Salamanderland
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| Vorkommensgebiet Lurestan | Habitat | im Habitat |
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| Männchen | Weibchen | Entwicklung |
Erstbeschreibung:
Schmidt, K. P. (1952): Diagnoses of
new amphibians and reptiles from Iran. Nat. Hist. Misc. Chicago No 93:1-2.
Synonymie:
Neurergus crocatus kaiseri
(Schmidt,
1952), Neurergus crocatus kaiseri (Thorn,
1968), Neurergus kaiseri
(Schmidtler
& Schmidtler, 1970)
Diagnosis:
Ein kleiner, kaum mehr als 12 cm (11-14 cm) Gesamtlänge erreichender Molch mit
gedrungenem Körperbau. (Der Habitus erinnert stark an den von Triturus
(syn. Mesotriton) alpestris.) N. kaiseri ist somit die kleinste
Art der Gattung. Der Schwanz nimmt etwas weniger als die Hälfte der Gesamtlänge
ein. Der Kopf ist flach, etwas länger als breit, die Schnauze abgerundet. Die
Parotiden treten nicht hervor. Der Rumpf ist annährend kreisrund im Querschnitt,
er weist weder Dorsal- noch Lateralleisten auf. Die Haut am Rücken und den
Seiten ist verhältnismäßig glatt und nur mit kleinen Warzen besetzt. Die
Bauchhaut ist glatt.
Die Unterscheidung der Geschlechter außerhalb der Paarungszeit ist schwierig. In
der Fortpflanzungsphase hingegen zeigt das Männchen eine stark halbkugelig
vorgewölbte Kloake, während das Weibchen die seine zu einer 5-6 mm langen
stumpfkegeligen Legeröhre ausbildet. Die Legeröhre von N. kaiseri ist
somit deutlich länger als die der anderen Neurerus-Arten. Laichtragende
Weibchen sind darüber hinaus recht füllig.
Der Rot/Orange Anteil in der Färbung ist beim Männchen etwas kräftiger
ausgebildet. Das für die Art charakteristische Zeichnungsmuster in Schwarz/Weiß
ist individuell ausgeprägt. Wobei Tiere mit hohem Weiß-Anteil ebenso vorkommen,
wie Individuen, die weitgehend schwarz sind.
Differentialdiagnosis:
Durch sein, für Molche einzigartiges Zeichnungsmuster kann N. kaiseri mit
keinem anderen Schwanzlurch verwechselt werden. Er ist die einzige Urodelenart,
die einen relativ hohen Anteil an rein weißer Färbung aufweist. Nachdem bei den
übrigen Arten der Gattung Neurergus die Grundfarbe Schwarz ist, stellt
dies möglicherweise eine Anpassung an die extrem hohe Sonneneinstrahlung in den
potentiellen Paarungsgewässern dar.
Verbreitung:
Terra typica ist Shah-Bazan in der Provinz Lurestan/Iran. (Schmidt,
1955)
Das Gebiet befindet sich in den südlichen Ausläufern des Zagros-Gebirges. Dass
die Art nicht allein auf ein oder zwei kleine Gewässersysteme angewiesen ist,
zeigen jüngste Funde in Ahoo-Burad, das südwestlich außerhalb des Talkessels von
Shah-Bazan liegt
(15 km NNW Chalat,
1330m). Ein weiterer Fundort ist Talehzang.
Rastegar-Pouyani
et al. (2005) geben an, dass ein ehemaliger Fundort verloren gegangen sein soll.
Die bisher publizierten Daten zu Habitat
und Verbreitung weisen offensichtlich Defizite auf. Zur Zeit ist wenig über
dessen tatsächliche Ausdehnung bekannt, es dürfte allerdings in jedem Fall eng
begrenzt sein. Die vertretene Meinung, dass nur etwa 1000 Individuen im Freiland
existieren sollen, ist seriös nicht aufrecht zu erhalten. Diese Zahl ist
vermutlich erheblich höher anzusetzen. Der gegenwärtige
Wissensstand über die Art ist überaus gering. Kolportierte Aussagen über das
Verbreitungsgebiet und die Populationsgrößen oder den Gefährdungsgrad von N.
kaiseri sind deshalb vorläufig Spekulation.
Der Boden des Vorkommensgebiets besteht aus Kalkgestein. Klimatisch/geologisch
handelt es sich um eine gebirgige Halbwüste, deren Vegetation aus wenigen
verstreuten Büschen und Kräutern besteht. Nur in der Nähe der spärlichen
menschlicher Siedlungen, findet man einige wenige von der Bevölkerung gepflanzte
Bäume, wie Eucalyptus (!) und Palmen.
Die großen geologische Veränderungen des Gebiets, die auch in geschichtlicher
Zeit noch weiter vor sich gingen, ließen den Grundwasserspiegel dramatisch
fallen und bieten keinerlei Bedingungen mehr für eine Pflanzendecke in der Art
eines Waldes. Eine Bewaldung im eigentlichen Sinn hat es während des letzten
Glaziale gegeben. Auch diese dürfte allerdings nicht geschlossen gewesen sein.
(Die Behauptung, dass eine anthropogen verursachte Entwaldung des Habitats eine
tagesaktuelle Gefährdungsursache für die Art wäre, ist unsinnig.
Rastegar-Pouyani,
2003)
Auch heute ist das Areal eine geologisch unruhige Zone. Man denke an die
katastrophalen Erdbeben der jüngsten Zeit. Bei der ständigen Hebung der
iranischen Platte wurden vormals existierende (prä-) historische Siedlungen vom
lebenswichtigen Wasser abgeschnitten und in weiterer Folge aufgegeben. Bis auf
vereinzelte Dörfer entlang einer Eisenbahnstrecke, die bis vor kurzem das einzig
mögliche Verkehrsmittel darstellte, wird das Gebiet hauptsächlich von Nomaden
bewohnt. Es gibt kaum mit Autos befahrbare Straßen.
Habitat/Ökologie:
Auf Grund der rasch erfolgten geologischen Veränderungen ist es höchst
verwunderlich, dass ein Schwanzlurch etwa auf der Höhe des 33. Breitengrades
unter Einfluss des Golfklimas überleben konnte. Die Temperaturen erreichen im
Sommer über längere Perioden mehr als 40°C über Grund. Der durch die überaus
spärliche Vegetation kaum beschattete Boden, heizt sich extrem auf. Es handelt
sich bei N. kaiseri um eine Art, deren Vertreter ehemals ein
wahrscheinlich deutlich größeres Gebiet besiedeln konnten. Man kann von einer
Reliktart sprechen, die in einen extremen Lebensraum abgedrängt wurde und dort
bis heute überdauern konnte. Steinfartz
et al. (2002) konnte eindrucksvoll nachweisen, dass sich auch N. kaiseri
zunächst, eng verwandt mit dem Triturus-Tümpeltyp, zum Bachbewohner
gewandelt und schließlich unter dem Druck der sich verändernden Bedingungen
sekundär neuerlich zum ursprünglichen Tümpeltyp zurück entwickelt hat. Seine
Larven entsprechen mit einem Flossensaum, der deutlich vor der Körpermitte
ansetzt, ebenfalls dem Tümpeltyp. Die Isolierung von N. kaiseri begann
vor etwa 5-6 Millionen Jahren.
Lebensgrundlagen kann ein Amphib unter den Bedingungen des südlichen Zagros nur
unter der Oberfläche finden. (Temperaturmittel im Januar: 10°C, im Juli: 32°C)
Tatsächlich haben die in früherer Zeit sicher sehr viel mehr Wasser führenden
Bäche offenbar ein heute noch existentes unterirdisches Karstlabyrinth
geschaffen, in dem die Tiere überdauern können. Wir wissen zur Zeit nichts über
die Bedingungen für ein Leben in diesem Höhlensystem. Da die Molche allerdings
den Großteil des Jahres dort verbringen, sind sie mit hoher Wahrscheinlichkeit an eine
Existenz in Dunkelheit und verhältnismäßig konstante Bedingungen angepasst. Nur
in den Monaten Dezember und Jänner regnet es nach Auskunft der Einheimischen
regelmäßig und in dieser Zeit kommt N. kaiseri offenbar in großer Zahl in
die Oberflächengewässer, um sich zu paaren und abzulaichen. Niederschläge können
zusätzlich bis in den April auftreten. (Niederschlagsmenge im Jahresmittel
immerhin 600 mm.) Der Rest der Jahres ist weitgehend niederschlagsfrei. Es ist
mit gewisser Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass Teile der Population in
den Gumpen der rasch wieder trocken fallenden Bäche eingeschlossen werden und
den Weg in den Untergrund möglicherweise nicht mehr finden und
verenden. So sind Einzelfunde von Tieren in aufgeheizten versiegenden
Bachabschnitten später im Jahr erklärbar. Inwieweit die Larven in den
Oberflächengewässern die Metamorphose bis zu deren Versiegen meist schon im März
schaffen und wie die Jungtiere in das Höhlensystem einwandern, ist ungeklärt. Schmidtler
& Schmidtler (1975)
maßen am 26. Mai eine Wassertemperatur von 23°C bei einer Lufttemperatur von
41°C.
Gemessene chemische Parameter eines Oberflächengewässers in Shah-Bazan:
|
dGH |
9° |
|
KH |
10,64° |
|
pH |
7,8 |
|
mS |
351 |
|
NO3 |
13,2mg/l |
|
NO2 |
0,0 |
|
NH4 |
0,0 |
Wahrscheinlich nutzt nur ein Teil der Populationen die Möglichkeit, an die
Oberfläche zu kommen. Erschwerend kommt dazu, dass die nur für wenige Wochen im
Jahr Wasser führenden Bäche wahrscheinlich kein üppiges Nahrungsangebot
beinhalten. Terrarienbeobachtungen ergaben regelmäßig eine Entwicklungszeit von
etwa 3,5 Monaten. Auffällig ist auch die enorme Photophobie (Lichtscheue) von
Wildfangtieren. Ein weiterer Hinweis auf ein Leben in Dunkelheit. Da die
Höhenverbreitung der Art von etwa 500 bis über 1400m reicht, ist anzunehmen,
dass die einzelnen Populationen unterschiedliche Vorzugstemperaturen und
Verhaltensweisen entwickelt haben.
Über die Fortpflanzung im natürlichen Habitat ist nur sehr wenig bekannt. Eine
Vermehrung ist auch unter Tag möglich, wie Larvenfunde in einem Höhleneingang
belegen (und stellt eventuell sogar die Regel dar!). Abweichend von
Schmidtler & Schmidtler (1975), die
als Ablaichperiode März/April angeben, dürfte diese deutlich früher in tieferen
Lagen beginnen. (Dezember). Die Eier werden einzeln in kleine Vertiefungen der
Felsen gepresst. (Ein Ablaichversuch an einem Lochstein hat diesen Befund
eindrucksvoll bestätigt: Das Weibchen suchte gezielt kleinste Vertiefungen, die
etwa Eigröße hatten und deponierte die Eier so, dass sie mechanisch kaum noch
attackierbar waren) Die Eier haben einen Durchmesser von ca. 4 mm und einen
Dotterdurchmesser von 1,5 bis 2mm. Sie sind somit deutlich kleiner als die Eier
der anderen Neurergus-Arten. Im Freiland wurden Mitte April und Anfang
Mai Larven gefunden. Ende Mai fanden Schmidtler
& Schmidtler (1975) Larven unmittelbar vor der Metamorphose in
Wasser von 23°C.
Von den frei verfügbaren meteorologischen Daten entsprechen noch am ehesten die
Werte von Shiraz den Verhältnissen in Shah-Bazan. Zumindest geben sie eine
Vorstellung von den Verhältnissen.
|
Nahrung:
Es gibt keinerlei Befunde über die Nahrung von N. kaiseri in seiner
natürlichen Umgebung. Allein sein deutlich unterständiges Maul könnte Hinweis
auf eine Spezialisierung sein. Im Terrarium fällt auf, dass die Wildfangtiere
verhältnismäßig schlecht an das übliche Futtertierangebot gehen. An Land werden
z.B. Regenwürmer praktisch nicht als Beute erkannt. Werden hingegen Gammariden
angeboten, jagen die Tiere aktiv danach. Ein möglicher Hinweis auf das
natürliche Nahrungsspektrum. Ohne einen entsprechenden Anteil an Crustaceen in
der Nahrung verlieren die Tiere allmählich ihre roten Farbanteile. Diese dürften
folglich einen wesentlichen Teil der natürlichen Beute darstellen.
Im Terrarium nahmen die Tiere bislang bei verschiedenen Haltern unter
unterschiedlichen Bedingungen folgende Nahrung an:
Regenwürmer (unterschiedliche Arten, lebend), Fliegenmaden (lebend), Rote
Mückenlarven (lebend/gefroren), Weiße
Mückenlarven (lebend/gefroren), Schwarze
Mückenlarven (gefroren),
Bachflohkrebse (lebend/gefroren) ,Tubifex
(lebend), Artemia
(groß, gefroren),
Artemianauplien (lebend),
Mikrowürmchen (lebend),
Wachsraupen (lebend),
Drosophila (lebend), Daphnien
(lebend, gefroren),
Enchyträen (lebend), Heimchen
(lebend),
Schildkrötenpellets „Reptomin“ (! bei Curik), Tetra „Fresh
Delica“ der Sorten „Rote Mückenlarven“ und „Daphnien“ (! bei Kilnhofer)
Importhistorie:
1970 gelang es Schmidtler
& Schmidtler erstmals einige
wenige Tiere nach Europa zu bringen. Diese Tiere überlebten allerdings nur etwa
2 Jahre und wurden nicht vermehrt. Steinfartz & Schultschik folgten 1995 den Spuren von Schmidtler
& Schmidtler. Damals gelang
es eine fortpflanzungsfähige Gruppe (17/10/11) in guter Kondition nach
Deutschland bzw. Österreich zu holen. 1996 konnten sich diese Tiere erstmals im
Terrarium vermehren. Der wesentliche Teil der Daten hierüber stammt bis heute
(!) von diesem Erfolg. Mehrere Jahre hintereinander gelang die Nachzucht, bis
die Tiere allmählich verstarben. Das Interesse an diesen Nachzuchten war damals
derart gering, dass die Jungtiere teilweise in weniger sorgfältige Hände
verschenkt werden mussten, was zum raschen Niedergang der Terrarienpopulation
führte. Dazu kam, dass die F1-Jungtiere recht schwierig in der
Aufzucht waren. Bis heute haben allerdings einzelne Individuen überlebt.
2003 begann die Firma Bion mit Sitz
in Kiev/Weißrussland mit dem regelmäßigen Import von Wildfangtieren. Ohne exakte
Zahlen zu kennen, wurde über diesen Weg sicher mehr als die von IUCN angegebene
Populationsgröße von 1000 Exemplaren verteilt. Waren die Individuen der ersten
drei Importjahre noch überaus hinfällig und dem Tod geweiht, wurde mit den
deutlich fitteren Tieren der folgenden Jahre im größerem Umfang bei einer
Reihe von Haltern nachgezüchtet. Die Nachkommen dieser Tiere haben sich als
stabil erwiesen und es bleibt nun abzuwarten, ob sie weiter vermehrt werden
können.
Haltung im Terrarium:
Auf Grund der sehr spezialisierten Lebensweise und der großen Informationslücken
ist es schwierig, ein geeignetes Terrarium einzurichten. Bislang einigermaßen
bewährt haben sich Becken, die über einem Wasserstand von 15-20 Zentimetern mehr
oder weniger hohe Stein- und Lochziegelaufbauten aufweisen. Organisches
Material, wie Rinden oder auch lebende Pflanzen sind fehl am Platz, sie kommen
im Habitat nicht vor. Das meist geringe zur Verfügung stehende Wasservolumen
sollte über entsprechende Filter sehr gut gereinigt werden, da die Tiere sicher
auch in den Höhlen an Fließwasser angepasst sind. Eine geringe Strömung des
Wassers ist in jedem Fall angebracht. Da anzunehmen ist, dass die Tiere im
Freiland einem sehr niedrigen Keimdruck ausgesetzt sind, ist der Einsatz von
UVC-Geräten angebracht. Im Gegensatz zu den anderen Arten der Gattung
Neurergus weist N. kaiseri keinen deutlich biphasischen Jahreszyklus
auf. Die Tiere halten sich praktisch das ganze Jahr über vornehmlich im Wasser
auf und sind nur nachts kurzfristig an Land. Sie scheinen im Wasser bevorzugt zu
fressen.
Eine explizite Winterruhe ist nicht angebracht. Im Gegenteil- ab Dezember ist
eine erhöhte Aktivität der Tiere festzustellen. Bei Temperaturen unter 18°C
zogen sich die Wildfangtiere des Jahres 1995 zurück und nahmen kaum noch Nahrung
auf. Die Folge war ein deutlicher Gewichtsverlust. Es erschien daher damals
sinnvoll, die Temperatur im Becken nicht unter diesen Wert fallen zu lassen und
die Tiere weiter zu füttern. In den bewohnten Höhlen von Shah-Bazan dürften die
Temperaturen auch kaum unter 17°C sinken.
Die Importe der letzten Jahre und deren Nachzuchten hingegen sind überraschend
plastischer im Verhalten. Sie nehmen auch bei 15°C ohne Probleme Nahrung an und
bleiben noch bei Temperaturen unter 10°C aktiv. Möglicherweise stammen diese
Tiere aus höher gelegenen Fundorten.
Haltungsbeispiele:
Kilnhofer
(schriftl. Mitt.) hält seine Tiere (2/2)
in der Zeit von November bis Februar bei einer Temperatur von nachts: 18-19°C
(Tiefstwerte bei 17°C) und tagsüber bei ca. 21°C) Die Temperaturverhältnisse
sind in diesem Zeitraum bedingt durch die Thermostat gesteuerte Raumheizung
relativ konstant. In dieser Phase beobachtete er Paarungen. Die Tiere halten
sich praktisch ständig im Wasser auf. Von Mai bis September betragen die
Tagtemperaturen im Schnitt 23°C mit Spitzen von 25°C. Nachts sinkt die
Temperatur nicht unter 20°C. In den Übergangszeiten sinken die Temperaturen
nicht unter 18°C und betragen maximal 23°C. Bei den höheren Temperaturwerten
hielten sich die Tiere überwiegend an Land auf. Im Sommer waren Wetter bedingt
deutlichere Temperaturschwankungen zu verzeichnen als im Winterhalbjahr.
Sein Wasser weist folgende Werte auf: >23° dGH, 13° KH, pH 7,5. Es wird kein UVC
eingesetzt. Die Filterung (Innenfilter) erfolgt tw. über Aktivkohle.
Paarungen und Eiablage erfolgten im Winter in Zeiten längerer stabiler
(kühlerer) Verhältnisse. Es wurde eine Sichtblende zum Raum verwendet, um von
den Tieren Stress abzuhalten.
Kopetsch (schriftl. Mitt. und http://www.ag-urodela.de/molchregister_neurergus_kaiseri/neurerguskaiseri.htm) hält seine Tiere bei Temperaturen von 18°- 22°C und bietet eine kühle Phase (10-12°C) für 2 Monate im Herbst an. Ende November erhöht er die Temperatur auf 20°C. Dies löst bei seinen Tieren den Fortpflanzungstrieb aus. Unter diesen Bedingungen leben seine Tiere ganzjährig aquatisch. Innenfilterung. Kein Landteil.
Curik (mündl. Mitt.) hält seine Tiere (4/3) in einer Art Gartenhütte, die deutlich von den Außentemperaturen beeinflusst wird. Er bietet im Winter 10-13°C nachts und heizt mittels Regelheizer tagsüber auf 19°C auf. Im Sommer erreicht er Maximaltemperaturen von 25°C am Tag und Minimaltemperaturen von 16°C nachts. Von November bis März wird die Hütte beheizt. Außen- und Innenfilter. Landteil, der nachts z.T. aufgesucht wird.
Wegmann
(schriftl. Mitt.) Bietet im Dezember eine nur schwach kühle Phase im Wasser bei
19°C. Trotzdem konnte er die erste Eiablage erst am 27. März beobachten. Diese
zog sich bis Ende April. Der erste Schlupf erfolgte Ende März. Abweichend von
anderen Haltern stellt er ungewöhnlich hohe Eizahlen fest: In der ersten Saison
123 Eier, in der zweiten sogar 160 Eier von einem Weibchen, wovon 16 Stück
unbefruchtet waren.
Möglicherweise verfügt Wegmann
über Material, das von einem deutlich höheren Fundort stammt. Darauf weist die
relativ späte Fortpflanzungszeit hin und die offensichtlich wesentlich größeren
und schwereren Weibchen, die deutlich mehr Eier produzieren können.
Fortpflanzung im Terrarium:
Aus den derzeit zugänglichen Freilanddaten sind kaum Hinweise über die
Temperaturentwicklung des Habitats im Jahresverlauf zu gewinnen. Erfolge stellten sich nach
einer kühlen Winterperiode (10– 14°C über mehrere Wochen) ein. Ebenso vermehrten
sich die Tiere aber auch bei weitgehend gleich bleibenden Temperaturen, die 18°C
kaum unterschritten. Die Fortpflanzung begann teilweise im Terrarium schon im
Herbst (Oktober). Ein Höhepunkt ist im Bereich November/Dezember festzustellen.
(Die Angaben der einzelnen Halter schwanken stark, sodass von einer sehr hohen
Plastizität der Art ausgegangen werden kann)
Eine ausreichende Ernährung ist die Voraussetzung für eine erfolgreiche
Vermehrung. War es möglich, dass die Weibchen Laich angesetzt haben und die
Männchen in Paarungsstimmung sind, so kommt es im Aquarium in den Monaten von
Oktober bis Januar nachts bei weitgehender Dunkelheit zur Paarung, die ähnlich
der von Triturus ausfällt, aber wesentlich langsamer und ruhiger
durchgeführt wird
(Sparreboom
et al, 2000).
Bei den Tiere aus Shah-Bazan kam es erst nach einer deutlich Temperaturerhöhung
auf 24°C zur Eiablage. Berichte über die zur Zeit in den Terrarien lebenden
Stämme ergeben aber, dass es keiner auffälligen Erhöhung der Temperatur bedarf
und die Weibchen auch schon bei 12-14°C ablaichten. Dabei tasten sie mit ihrer
Legeröhre in kleinste Spalten und Ritzen der Steine und verbergen die Eier
einzeln. Ein weiterer Hinweis auf die große ökologische Toleranz der Art ist das
Absetzen der Eier auf Pflanzen im Aquarium. Ein derartiges Substrat fehlt
vollständig im natürlichen Habitat. Die Eizahl pro Weibchen liegt zwischen ca.
45 bis ca, 60. Wegmann gibt
deutlich höhere Eizahlen an
Entwicklung im Terrarium:
Die Larven schlüpfen nach einer durchschnittlichen Entwicklungszeit von 17 Tagen
(Temperatur abhängig) mit einer Länge von 13-14 mm. Sie hängen zunächst mit
ihren Haftfäden am Substrat und leben vom deutlich sichtbaren Dottervorrat.
Sechs bis sieben Tage später beginnen sie mit der Nahrungsaufnahme. Als
Erstnahrung haben sich Cyclopsnauplien bzw. Nauplien von Artemia salina
bewährt.
Diese Fütterung kann beibehalten werden, bis die Larven eine Länge von 15-20 mm
erreicht haben. Dann muss auf größere Nahrungsorganismen umgestellt werden (Daphnien,
Tubifex, Mückenlarven, Enchyträen). Die Larven scheinen sich
gegenseitig nicht zu beschädigen. Auch von den Adulti geht wahrscheinlich keine
Gefahr für die Larven aus. Für entsprechende Wasserqualität in den
Aufzuchtbehältern ist durch ausreichende Filterung, Belüftung und Wasserwechsel
zu sorgen. Der Einsatz von UVC-Geräten ist sinnvoll.
Nach 3,5 Monaten und einer Länge von 45-55 mm metamorphosieren die Tiere. In
dieser Phase drängen die Jungtiere an Land. Sie brauchen deshalb Strukturen im
Becken, die ein einfaches Aufsuchen des Trockenen ermöglichen, um Unfälle durch
Ertrinken zu verhindern.
Die Nachzuchten der letzten Importe suchten allerdings kaum das Land auf.
Voraussetzung für eine gesunde Entwicklung ist hierbei allerdings ein
optimierter Gasaustausch (CO2-Austrieb, O2-Sättigung).
Dann ist zu beobachten, dass die Jungtiere (und auch die Adulten) kaum jemals an
die Oberfläche steigen, um zu atmen, sondern ihren Gasaustausch fast
ausschließlich über die Haut bewerkstelligen. Die Geschlechtsreife wird unter
solchen Bedingungen nach drei Jahren erreicht. Die Aufzucht ist im Wasser
wesentlich unproblematischer als an Land.
|
|
Schultschik |
Kilnhofer |
Curik |
Kopetsch |
Wegmann |
|
Paarung |
Dezember |
Dezember |
Herbst |
Ende November |
k. A. |
|
Eiablage |
Ende Dezember bis Anfang Februar (bis April) |
Ende Januar |
Oktober, November |
Mitte Dezember |
März/April |
|
Schlupf |
Ab Mitte Februar |
Mitte Februar |
November |
k. A. |
Ab Ende März |
|
Metamorphose |
Ab Ende Mai bis November |
Ab Ende Mai bis November |
k. A. |
k. A. |
Bis Dezember |
|
Eizahl/Weibchen |
Ca. 50 |
Ca. 45 |
k. A. |
Ca. 60 |
123/160 |
Molchregister:
Die Art wird im Molchregister der AG-Urodela der DGHT monitorisiert. Ziel ist
eine Erhaltung der Terrarienpopulationen, um von problematischen Importen
unabhängig zu sein und um Tiere für Forschungszwecke zur Verfügung stellen zu
können. Pate der Art ist Jochen Kopetsch.
Einige europäische Zoos versuchen ebenfalls Erhaltungszuchten.
Die Organisation
Amphibian Ark
widmet
sich unter anderem auch N. kaiseri.
Conservation
Status:
| IUCN 2008 (Red Book): | Critically endangered CR |
| CITES | not listed |
| Other International Status | None |
| National Status | None |
| Regional Status | None |
Literatur:
Baloutch,
M. & H. G. Kami
(1995): Amphibians of Iran.- Tehran University Publications 2250, 177 pp.
[91-99].
climate-zone.com (CIA World Fact Book) (2003): http://www.climate-zone.com/climate/iran/celsius/shiraz.htm
IUCN, Conservation International and Nature Serve, (2008): http://www.iucnredlist.org/details/59450
Kopetsch J. (1997?): Das Molch-Register der Gattung Neurergus kaiseri. http://www.ag-urodela.de/molchregister_neurergus_kaiseri/neurerguskaiseri.htm
Rastegar-Pouyani, N. (2003): Ecology and Conservation of the Genus Neurergus in the Zagros Mountains, Western Iran. http://www.open.ac.uk/daptf/froglog/FROGLOG-56-2.html.
Rastegar-Pouyani, N., M. Sharifi & S. Assadian Narenji, (2005): Analysis of Geographic Variation within Populations of Neurergus microspilotus and between N. kaiseri and N. microspilotus (Caudata: Salamandridae).- Russian J. Herpetol., 12: 129-136.
Schmidt, K. P. (1952): Diagnoses of new amphibians and reptiles from Iran. Nat. Hist. Misc. Chicago No 93:1-2.
Schmidt, K. P. (1955): Amphibians and Reptiles from Iran.- Vid. Medd. dansk naturhist. Foren., 117: 193-207.
Schmidtler, J.J. & J.F. Schmidtler, (1970): Morphologie, Biologie und Verwandtschaftsbeziehungen von Neurergus strauchii aus der Türkei. -Senckenb. Biol., Frankfurt/M., 51: 42-53.
Schmidtler, J.J. & J.F. Schmidtler, (1975): Untersuchungen an westpersischen Bergbachmolchen der Gattung Neurergus (Caudata, Salamandridae).- Salamandra, Frankfurt/M., 11: 84-98.
Schmidtler, J.F. (1994): Eine Übersicht neuerer Untersuchungen und Beobachtungen an der vorderasiatischen Molchgattung Neurergus Cope, 1862.- Abh. Verk. Naturk., Magdeburg 17: 193-198.
Schultschik, G. & S. Steinfartz, (1996): Ergebnisse einer herpetologischen Exkursion in den Iran. Herpetozoa, Wien, 9: 91-95.
Schultschik, G. & S. Steinfartz, (1997): Fremdes Persien: Auf abenteuerlicher Molchsuche im Iran. TI Magazin, 135: 53-58.
Sparreboom, M., S. Steinfartz & G. Schultschik, (2000): Courtship Behaviour of Neurergus. (Caudata: Salamandridae).- Amphibia-Reptilia, Leiden, 21: 1-11.
Steinfartz, S. (1998): Molekulare Phylogenie der Gattung Neurergus.- Urodela Info, Bochum, Offenbach, 11: 26.
Steinfartz, S. & G. Schultschik (1997): Die Gattung Neurergus.- Reptilia, Münster, 8: 43-48.
Steinfartz, S., U.W. Hwang, D. Tautz, M. Öz & M. Veith, (2002): Molecular Phylogeny of the Salamandrid Genus Neurergus: Evidence for an Intrageneric Switch of Reproductive Biology. Amphibia-Reptilia, 23: 419-431.
Stuart, S.N., M. Hoffmann, J.S. Chanson, N.A. Cox, R.J. Berridge, P. Ramani & B.E. Young (2008): Threatened Amphibians of the World. Lynx Eiditions, Barcelona, Spain, IUCN, Gland, Switzerland; and Conservation International, Arlingston, Virginia, USA. 758 pp.
Siehe
auch Bibliographie zu Neurergus crocatus im
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