Salamanderland
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Männchen in Landtracht |
Männchen in Wassertracht |
Weibchen |
Erstbeschreibung:
Laurenti, J. N. (1768): Specimen medicum, exhibens Synopsin
Reptilium emendatam com experimentis circa venena et antidota reptilium
Austriacorum. Vienna.
Diagnosis:
Ein
mittelgroßer Molch mit einer Gesamtlänge von maximal 12 cm beim größeren
Weibchen. Die Haut ist feinkörnig. Die Männchen zeigen in Wassertracht einen
niedrigen, glatten, schwarz-weiß gezeichneten Kamm. Vom Kopf über den Bauch bis
zur Kloake zieht sich ein seitlicher Streifen aus dunklen Flecken auf weißlichem
Grund. Darunter liegt ein hellblaues Band. Der Rücken und die Extremitäten sind
dunkel blaugrau marmoriert. Der Bauch ist gelb oder orange bis hellrot, die Kehle nur bei
I. a. apuanus dunkel gefleckt. (Unterartmerkmal!) Der
Geschlechtsdimorphismus ist deutlich ausgeprägt: Die Weibchen und Jungtiere
zeigen auf bräunlicher oder grünlicher dunkler Grundfärbung eine unregelmäßige
Marmorierung. An Land lebende Tiere wirken in beiden Geschlechtern sehr dunkel
bis schwarz.
Differentialdiagnosis:
Auf Grund
der bei europäischen Molchen einzigartigen blauen Färbung beim Männchen ist eine
Verwechslung mit einer ähnlichen Art auszuschließen.
Status
der Unterarten:
Von
Ichthyosaura alpestris gelten neben der Nominatform zwei weitere Unterarten als valid:
Ichthyosaura alpestris apuana
(Bonaparte, 1839):
Westfrankreich, Norditalien und Apenninenhalbinsel. Dunkle Flecken an
Kehle und Bauch.
Ichthyosaura alpestris cyreni
(Wolterstorff, 1932):
Isoliertes Vorkommen in Nordspanien (Asturien).
Folgende Beschreibungen sind als Synonyme von I. a. alpestris zu werten:
| T. a. bakonyiensis | (Dely, 1967) | Ungarische Karpathen |
| T. a. bukkiensis | (Dely, 1959) | Matra-Berge |
| T. a. carpathicus | (Dely, 1959) | Ungarische Karpathen |
| T. a. graeca | (Wolterstorff, 1935) | entspricht T. a. veluchiensis |
| T. a. lacusnigri | (Seliskar & Pehani, 1935) | Crno-See, Triglav |
| T. a. montenegrinus | (Radovanovic, 1951) | Bukumirsko-See |
| T. a. piperanus | (Radovanivic & Lesnicenko, 1963) | Kapentanov- und Manito-See |
| T. a. reiseri | (Werner, 1902) | Proskosko-See |
| T. a. satoriensis | (Dely, 1959) | Ungarische Karpathen |
| T. a. serdarus | (Radovanivic & Lesnicenko 1963) | Zminicko-See |
| T. a. veluchiensis | (Wolterstorff, 1936) | Velouki-Gebirge |
| T. a. winterli | (Sochurek, 1956) | Kreuzeck-Gebirge |
Als Synonym von I. a. apuanus gilt T. a. inexpectatus (Dubois & Breuil, 1983): Kalabrien.
Verbreitung:
Terra
typica: Etschero Monte (Ötscher) bei Mariazell, Österreich.
Die Art bewohnt weite Teile Europas: Von Mittel- und Nordfrankreich mit einem
isolierten Vorkommen in Spanien bis nach Dänemark (nicht jedoch Schweden). Nach
Osten reicht das besiedelte Gebiet bis Mittelpolen, die West-Ukraine und
Rumänien. Nach Süden wird die nördliche Hälfte der Apenninenhalbinsel und
Dalmatien bis zum Pellopones und Albanien bewohnt. Bemerkenswert ist die große
Lücke der Verbreitung die sich in der pannonischen Tiefebene öffnet.
Habitat:
Die Art
weist einen deutlich zweiphasigen Lebensraumwechsel im Jahreszyklus auf. (Mit
Ausnahmen für I. a. apuanus) Sie bevorzugt Waldgebiete. Während der
Fortpflanzungszeit werden sämtliche Typen von Stillgewässern unterschiedlichster
Beschaffenheit und manchmal auch geringster Größe (Wagenspuren) aufgesucht. Der
Bergmolch lebt zwar auch in sauren Gewässern, ein pH-Wert von 5,6 stellt
allerdings die Grenze nach unten dar. Er ist tolerant gegen tiefe Temperaturen,
was ihn befähigt, bis 2500 m zu leben. An Land werden vor allem
Kleinsäugerbauten im Waldboden bewohnt. Von I. a. apuanus sind
Populationen bekannt, die ganzjährig aquatil leben.
Nahrung:
Nachdem der
Bergmolch deutlich Boden orientiert im Gewässer lebt, besteht der
Hauptbestandteil der Nahrung aus Chironomiden- Larven. Grundsätzlich
verschmäht er aber auch andere größengerechte Beute nicht. Insbesondere werden
ins Wasser gefallene Raupen und Würmer genommen. An Land werden hauptsächlich
Gliederfüßer und Würmer gefressen, die er bei seiner versteckten Lebensweise am
und im Waldboden antrifft.
Fortpflanzung:
Bedingt
durch das ausgedehnte Verbreitungsgebiet sind die Anwanderungszeiten zu den
Laichgewässern sehr unterschiedlich. Kann deren Besiedlung im mediterranen
Bereich bereits im Herbst erfolgen (I. a. apuanus), so beginnt sie in den
hochalpinen Gebieten zum Teil erst im Juni. Die einzelnen Individuen wechseln
darüber hinaus bei Gelegenheit in derselben Saison immer wieder das Gewässer.
Somit kann sich das Zahlenverhältnis Männchen zu Weibchen im Wasserhabitat
häufig ändern. Bei der Paarungsvorbereitung versucht ein oder auch mehrere
Männchen das Weibchen durch Kopf- zu Kopfstellung zu blockieren. Danach wedelt
das Männchen mit dem Schwanz, um einen Wasserstrom auf den Kopf des Weibchens zu
leiten. Ist es paarungswillig, akzeptiert es die Werbung, ohne sich
abzuwenden. Darauf folgt es dem Männchen und nimmt in der gattungstypischen
Weise den Spermatophoren in die Kloake auf. Kurze Zeit später beginnt das
Weibchen bis zu 390 Eier an unterschiedlichsten Substraten abzulegen, wobei
Pflanzen mit schmalen Blättern bevorzugt werden. In diese werden die Eier mit
den Beinen eingewickelt. Bei einer Temperatur von 20-22 °C schlüpfen die Larven
mit einer Länge von 7-8 mm schon nach 9 Tagen. Nach weiteren drei Monaten
beginnen die Larven sich bei einer Gesamtlänge von 40-50 mm umzuwandeln und an
Land zu gehen. Häufig kommen überwinternde Larven vor. Insbesondere in den
Gebirgsseen Südosteuropas treten regelmäßig pädomorphe Individuen auf. Diese
zeichnen sich entweder durch sexuelle Reife im Larvenstadium oder durch eine
Metamorphoseverzögerung aus.
Die Geschlechtsreife wird im dritten Jahr erreicht. Die maximale Lebenserwartung
liegt im Flachland bei 10, in Gebirgspopulationen bei bis zu 20 Jahren.
Haltung
im Terrarium:
Während
I. a. alpestris den typischen Lebensraumwechsel in jedem Jahr vornimmt, ist
es möglich und ratsam, I. a. apuanus permanent aquatil zu halten.
Da die Tiere im Wasser sehr bewegungsfreudig und auch tagsüber ständig aktiv
sind, empfiehlt sich ein geräumiges Aquarium. Der Landteil oder das Terrarium
allerdings kann durchaus knapper bemessen werden, da die Tiere sehr versteckt
leben und nur wenige Ortsveränderungen durchführen. T. a. alpestris ist
nicht nur tolerant gegenüber tiefen Temperaturen, er scheint diese für die
Gonadenreifung auch zu benötigen. Zumindest eine ausreichend lange Winterruhe
von etwa 4 Monaten bei 4-5°C sollte den Tieren geboten werden. Anders I. a. apuanus: Ihm reicht eine Reduktion der Wassertemperatur im Herbst auf
10-15°C, um schon in den Wintermonaten mit der Paarung zu beginnen.
Ob der Wasserteil mit Pflanzen gegliedert wird oder ob künstliche Ablaichhilfe
geboten werden, ist für den Fortpflanzungserfolg unwesentlich. Auf dem Landteil
sollte eine Vielzahl von Unterschlupfmöglichkeiten geboten werden, um den Tieren
das übliche versteckte Leben im Boden zu ermöglichen. Alle Becken müssen gut
abgedeckt werden, da die Tiere auch kleine Lücken rasch finden und leicht
entweichen. Als Futter werden im Wasser vor allem Rote Mückenlarven geboten.
Aber auch Regenwürmer, Daphnien und Fliegenmaden etc. Eine Fütterung mit
Gammarus sorgt für besonders intensiv orangerot gefärbte Bäuche. Die
Futterversorgung an Land ist an die verborgene Lebensweise anzupassen. Heimchen
und Wachsraupen eignen sich unter anderem gut, da diese ebenfalls sich zu
verstecken trachten und somit in die Unterschlupfe der Molche wandern.
Regenwürmer, Fliegenmaden u. ä. ergänzen den Speiseplan.
Fortpflanzung im Terrarium:
Im Alter von 3 Jahren, im Terrarium auch schon früher, sind die Tiere
fortpflanzungsfähig. I. a. alpestris
wird nach der Winterruhe im März wieder ins Wasser gesetzt. Zunächst
die Männchen und etwa 10 Tage danach die Weibchen. Bei guter Kondition nehmen
die Tiere das Wasser ohne zu zögern an und beginnen oft schon am selben Tag mit
der Balz. Da die Weibchen ihre Eier über einen Zeitraum von bis zu zwei Monaten
einzeln ablegen, empfiehlt es sich, alle 10-14 Tage das Substrat auszutauschen,
um die Larven in einem separaten Becken schlüpfen zu lassen und nach Größen getrennt
aufzuziehen. Leicht austauschbare Ablaichsubstrate haben sich hierbei bewährt.
Die Eltern sind nur in Ausnahmefällen Laichräuber, vergreifen sich aber durchaus
an den schlüpfenden Larven. Laich gesunder und ausreichend ernährter Eltertiere
neigt kaum zu Verpilzung.
Entwicklung im Terrarium:
Die Larven
schlüpfen mit einer Länge von 7-8 mm. Vier bis fünf Tage später beginnen sie mit
der Nahrungsaufnahme. Als Erstnahrung haben sich Cyclopsnauplien bzw. Nauplien
von Artemia salina bewährt.
Ab einer Größe von 15- 20 mm muss auf größere Nahrungsorganismen umgestellt
werden (Daphnien, Tubifex, Mückenlarven, Enchyträen). Da sich die
Larven gegenseitig schädigen können, ist auf eine Isolierung der einzelnen
Größenklassen zu achten. Zu berücksichtigen ist auch bei den üblichen großen
Eizahlen die Menge der zu versorgenden Larven. Entsprechend große Behälter mit
hoher Wasserqualität und ausreichend Futter ist für eine gleichmäßige
Entwicklung der Larven notwendig.
Nach drei Monaten und einer Länge von 35-45 mm metamorphosieren die Tiere. In
dieser Phase drängen die Jungtiere an Land. Für Übergänge vom Wasser auf das
Land ist zu sorgen, wenngleich I. alpestris Junge selten ertrinken,
sondern oft bemerkenswert geschickt auch über senkrechte Glasflächen das Wasser
verlassen können. Die Abdeckung muss daher besonders in dieser Phase sehr
gewissenhaft erfolgen. Die günstigsten Aufzuchttemperaturen liegen bei I. a.
alpestris zwischen 15 und 18°C.
Der Landteil sollte feucht gehalten werden, allerdings ist Staunässe und
mangelnde Hygiene für die Heranwachsenden tödlich.
Es ist für die Entwicklung der Jungtiere an Land ungünstig, große Behälter zu
verwenden. Die kleinen Molche rotten sich in der Regel an wenigen Stellen im
Becken zusammen und verharren die meiste Zeit dort. Um die nötige Dichte des
Futters zu erreichen, sollten deshalb anfangs eher kleine Behälter gewählt
werden. Eine Größe von 20 x 30 cm Bodenfläche reicht für die Aufzucht der ersten
zwei bis drei Monate für 50 Jungtiere aus. Hierbei muss allerdings häufig
gereinigt werden. Sind die Molche 5-6 cm groß geworden, nimmt ihr
Bewegungsdrang zu und es sind entsprechend größere Behälter einzusetzen.
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