Salamanderland 

Paramesotriton guangxiensis (Huang, Tang & Tang, 1983)

Guangxi Warzenmolch
Guangxi Warty Newt

Männchen Entwicklung
Larve, 4 Monate

Erstbeschreibung:
Huang, Z., Z. Tang & Z. Tang (1983): Acta Herpetol. Sinica, N.S., 2: 37.
Anmerkung: Die Autoren der Erstbeschreibung verwenden in ihrem auf Chinesisch verfassten paper die korrekte Transkription des Artnamens, nämlich guangxiensis. (siehe Faksimilie) Erst in der englischen Zusammenfassung passiert ihnen ein verhängnisvoller Fehler: Dort schreiben sie guanxiensis, vergessen also das "g" im Namen. (siehe Faksimile) Frost et al. (1998-2009) beziehen sich nur auf dieses Abstract, wenn sie meinen, dass der korrekte Namen zwar falsch transkribiert aber dennoch ohne das "g" zu schreiben wäre ("Incorrect subsequent spelling"). Hier irren Frost et al.! Zhang & Wen hingegen geben 2000 in Amphibians of Guangxi: 28. den Artnamen völlig richtig mit Paramesotriton guangxiensis an. Dies ist tatsächlich die korrekte Transkription des Provinznamens Guangxi aus dem Chinesischen und wird von den Erstautoren auch tatsächlich in ihrer Originalarbeit verwendet, welche den Regeln der Nomenklatur zu berücksichtigen ist.

Diagnosis:
Die Tiere ähneln sehr P. deloustali. Allerdings ist die weitgehend zeichnungslose Körpergrundfarbe ein helleres Braun. Die Männchen bleiben stets deutlich kleiner. Der Kopf ist sehr groß und breit. Der Schwanz der Weibchen ist im Verhältnis länger als der der Männchen. Mehr als die Hälfte der Gesamtlänge entfällt auf den Schwanz. Der Körper erscheint insgesamt kräftig. Die Farbe der gesamten Körperoberseite ist mittelbraun. An der deutlichen Rückenleiste und den Lateralleisten kommt es zu keinen Aufhellungen. Der Bauch und die Kehle zeigt ein Muster von orangefarbenen großen Flecken in einem schwarzbraunen Netzmuster. Die vordere Kante des Unterkiefers ist, wie die Bauchfleckung, orange. Ebenso die Unterseite der Extremitäten. Die Rückenhaut weist zahlreiche warzige Erhebungen auf, die an den Seiten schwächer ausgebildet sind und am Bauch fehlen. Der Schwanz ist kräftig, abgeplattet und hoch mit einer orangefarbenen unteren Kante. Die Iris ist goldfarben mit einem breiten horizontalen, schwarzen Querbalken. Der Geschlechtsdimorphismus ist außerhalb der Paarungszeit wenig ausgeprägt. Bis auf den längeren Schwanz zeigt das Weibchen auch eine etwas in die Länge gezogene Kloake, während die des Männchens flach halbkugelförmig ist. Während der Fortpflanzungszeit entwickelt das Männchen ein silberblaues Band an den Schwanzseiten.

Differentialdiagnosis:
P. deloustali von der Terra typica aus Tam Dao ist erheblich größer, als sein nächster Verwandter P. guanxiensis. Die großflächig leuchtend rot oder rotorange Bauchzeichnung unterscheidet ihn ebenfalls von diesem.
Die genetische Differenz zwischen P. deloustali und P. guanxiensis ist tatsächlich auffällig gering. So kommen manche Autoren entweder zum Schluss, dass es sich bei den vietnamesischen Tieren um Anteile des chinesischen P. guanxiensis-Komplexes handelt, bzw., dass auch die chinesischen Tiere allesamt P. deloustali wären. Zur Zeit allgemein anerkannt dürfte aber die Aufteilung in zwei valide Arten sein.

Status der Unterarten:
Es sind von P. guanxiensis keine Unterarten beschrieben. Teilweise wurde oder wird die Art allerdings als Synonym / Lokalform / Unterart von P. deloustali aufgefasst.
Die Form, welche im Salamanderland lebt, ist erst vor kurzem von T. Schöttler entdeckt worden. Die Tiere gelangten zunächst zu A. A. Schmidt und in weiterer Folge in dankenswerter Weise zu uns. Sie ist deutlich heller als die bisher bekannt gewordenen Tiere und stammt von einem Fundort, der etwa 400 km nördlich von Tam Dao (Typusfundort von P. deloustali) in der Provinz
Hajiang liegt. Inwiefern es sich hierbei eventuell um eine Übergangsform zu P. deloustali handelt, ist zur Zeit ungeklärt.

Verbreitung:
Terra typica: Zitat: "Paiyang shan, Mingjiang People's Commune, Ningming County, Guangxi Zhuang Autonomous Region, altitude 478 m", China.
Die geografische Abgrenzung der Art zu P. deloustali ist unklar. Möglicherweise existiert auch eine Hybridzone.
Weitgehend klar erscheint, dass Par. guanxiensis das Verbreitungsgebiet der beiden Schwesternarten nach Osten in China fortsetzt. Dessen Ausdehnung ist allerdings unklar.

Habitat/Ökologie:
P. guanxiensis ist wahrscheinlich ein spezialisierter Fließwasserbewohner. Daten aus den Heimatgewässern fehlen. Wahrscheinlich ähneln sie denen von P. deloustali. Die Männchen sind territorial. Es kommt bei der Revierverteidigung zu heftigen innerartlichen Aggressivitäten. Die Art dürfte im erwachsenen Zustand vollständig aquatil sein.

Nahrung:
Hierzu fehlen Freilanddaten völlig. Im Terrarium lassen sich die Tiere problemlos mit den für Großmolche üblichen Futtertieren ernähren.

Fortpflanzung:
Die Art weist weder deutliche Sommer- noch Winterruhezeiten auf. Die Hauptaktivität ist allerdings im Herbst, bei sinkenden Temperaturen. Die Fortpflanzung findet in den Monaten Dezember bis April statt. Danach dürften die Jungtiere das Wasser verlassen und bis zum Eintreten der Geschlechtsreife an Land leben.

Haltung im Terrarium:
Fehlende Kenntnisse von den natürlichen Habitaten lassen die Verhältnisse der Heimatgewässer nur erahnen. Ein tropischer, träge fließender Bach mit sandigem, kiesigem Grund mit einer dicken Schicht von ins Gewässer gefallenen Blättern und einigen Felsbrocken ist möglicherweise adäquat. Da die Tiere das Wasser nicht verlassen, ist ein Aquarium angebracht. Neben Sauberkeit und Sauerstoffreichtum ist die Einhaltung der chemischen Parameter wichtig. Entsprechende Steinaufbauten als Klettermöglichkeit und Unterschlupf und auch Bepflanzung sind nötig. Nach dem Einsetzen in das Becken, sind die Tiere über einen längeren Zeitraum unter Aufsicht zu halten, ob es zu Aggressivitäten kommt. Gegebenenfalls sind sie zu trennen. Auch später noch können derartige Kämpfe vorkommen. Es ist deshalb wenigstens ein Ausweichbecken ständig bereit zu halten.

Fortpflanzung im Terrarium:

Im Jahr 2008 ist es gelungen, unser Paar zur Fortpflanzung zu bringen. Wahrscheinlich ist dies die Erstnachzucht in menschlicher Obhut.
Im Herbst begann das Männchen bei sinkenden Temperaturen einen intensiv metallisch blauweißen Streifen an den Schwanzseiten auszubilden. Gleichzeitig vergrößerte sich die Kloake und deren Lippen wölbten sich stark hervor. Das Weibchen wurde nicht besonders heftig umworben und angewedelt. Paarungsbisse kamen vor, verliefen aber unspektakulär. Von Jänner bis März wurden vom Weibchen nachts die Eier in Laichwolle abgelegt. 1-5 Eier wurden pro Nacht abgesetzt. Die Gesamtzahl lag bei ca. 100, wobei der überwiegende Großteil befruchtet und entwicklungsfähig war. Die Ablageperiode zieht sich über mehrere Wochen. Nach 45 bis 50 Tagen schlüpfen  gering entwickelte Larven, die noch keine Gliedmassen besitzen. Die Aufzucht der Larven ist schwierig, da sie nur geringem Keimdruck Stand halten. Nur unter permanenter starker UV-Abschirmung gelingt es, die Larven am Leben zu erhalten.
 


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