Salamanderland 

Neurergus strauchii strauchii (Steindachner, 1887)
Strauchs-Bachsalamander
Strauch`s Brook Salamander

 Männchen Weibchen Entwicklung

Erstbeschreibung:
Steindachner, F. (1887):
 Sitzungsber. Akad. Wiss. Wien, phys. math. Naturwiss. Kl. 96: 68.

Diagnosis:
Ein schlanker, bis 19 cm großer Molch, dessen Schwanzlänge etwa der Hälfte der Gesamtkörperlänge entspricht. Die Haut erscheint durch zahlreiche niedrige Erhabenheiten etwas runzelig. Auf tiefschwarzer Grundfarbe erscheinen viele recht kleine rundliche und längliche schwefelgelbe Flecken. Diese Fleckung vermehrt sich im Lauf des Lebens, ohne dass sich die einzelnen Flecken vergrößern. Auf dem ungefleckten, schwarzen Bauch zieht eine seitlich ausgezackte schmale gelbe bis orangerote Längsbinde, die sich als schmaler Saum auf der Schwanzunterseite fortsetzt. Die Kehle ist schwarz mit gelben Punkten. Das Männchen zeichnet sich durch einige kleine blaue Flecken auf den Schwanzseiten aus, die allerdings nur in der Fortpflanzungszeit gut erkennbar sind.

Differentialdiagnosis:
Zu N. kaiseri: Dieser weist eine weiss-schwarze Grundfärbung mit orangeroter Rückenlinie auf.
Zu N. crocatus: Dessen gelbe Fleckung vergrößert sich im Alter, sodass letztlich der Eindruck einer gelben Grundfärbung mit schwarzem Netzmuster entstehen kann. Hat kleine und große Flecken. Sein Bauch ist gelb bis orangerot.
Zu N. microspilotus: Dieser ähnelt ihm in der Körperzeichnung weitgehend. Die Gliedmassenunterseiten sind allerdings in Bauchfarbe (N. strauchii: grauschwarz). Die Kehle ist orange mit schwarzen Punkten. Die Kloake des Weibchens ist stumpfkegelig.
Zu N. strauchii barani: Dieser zeigt eine Bauchfärbung, die helle Flanken und eine deutlich breitere Längsbinde auszeichnet. Die gelben Flecken nehmen mit zunehmendem Alter nicht zu.  

Verbreitung:
Terra typica ist Mush (westliches Van-See Gebiet)
Mus, Sürüm, Kotlum, Bitlis. Das westliche Gebirgsvorland des Van-Sees, Provinz Van, Anatolien.

Habitat/Ökologie:
N. strauchii ist ein Bewohner von Gebirgsbächen. Diese sind in der Regel perennierend. In den höheren Lagen zumeist unbeschattet und in der Umgebung, bis auf Gräser und vereinzeltes Buschwerk, vegetationslos. In tieferen Lage von vereinzelten Weiden und Pappeln begleitet. Die Tiere halten sich nach Abklingen der Schmelzwasser bedingten Hochwässer von Mai bis September im Gewässer auf, verlassen dieses aber häufig während feuchterer Nächte. Im Bach besetzen sie vor allem ufernahe Bereiche in Höhe des Wasserspiegels oder knapp darunter. 

Nahrung:
Es gibt kaum Hinweise über die Nahrung von N. strauchii in seiner natürlichen Umgebung.
Es ist anzunehmen, dass er auf die Wirbellosen seiner unmittelbaren Umgebung Jagd macht. Im Terrarium fällt die oft zögerliche Futterannahme auf, die ein Hinweis auf Spezialisierung sein könnte.

Haltung im Terrarium:
Entsprechend seiner Herkunft aus hoch gelegenen Fließgewässern benötigt die Art ein Höchstmass an Sauberkeit und Hygiene. Das Wasser muss permanent mindestens Trinkwasserqualität aufweisen, verhältnismäßig kühl und vor allem sauerstoffreich und CO2 arm sein. Der Mineralstoffgehalt sollte hoch sein (10-15° dGH) und der pH Wert knapp über 7,0 liegen. Pflanzliches Material oder andere organische Substanzen, die verrotten können, sollten nicht verwendet werden. Für eine Wasserströmung ist mittels großzügig dimensionierter Filterung zu sorgen. Ein über die Wasseroberfläche reichender Steinaufbau stellt den Lebensraum dar. Der Wasserstand sollte 10-15 cm betragen. Die Lufttemperatur kann im Sommer zeitweilig bis 25°C betragen, wenn das Wasser kühl gehalten werden kann. An Futter sollten sämtlich erreichbaren Quellen ausgeschöpft werden, da sich die Tiere als sehr selektiv erweisen und das Angebot häufig gewechselt werden muss. 

Fortpflanzung im Terrarium:
Nach der mehrmonatigen Winterruhe werden die Tiere im Frühjahr wieder in ihr angestammtes Becken gesetzt. Die Balzstimmung erkennt man nun am ausgeprägten Geschlechtsdimorphismus: Die Männchen zeigen eine stark geschwollene, halbkugelförmig vorgewölbte Kloake und silberblaue Flecken auf den Schwanzseiten. Die Weibchen wirken aufgetrieben und zeigen eine etwas kegelig vorgestülpte Kloake. Die Eier werden einige Tage nach der Paarung häufig kopfüber auf Steinen abgelegt und haften dort sehr fest.
Der Laich sollte regelmäßig mit den Steinen in ein eigenes Becken überführt werden. Zum einen erweisen sich mache Tiere als Laichräuber, zum anderen brauchen die Eier besonders hygienische Verhältnisse und eine optimale Sauerstoffversorgung. Je nach Temperatur schlüpfen die Larven nach etwa 3 Wochen. Sie sind sehr scheu und flüchten sofort zwischen Steine. Ihre Kontrolle ist daher recht schwierig. Vorsichtig sollte man in Abständen die Steine, die dem Boden aufliegen, einzeln entnehmen, den Mulm absaugen und anschließen wieder einbringen, worauf zu achten ist, dass dabei keine Larven zerquetscht werden, weil diese sofort versuchen, wieder unter die Steine zu schlüpfen.
Die Larven erweisen sich weniger wählerisch, was das Futter betrifft, als die Adulten und können mit den gängigen Organismen gut ernährt werden. Ihre Entwicklung ist sehr unterschiedlich. Während Einzeltiere bereits nach 4 Monaten metamorphosieren, bleiben andere im Wachstum zurück und können im Larvenstadium überwintern. Wieder andere wachsen zügig, metamorphosieren aber nicht, sondern wachsen über den Winter zu Riesenlarven mit 8 cm Länge heran.
Das durchschnittliche Metamorphosegewicht von N. str. strauchii beträgt im Salamanderland 0,673g.

Molchregister:

Die Art wird im Molchregister der AG-Urodela der DGHT monitorisiert. Ziel ist eine Erhaltung der Terrarienpopulationen, um von problematischen Importen unabhängig zu sein. Patin der Art ist Tina Ernst.

Literatur:
Siehe Bibliographie zu Neurergus crocatus im
Molchregister


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