Salamanderland
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Vietnam
Warzenmolch
Vietnam Warty Newt
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| Männchen/Tam Dao | Weibchen/Tam Dao |
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| Entwicklung | Jungtier |
Erstbeschreibung:
Bourret,
R. (1934):
Annexe Bull. Gen. Instr. Publique, Hanoi, 1934: 84.
Diagnosis:
Die mit
P. laoensis größte Art der Gattung Paramesotriton mit einer maximalen Gesamtlänge beim Weibchen von
24
cm. Die durchschnittlich gemessenen Körpergrößen bleiben allerdings deutlich
unter diesem Wert (Männchen: 15,2 cm [n=4], Weibchen: 16,8 cm [n=15]) Die Männchen bleiben
stets deutlich kleiner. Der Kopf ist sehr groß und breit. Der Schwanz der Weibchen ist im Verhältnis länger als der der Männchen.
Mehr als die Hälfte der Gesamtlänge entfällt auf den Schwanz. Der Körper erscheint
insgesamt kräftig. Die Farbe der gesamten Körperoberseite ist dunkelbraun. An
der deutlichen Rückenleiste und den Lateralleisten kommt es zu hellbraunen bis orangefarbigen Aufhellungen. Der Bauch
und die Kehle zeigt ein Muster von leuchtend roten oder orangeroten großen Flecken in einem schwarzbraunen
Netzmuster. Die vordere Kante des Unterkiefers ist, wie die Bauchfleckung,
leuchtend orangerot. Ebenso die Unterseite der Extremitäten. Die Rückenhaut weist zahlreiche warzige Erhebungen auf, die an den
Seiten schwächer ausgebildet sind und am Bauch fehlen. Der Schwanz ist kräftig,
abgeplattet und hoch mit einer orange-braunen Fleckung. Die Iris ist goldfarben
mit einem breiten horizontalen, schwarzen Querbalken. Der Geschlechtsdimorphismus ist
außerhalb der Paarungszeit wenig ausgeprägt. Bis auf den längeren Schwanz zeigt das Weibchen
auch eine etwas in die Länge gezogene Kloake, während die des Männchens flach
halbkugelförmig ist. Das Männchen weist auf dem Schwanz ein schwach grünliches
Band auf, während es beim Weibchen schwach rötlich ist. Während der Fortpflanzungszeit entwickelt das Männchen ein silberblaues Band an den Schwanzseiten.
Differentialdiagnosis:
P. deloustali von der Terra typica aus Tam Dao ist erheblich größer, als sein nächster Verwandter
P.
guanxiensis. Die großflächig leuchtend rot oder rotorange
Bauchzeichnung unterscheidet ihn ebenfalls von diesem.
Die genetische Differenz zwischen P. deloustali und
P. guanxiensis
ist auffällig gering. So kommen manche Autoren entweder
zum Schluss, dass es sich bei den vietnamesischen Tieren um Anteile des
chinesischen P. guanxiensis-Komplexes handelt, bzw., dass auch die
chinesischen Tiere allesamt P. deloustali wären. Zur Zeit allgemein
anerkannt dürfte aber die Aufteilung in zwei valide Arten sein.
Status der Unterarten:
Es sind von P. deloustali keine Unterarten beschrieben. Teilweise wurde
oder wird die Art allerdings als Synonym / Lokalform / Unterart von
P. guanxiensis aufgefasst.
Vor kurzem ist die bereits erwähnte kleinere Form entdeckt worden, die deutlich heller als
die bisher bekannt gewordenen Tiere ist. Sie stammt von einem Fundort, der etwa
400 km nördlich von Tam Dao in der Provinz
Hajiang liegt.
Inwiefern es sich hierbei eventuell um eine Übergangsform zu
P. guanxiensis
handelt, ist zur Zeit ungeklärt.
Verbreitung:
Terra typica: Tam Dao,
Provinz Tonkin, Vietnam (900 m).
An der Terra typica galt die Art zunächst als ausgestorben. Mittlerweile wurde
allerdings eine Reihe von wenigstens 12 weiteren Fundorten bekannt: Tam Dao
National Park, Cho Don District (Bac Kan Province) und Xin Man Area (Hajiang
Province). Die ursprünglich angenommene, extrem kleinräumige
Verbreitung ist folglich nur teilweise zutreffend. Die zur Zeit bekannte
räumliche Ausdehnung der Verbreitung erstreckt sich von
22011’N
bis
22023’N und
von
105036’E bis
105046’E.
Zur häufig diskutierten Frage über mögliche Gefährdungsursachen für die Art,
ergeben die vietnamesischen Quellen, das P. deloustali zwar im Tam Dao
Nationalpark tatsächlich als Heimtier gefangen wird, in sämtlichen anderen
Habitaten dieser Einfluss allerdings nicht existiert oder vernachlässigbar ist.
Gefahr geht von ökologischen Veränderungen und der Gift- bzw. Elektrofischerei
aus.
Habitat/Ökologie:
P. deloustali ist ein spezialisierter Fließwasserbewohner, der in den
flachen Kolken (0,5 - 1 m Tiefe) von beschatteten, schwach strömenden Bächen in Höhen zwischen
200 und
1300 m
mit einem Verbreitungsschwerpunkt um 500 m lebt. Gewöhnlich ist der Boden
der Gewässer von einer dicken Falllaubschicht bedeckt. Nicht alle Gewässer
liegen in Waldgebieten, eine Beschattung durch Vegetation ist allerdings
notwendig. Dieser Molch kann aber auch in künstlichen Becken von Teichanlagen
vorkommen. Die Männchen sind territorial. Es kommt bei der
Revierverteidigung zu heftigen innerartlichen Aggressivitäten. Die Art dürfte im
erwachsenen Zustand vollständig aquatil sein. Die im Habitat gemessenen
durchschnittlichen Tiefsttemperaturen betragen im Jänner 11,5°C, klettern hingegen im Juli auf 32,5°C. Die Jahresdurchschnittstemperatur
liegt bei 21,5°C. Daraus lässt sich eine wahrscheinliche
Wassertemperaturenamplitude in den Bächen von 13°-15°C bis 25°-26°°C ableiten.
Je nach Höhenlage können diese aber auch etwas darunter liegen. Die chemischen
Parameter der Gewässer sind typisch für mineralarme tropische Böden
(z.B.: Leitfähigkeit: 36 mS/cm, Gesamthärte: 1,75° dGH, pH: 6,0). Die
durchschnittliche Luftfeuchtigkeit liegt bei 83,5% rH, die Zahl der Regentage
beträgt 150. Die kühle Jahreszeit dauert von Oktober bis März. In dieser Periode
fällt 14 - 17% der jährlichen Regenfälle. Die heiße Zeit dauert von April bis
September mit etwa 85 % der Niederschläge.
Nahrung:
Die natürliche
Nahrung von P. deloustali setzt sich aus Insektenlarven, Spinnen,
Würmern, Froschlaich und dessen Kaulquappen, kleinen Fischen und- überraschend-
auch aus Algen und aquatilen Moosen zusammen. Die Tiere nehmen
im Terrarium vor allem Regenwürmer, Garnelen, aber auch in Streifen
geschnittenes Fischfleisch (Karpfen) an.
Fortpflanzung:
Die Art weist weder Sommer- noch Winterruhezeiten auf. Die Hauptaktivität ist
allerdings im Herbst, bei sinkenden Temperaturen. Die Fortpflanzung findet in
den Monaten Dezember bis April statt. Larven werden bis in den Juni im Gewässer gefunden.
Danach dürften die Jungtiere das Wasser verlassen und bis zum Eintreten der
Geschlechtsreife an Land leben.
Haltung im Terrarium:
Recht genaue Kenntnisse von den natürlichen Habitaten lassen gute
Annäherungen an die Verhältnisse der Heimatgewässer zu. Ein tropischer, träge
fließender Bach mit sandigem, kiesigem Grund mit
einer dicken Schicht von ins Gewässer gefallenen Blättern und einigen
Felsbrocken ist
zu gestalten. Da die Tiere das Wasser nicht verlassen, ist
ein Aquarium angebracht. Neben Sauberkeit und Sauerstoffreichtum ist die
Einhaltung der chemischen Parameter wichtig. Entsprechende Steinaufbauten
als Klettermöglichkeit und Unterschlupf und auch Bepflanzung sind nötig. Nach dem Einsetzen in das
Becken, sind die Tiere über einen längeren Zeitraum unter Aufsicht zu halten, ob
es zu Aggressivitäten kommt. Gegebenenfalls sind die Tiere zu trennen. Auch
später noch können derartige Kämpfe vorkommen. Es ist deshalb wenigstens ein
Ausweichbecken ständig bereit zu halten.
Fortpflanzung im
Terrarium:
Im Herbst beginnen
die Männchen bei sinkenden Temperaturen einen intensiv metallisch blauweißen
Streifen an den Schwanzseiten auszubilden. Gleichzeitig vergrößert sich die
Kloake und deren Lippen wölben sich stark hervor. Das Weibchen wird heftig
umworben, angewedelt und in der Regel recht derb an einem Vorderbein gepackt.
Schließlich wird der Spermatophor ohne weiteren Körperkontakt übergeben. Von Jänner bis März, zuweilen erst Wochen nach der
Befruchtung, kommt es nachts zur Eiablage bei Wassertemperaturen von 14° bis
22°C und Lufttemperaturen von 15° bis 24°C. 1-7 Eier werden pro Nacht und Weibchen
abgelegt. Bis zu 80 Eier können pro Tier produziert werden. Sie werden einzeln auf
Pflanzenblätter geklebt. Die Ablageperiode zieht sich über
mehrere Wochen. Nach 45 bis 50 Tagen schlüpfen sehr gering entwickelte
Larven, die noch keine Gliedmassen besitzen.
Die Art, die in freier Natur als selten und bedroht gilt, wurde bisher nur
wenige Male im Terrarium vermehrt.
Unsere Tiere
wurden von Herrn Th. Schöttler
gesammelt und kamen durch die freundliche Vermittlung von Herrn J. Kopetsch
ins Salamanderland.
Molchregister:
Paramesotriton laoensis und P. deloustali wird vom Molchregister der AG-Urodela der DGHT monitorisiert. Pate der Artengruppe ist
Gustavo Espallargas
(Spanien).
Literatur:
Freytag, G. E. & H. G. Petzold (1978): Ein weiterer Beitrag zur Kenntnis der Gattung Paramesotriton, insbesondere des nordvietnamesischen Wassermolches Paramesotrriton deloustali - Salamandra, Frankfurt 14 (3): 117-125.
Herper (1981): Einige Bemerkungen zur Haltung von Paramesotriton deloustali (Bourret, 1934) - den Nordvietnamesischen Warzenmolch, Weinstadt, Herpetofauna 3 (15): 14-15.
Martens, H. (2003): Am Typus-Fundort von Paramesotriton deloustali, Elaphe 11(1), 55-59.
Nguyen,
L. N. & D. T. Phuong
Ly (2000): Additional data
on some morphological characteristics of Paramesotriton deloustali
(Bourret, 1934) in culture condition. Hanoi Pedagogic University I, Biology
Magazine No. 12.
Rahden,
S. (2006): Nachzucht von Paramesotriton deloustali 2004. Rheinbach,
Amphibia 5 (1), 12-14.
Rehak, I.
(2002): Pačolek vietnamskỷ – vymirajici klenot z Tam Dao - (Translation:
Juraj Lezovic: Paramesotriton deloustali – Jewel of Tam Dao threatened by
extinction) – ZIVA 5/2002, Czech Republic.
Sang N. V. & al. (2003): Parc Projekt (Ha Noi 2003): Feasibility Study for Programme to Conserve the Vietnamese Salamander Paramesotriton deloustali in Ba Be and Cho Don Districts, Bac Kan Province.
Truong, N. Q. (2002): A herpetological survey of Van ban district, Lao cai province. Hanoi, Fauna & Flora International, Vietnam Programm, 22 pp.
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