Salamanderland 

Triturus boscai (Lataste, 1879)

Spanischer Wassermolch
Bosca´s Newt

Männchen

Weibchen

Erstbeschreibung:
Lataste in Tourneville, A. (1879): Description d´une nouvelle espèce de Batracien urodèle d´Espagne: Pelonectes boscai Lataste. Bull. Soc. Tool. Fr. Paris, 4: 69-87.

Diagnosis:
Triturus boscai gehört mit einer maximalen Gesamtlänge von 9,5 cm beim Weibchen zu den kleinen Arten der Gattung. Der Geschlechtsdimorphismus ist gering. An Land kommt er fast nicht zur Geltung. Das Männchen weist keinen Kamm auf. Bedingt durch gut ausgebildete Drüsenleisten am Rücken treten beim Männchen Lateralleisten prominent hervor. Der Körperquerschnitt des Weibchen dagegen ist abgerundet. Schwimmhäute an den Zehen treten niemals auf. Der Schwanz trägt während des Wasseraufenthalts niedrige Hautsäume. Der untere Hautsaum ist meist orange gefärbt. Der Schwanz ist am Ende zugespitzt und kann einen kurzen Faden tragen. Er ist beim Männchen etwas länger als die Kopf-Rumpf-Länge. In der Landtracht verschwinden die Hautsäume. Charakteristisch für die Art ist der weiße Fleck bei Männchen beidseits knapp vor der Schwanzwurzel. Der Kopf ist rundlich und kürzer als breit. Die Schnauze ist kurz und stumpf. Durch das Auge mit der goldfarbenen Iris verläuft eine dunkle Linie. Die Kloake des Männchen tritt in der Balzzeit prominent halbkugelförmig hervor. Sie ist in der Regel leuchtend orange mit dunklen Flecken gefärbt. Die Rückengrundfarbe bei beiden Geschlechtern ist oliv-braun bis gelblich-braun oder dunkelbraun. Das Männchen ist häufig heller gefärbt und weist zuweilen schwarze Flecken auf. An Land erscheinen die Tiere fast schwarz. Der Bauch ist orange, manchmal gelb oder sogar rot mit einer kleinen Fleckung.

Differentialdiagnosis:
Zu Triturus vulgaris, dem Teichmolch: Dieser trägt an den Hinterbeinen Schwimmhäute. Die Männchen tragen einen deutlichen Rückenkamm, die Weibchen zumeist eine erkennbare Medianleiste.
Zu Triturus helveticus, dem Fadenmolch: Dieser hat einen deutlichen Endfaden und nicht nur den kurzen Dorn. Er hat ausgeprägte Schwimmhäute an den Zehen.
Zu Triturus montandoni, dem Karpatenmolch: Dieser hat schwarze Schwimmhäute an den Zehen. Er weist drei deutliche Kopffurchen auf.
 
Zu Triturus italicus, dem italienischen Wassermolch: Dieser zeigt deutliche Parietalflecken. Er weist einen charakteristischen weißen Seitenstreifen auf, der vom Kopf zum Körper zieht.

Status der Unterarten:
Es sind von Triturus boscai  keine Unterarten beschrieben.
Mehr Systematik:
 

Verbreitung:
Terrae typicae : Caracollera bei Ciudad Real, Spanien und Serra de Monchique in der Algarve, Portugal.
Die Art ist für die Iberische Halbinsel endemisch. Sie fehlt im nördlichen und östlichen Teil. Das Verbreitungsgebiet liegt in der Westhälfte, wobei ganz Portugal und Spanien bis etwa zur Hälfte besiedelt wird.

Habitat:
Die Art
ist eng an ihre Fortpflanzungsgewässer gebunden und nutzt auch langsam bis mäßig rasch fließende Bäche. Beim Landaufenthalt entfernen sich die Tiere nur wenig weit vom Wasser und nutzen feuchte, schattige Plätze unter Steinen und Totholz. Neben Bächen wird eine Vielzahl von Gewässern genutzt, wobei eine Präferenz für kleine, flache Tümpel festzustellen ist. Pflanzenwuchs ist verhältnismäßig unbedeutend. T. boscai kommt auch in stark sauren Gewässern vor, wobei sich die Eier auch bei pH-Werten von 4 noch entwickeln können. Er kann sich dauernd aquatil verhalten, in der Regel aber wird der Sommer und der Winter an Land verbracht. In tiefen Lagen pendeln die Molche das ganze Jahr zwischen Land und Wasser.

Nahrung:
T. boscai ist ein Opportunist, der alle Wirbellosen frisst, deren er habhaft werden kann, vor allem aber im Wasser Chironomiden-Larven. Ähnlich wie T. italicus ist der Spanische Wassermolch vorwiegend tagaktiv.

Fortpflanzung:
Je nach Höhenlage des Gewässers beginnt die Fortpflanzungsperiode zu sehr unterschiedlichen Zeiten im Areal der Art. Sie kann mit der Anwanderung bereits im Oktober beginnen oder in den höheren Regionen auch erst im Februar. Auch Populationen die dauernd aquatisch leben haben nur einen Fortpflanzungszyklus im Frühjahr. Die Balz verläuft nach dem Schema der kleinen Triturus- Arten.
Die Weibchen legen ihre 100 bis 200 kleinen Eier indem sie diese nach Triturus-Weise in unterschiedliche Substrate, meist jedoch in Wasserpflanzen hüllen. Es dauert etwa zehn bis vierzehn Tage, bis die 10 mm messenden Larven schlüpfen. Mit 30 bis 35 mm Gesamtlänge wird die Metamorphose erreicht. Die Geschlechtsreife tritt mit 3 Jahren ein. Die maximale Lebenserwartung im Freiland liegt bei 7-8 Jahren.

Haltung im Terrarium:
Die Art bewohnt im Vorkommensgebiet recht unterschiedlich gestaltete Habitate. Entgegen der weit südlichen Lage des Vorkommensgebiets ist die Art nicht wärmebedürftig, sondern nutzt eher kühle Kleinklimate. Dem entsprechend sollten die Terrarienbedingungen ausgerichtet werden. Nach einer kühlen Ruheperiode im Winter bei 6° - 8°C können die Tiere im März wieder an das Wasser gewöhnt werden. Am günstigsten geschieht dies im Aquarium mit zunächst sehr geringem Wasserstand und einer Vielzahl von Versteckplätzen oberhalb und unterhalb des Wasserspiegels. Nehmen die Molche die Bedingungen an und bilden sie die Fortpflanzungsattribute aus, kann der Wasserstand angehoben werden. Unter Berücksichtigung auf das Leben in der flachen Uferzone sollte dieser aber nicht höher als 15 cm gewählt werden. Für reichlich Strukturen im Wasserraum ist zu sorgen. Entweder durch Verwendung von Wasserpflanzen oder aber auch durch künstliche Ablaichhilfen. Triturus boscai ist ausgesprochen tagaktiv und akzeptiert auch verhältnismäßig helle Beleuchtung des Beckens sofern genügend Strukturen und Versteckplätze vorhanden sind. Die Becken sollten eine möglichst große Grundfläche bei geringer Höhe aufweisen. Ein Volumen von 5-8 Liter pro Tier erscheint ausreichend. Auch weiches und saures Wasser wird toleriert. Die Wassertemperatur sollte nicht zu hoch gewählt werden, um den Tieren einen langen Aufenthalt im Becken zu ermöglichen. Werte zwischen 16° und 18°C scheinen günstig zu sein. Wenn die Tiere das Wasser zu verlassen beginnen, müssen ihnen ausreichend viele Ausstiegsstellen zur Verfügung gestellt werden, um der Gefahr des Ertrinkens vorzubeugen.

Für den Landaufenthalt wird ein Aquaterrarium gewählt, da die Art an Land recht feucht zu halten ist. Das Volumen des Beckens kann gering sein. Etwa 3-4 Liter reichen für ein Tier aus, da der Aktionsradius überaus eingeschränkt ist. Größere Becken weisen deshalb den gravierenden Nachteil der geringen Futterdichte auf. Die Haut der Tiere weist nun eine samtige, Wasser abweisende Struktur auf. Die Einrichtung des Beckens sollte deshalb zwar feucht, aber niemals nass sein.. Eine Schichtung aus Steinen und Rindenstücken, die auf dem feuchten Bodengrund aufliegt, bietet den Tieren die Möglichkeit, den günstigsten Aufenthaltsort selbst wählen zu können. Das Becken sollte zur Gänze mit Drosophila-dichter Gaze abgedeckt werden, um die nötige Belüftung zu gewährleisten. Als Futter bieten sich diverse Kleininsekten, wie kleine und mittlere Heimchen und Grillen, Drosophila, kleine Regenwürmer etc. an.

Fortpflanzung im Terrarium:
Auf Grund der geringen Größe der Elterntiere ist die Auswahl der in Terrarienhaltung angebotenen Futtertiere weiter eingeschränkt. Es muss daher besonders darauf geachtet werden, sowohl ausreichende Mengen, wie Qualität an Kleininsekten zu reichen, um den Adulten die Fortpflanzung prinzipiell zu ermöglichen. Nach der Winterruhe wird ihnen ein Aquarium angeboten. Reichlich Pflanzenwuchs im flachen, hellen Becken oder auch künstliche Ablaichhilfen, die das Becken ebenso stark gliedern, ist für das Wohlbefinden im Wasser nötig. Nach Balz und Paarung beginnen die Weibchen ihre kleinen, weißen Eier abzulegen. Sie kleben diese einzeln in die Pflanzen und hüllen sie mit den Blättern ein.

Entwicklung im Terrarium:
Die Larven schlüpfen im Aquarium nach etwa zehn Tagen. Sie sind mit 10 mm Gesamtlänge klein und brauchen deshalb entsprechend feines Erstfutter ab dem 3. Tag. Tümpelplankton oder
Artemia-Nauplien haben sich bewährt. Die Larven wachsen am günstigsten bei bei Temperaturen unter 18°C heran. Sie sind intensiv mit Futterorganismen zu versorgen. Dabei ist der Erhaltung der Wasserqualität besonderes Augenmerk zu schenken. Die organische Belastung sollte über eine leistungsfähige biologische Filterung und häufigen Wasserwechsel so gering wie möglich gehalten werden. Die Frischmetamorphosierten sind mit 30-35 mm Gesamtlänger recht klein. Entsprechend aufwändig gestaltet sich deren weitere Aufzucht. Eine ständige und kontinuierliche Erstversorgung mit Collembolen, Drosophila und frischgeschlüpften Heimchen ist wichtig. Hier sollte die Phantasie des Halters einsetzen, um weitere Futterquellen für seine Tiere ausfindig zu machen, wie etwa Blattläuse u. ä. Das Becken für die Aufzucht sollte in den ersten Monaten eher knapp bemessen sein, um die nötige Futterdichte aufrecht erhalten zu können.


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