das Wasser sollte über Filter sehr gut gereinigt werden, da die Tiere an
keimarme Gebirgsbäche angepasst sind. Eine Kühlung im Frühling auf Werte um 12°C
ist angebracht. Sobald Temperaturen von mehr als 18°C erreicht werden,
entwickeln die Tiere eine samtige, wasserabweisende Haut und drängen an Land.
Sie verbringen der Großteil des Jahres in Steinaufbauten versteckt und sind im
Sommer gegen höhere Temperaturen (22-24°C) nicht empfindlich. Eine Winterruhe
von Ende Oktober bis Ende März entspricht den natürlichen Verhältnissen.
Fortpflanzung im Terrarium:
So
problematisch die ausreichende Ernährung der Art auch ist, ist sie doch
Voraussetzung für eine erfolgreiche Vermehrung.
Nach der mehrmonatigen Winterruhe werden die Tiere im Frühjahr in ein Aquarium
mit Steinaufbauten gesetzt. Die Balzstimmung erkennt man nun am ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus: Die Männchen zeigen eine stark geschwollene,
halbkugelförmig vorgewölbte Kloake und silberblaue Flecken auf den
Schwanzseiten. Die Weibchen wirken aufgetrieben und zeigen eine kegelig
vorgestülpte Kloake. Die Eier werden einige Tage nach der Paarung auf Steinen abgelegt und haften dort sehr fest.
Der Laich sollte regelmäßig mit den Steinen in ein eigenes Becken überführt
werden. Zum einen erweisen sich mache Tiere als Laichräuber, zum anderen
brauchen die Eier besonders hygienische Verhältnisse und eine optimale
Sauerstoffversorgung. Je nach Temperatur schlüpfen die Larven nach etwa 3
Wochen. Sie sind sehr scheu und flüchten sofort zwischen Steinen. Ihre Kontrolle
ist daher recht schwierig. Vorsichtig sollte man in Abständen die Steine, die
dem Boden aufliegen, einzeln entnehmen, den Mulm absaugen und anschließen wieder
einbringen, worauf zu achten ist, dass dabei keine Larven zerquetscht werden,
weil diese sofort versuchen, wieder unter die Steine zu schlüpfen.
Die Larven erweisen sich weniger wählerisch, was das Futter betrifft, als die
Adulten und können mit den gängigen Organismen gut ernährt werden. Nach 4 Monaten
beginnt die Metamorphose.
Entwicklung im Terrarium:
Die Larven
schlüpfen mit einer Länge von 13-14 mm. Sie hängen zunächst mit ihren Haftfäden am
Substrat und leben vom deutlich sichtbaren Dottervorrat. Sechs bis sieben Tage
später beginnen sie mit der Nahrungsaufnahme. Als Erstnahrung haben sich Cyclopsnauplien bzw. Nauplien von Artemia salina bewährt.
Diese Fütterung kann beibehalten werden, bis die Larven eine Länge von 15-20 mm
erreicht haben. Dann muss auf größere Nahrungsorganismen umgestellt werden (Daphnien,
Tubifex, Mückenlarven, Enchyträen). Die Larven scheinen sich
gegenseitig nicht zu beschädigen. Für entsprechende Wasserqualität in den Aufzuchtbehältern ist durch ausreichende Filterung, Belüftung und Wasserwechsel
zu sorgen.
Nach 4-5 Monaten und einer Länge von 45-55 mm metamorphosieren die Tiere. In
dieser Phase drängen die Jungtiere an Land. Sie brauchen deshalb Strukturen im
Becken, die ein einfaches Aufsuchen des Trockenen ermöglichen, um Unfälle durch
Ertrinken zu verhindern.
Molchregister:
Die Art wurde im Molchregister der AG-Urodela der
DGHT monitorisiert. Nach anfänglichen Vermehrungserfolgen gingen diese drastisch
zurück. Es dürften kaum noch Tiere dieser Art in Terrarien vorhanden sein. Auch
die Gruppe im Salamanderland ist verlöscht.
Wiewohl immer wieder anders kolportiert, wurde die Art bisher nie zu
kommerziellen Zwecken importiert und ist daher bis auf weiteres nicht mehr
verfügbar.
Literatur:
Siehe Bibliographie zu Neurergus crocatus im
Molchregister
(Englische Version dieses Artikels) Übersetzt und redigiert von Jennifer Macke und Ralf Reinartz.
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