Salamanderland
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| Männchen | Weibchen | Larve |
Erstbeschreibung:
Laurenti, J. N. (1768): Specimen medicum, exhibens Synopsin
Reptilium emendatam com experimentis circa venena et antidota reptilium
Austriacorum. Vienna.
Diagnosis:
Ein großer
Molch mit großem breitem Kopf und kräftigen Beinen. Die Gesamtlänge beträgt bei
den Männchen durchschnittlich 15 cm und bei den Weibchen bis zu 18 cm. Alte
Exemplare können deutlich größer sein. Der Schwanz nimmt die Hälfte der
Gesamtlänge ein. Die Körperproportionen bei Triturus carnifex sind
kräftig. Die durchschnittliche Anzahl der Rippen tragenden Wirbel ist 14. Die
Haut am Rücken und den Seiten ist mit zahlreichen kleinen Warzen besetzt.
Der Kamm beginnt am Kopf im Stirnbereich und zieht mit einer Einbuchtung über
der Schwanzwurzel bis zur dessen Spitze. Er ist ungleichmäßig gezackt und hoch.
Die Schwanzscheide im Wasser ist breit und oberseits nur wenig gezackt. Die
Rückenfärbung ist graubraun bis olivfarbig. Die großen dunklen Flecken heben
sich deutlich ab. Weibchen zeigen an Stelle des Kamms üblicherweise eine gelbe
oder braune Rückenlinie, die bei Jungtieren kräftig hellgelb ist. An den Seiten
erscheinen nur wenige weiße Punkte. Der Bauch ist in der Regel gelb mit
schwarzen, eher verwaschen wirkenden grauen oder schwarzen Flecken. Die Kehle
ist gelb mit schwarzer Fleckung bis völlig schwarz, in jedem Fall aber mit
vielen weißen Punkten versehen. Am Schwanz zeigen die Männchen einen breiten
perlmuttartig weißblau schimmernden Streifen. Beim „Wolterstorff-Idex“
erreicht Triturus carnifex den Wert 63,7–67,09 im männlichen und
53,9-59,19 im weiblichen Geschlecht.
Differentialdiagnosis:
Zu
Triturus dobrogicus: Dieser ist wesentlich schlanker und zierlicher. Seine
Kehle ist stets schwarz. Er trägt lateral viele weiße Punkte.
Zu Triturus cristatus: Dieser ist im Habitus schlanker. Die Rückenfärnung
ist so dunkel, dass sich die schwarzen Flecken kaum abheben. Lateral zeigt er
viele weiße Punkte.
Zu Triturus karelinii: Dieser ist sehr kräftig, hat einen großen und
breiten Kopf. Er zeigt eine gelbe Kehlfärbung mit schwarzen eckigen Flecken. Die
lateralen weißen Punkte sind selten.
Status
der Unterarten:
Aus dem
Balkangebiet wurde Triturus carnifex macedonicus (Karaman,
1922) mit der Terra typica: Ohrid beschrieben. Die morphologische Unterscheidung
zur Nominatform ist allerdings schwierig und an Einzelindividuen kaum möglich.
Verbreitung:
Terra
typica restricta: Wien, Österreich (Mertens
& Müller, 1928)
Die Art lebt vor allem im Bereich des Alpenbogens und südlich davon bis
Kalabrien. Im Nordosten erreicht sie Südböhmen. Östlich folgt sie den Alpen bis
in ihre Ausläufer ins pannonische Tiefland. In Niederösterreich lebt die Art
zusammen mit Triturus cristatus und Triturus dobrogicus mit
breiten Hybridzonen. Im Südosten bewohnt die Unterart Triturus carnifex
macedonicus große Teile der Balkanhalbinsel bis tief nach Griechenland. Auf
der Insel Korfu dürfte der Kammolch auch in dieser Form existieren. An
verschiedenen europäischen Orten ausgewilderte Exemplare können sich offenbar
dort behaupten und bilden faunenfremde Elemente.
Habitat:
Der
Italienische Kammolch ist in der Kammolchgruppe die Art, welche am
anpassungsfähigsten zu sein scheint. Konsequent nutzt er deshalb eine deutlich
größere Typenfielfalt an Gewässern als die Schwesternarten. Dieser Molch nimmt
auch Kleingewässer und künstlich geschaffene Wasserhabitate regelmäßig an. Er
dürfte auch keine besonderen Ansprüche an die Unterwasservegetation stellen, da
er in verkrauteten Teichen ebenso lebt, wie in pflanzenlosen Steinbruchbecken.
Wie die anderen Kammolcharten meidet er allerdings Gewässer mit Fischbesatz. In
Konkurrenzsituationen mit Triturus cristatus nach Freisetzung der Art,
behauptet sich stets Triturus carnifex, da er die vorhandenen Ressourcen
umfassender nutzen kann als jener. Die Ansprüche an das Landhabitat sind zwar
großteils nicht ausreichend erforscht, aber auch in diesem Bereich erscheint die
Art flexibel. Strukturierte Bereiche werden bevorzugt. Auch agrarisch genutzte
Flächen werden bewohnt.
Nahrung:
Der
Kammolch erbeutet vor allem größere Objekte. Selbst adulte Teichmolche und
Kaulquappen der Erdkröte werden gefressen. Laichballen von Fröschen werden
zuweilen restlos geplündert. Triturus carnifex nützt zusätzlich das
Angebot von Beutetieren, die auf die Wasseroberfläche fallen. An Land sind es
insbesondere Regenwürmer und Schnecken die vertilgt werden.
Fortpflanzung:
Zwischen
Anfang März und Anfang April wandert Triturus carnifex an die
Fortpflanzungsgewässer. Bereits in der Anfangsphase dieser Anwanderung sind auch
Weibchen mit dabei. Die Anzahl der Männchen überwiegt aber zunächst. Später
gleicht sich dieses Verhältnis aus. Obwohl in der Regel im Juli die
Laichgewässer von den Adulti wieder verlassen werden, können einzelne Tiere auch
wesentlich länger dort verbleiben, ja durchaus ganzjährig aquatil leben. Die
Balz folgt dem Schema der großen Triturus-Arten. Nur etwa 10% aller
Paarungsversuche endet tatsächlich mit der erfolgreichen Aufnahme des
Spermatophoren durch das Weibchen. Nachdem die hierbei zu 40% erfolglos
abgesetzten Spermatophoren in keiner Weise von den Tieren weiter genutzt werden,
etwa indem sie diese fressen, bedeutet dies, dass der überwiegende Teil der
männlichen Geschlechtsprodukte verloren geht. Zusammen mit dem an anderer Stelle
beschriebenen „Chromosom-1-Syndrom“ bedeutet dies eine schier unglaubliche
Ineffizienz der Fortpflanzungsmethode. Es werden bis zu 250 Eier von einem
Weibchen produziert. Die überlebenden Embryonen schlüpfen temperaturbedingt nach
etwa 20 Tagen. Die zunächst charakteristisch längsgestreiften Larven brauchen
3-4 Monate bis zur Metamorphose während der die Jungtiere zwar großteils das
Wasser verlassen, jedoch auch durchaus verbleiben können und die weitere
Entwicklung dort erfolgt. Ihre Größe bei der Metamorphose beträgt
durchschnittlich 60 mm. Die Geschlechtsreife wird in 3-4 Jahren erreicht, wobei
die Männchen etwas früher adult sind. Das maximal erreichbare Alter im Freiland
liegt bei etwa 18 Jahren.
Haltung
im Terrarium:
Für die
großen, massigen Tiere sollte großvolumige Behälter angeboten werden. Nachdem
Triturus carnifex dazu tendiert, den Wasseraufenthalt bis in den Spätsommer
auszudehnen, können die Tiere verhältnismäßig lange, bis Anfang August, im
Aquarium gepflegt werden. Nachdem es dem natürlichen Verhalten einzelner
Populationen, insbesondere in Flachlandgebieten entspricht, auch dauernd aquatil
zu leben, kann versucht werden, dies im Aquarium nachzuvollziehen. Allerdings
ist den Tieren dabei stets die Möglichkeit zu schaffen, das Wasser nach Bedarf
verlassen zu können. Sollten die Tiere über mehrere Tage konsequent an Land
drängen, so ist ihnen ein entsprechendes Habitat anzubieten. Entweder in Form
eines Terrariums oder meist günstiger in Form eines Landteils im Aquaterrarium.
Nachdem der Italienische Kammolch auch vegetationsfreie Gewässer akzeptiert, ist es
nicht zwingend notwendig, ihm natürliche Pflanzen als Strukturen und
Ablaichsubstrat anzubieten. Es erscheint sogar durchaus angebracht, künstliche
Substrate zu verwenden im Hinblick auf die zu erwartende 50% Sterblichkeit der
Embryonen und der damit verbundenen organischen Belastung des Wassers. Von
künstlichem Substrat lassen sich abgestorbene Eier in der Regel besser entfernen
und der Einsatz fungizider Substanzen schädigt das Substrat nicht. Der
Wasserstand sollte nicht unter 30 cm Höhe liegen. Der hohe Futterbedarf und
Stoffwechsel macht eine gute biologische Filterung und regelmäßige
Teilwasserwechsel notwendig. Werden keine natürlichen Pflanzen eingesetzt, kann
auf elektrische Beleuchtung verzichtet werden, wenn wenigstens so viel
Außenlicht in das Becken fällt, dass die Tiere den Wechsel der Tageslängen im
Jahresverlauf registrieren können. Die günstigste Haltungstemperatur liegt
zwischen 16°C und 18°C, wobei Triturus carnifex deutlich höhere
Amplituden von Temperaturschwankungen akzeptiert, als etwa Triturus cristatus,
da er auch in flachen Kleingewässern existieren kann. Bedingt durch ihre
ausgesprochene Nähe zum Gewässer, sind die Landhabitate oftmals sehr feucht.
Landteil oder Terrarium dürfen daher niemals völlig trocken fallen, sondern
sollten insbesondere im Bereich der Unterschlupfe beständig gut angefeuchtet
gehalten werden. Je nach ursprünglicher Herkunft können die Tiere im Sommer auch
höheren Temperaturen bis 22°C ausgesetzt werden. In der Zeit von November bis
Mitte März werden die Tiere überwintert. Hierfür ist eine Temperatur von 4-5°C
anzustreben. Es erscheint hierfür günstig, auch Tiere, die sich anschicken, im
Wasser zu überwintern, herauszunehmen und die Kühlschrankmethode anzuwenden, da
ein stabiles Halten derart tiefer Dauertemperaturen im Aquarium technische
Probleme verursacht.
Als Futter eignen sich vor allem kräftigere Brocken wie: Tauwürmer, Regenwürmer,
Wachsraupen, Fliegenmaden, Mehlwürmer, Heimchen. Futterpräparate, totes Futter
oder gefrorene Organismen werden im allgemeinen wenig akzeptiert.
Fortpflanzung im Terrarium:
Eine
optimales Versorgung in der vorausgegangenen Saison ist Voraussetzung dafür,
dass die Tiere in Fortpflanzungsstimmung kommen. Die Winterruhe ist ebenso
notwendig, wie ein entsprechend geräumiges Aquarium mit sauberem,
sauerstoffreichem Wasser. Haben sich die Tiere erfolgreich gepaart, beginnen die
Weibchen am nächsten Tag mit der Eiablage. Durch das beschriebene
„Chromosom-1-Syndrom“ sterben allerdings voraussagbar mindestens 50% der Eier
ab. Da diese rasch von Pilzen befallen werden und verderben, ist die Gefahr
groß, dass zunächst gesunde und entwicklungsfähige Eier in Mitleidenschaft
gezogen werden. Es ist deshalb anzuraten, die Eier aus dem
Fortpflanzungsaquarium mit ihrem Substrat laufend zu entnehmen und gesondert
unterzubringen. Dort sollten sie einer schwach fungiziden Behandlung unterzogen
werden, wie etwa Bäder mit Methylenblau in halber Dosierung.
Da die Elterntiere häufig Laichräuber sind, ist das Entfernen der Eier schon
allein aus diesem Grund angezeigt.
Entwicklung im Terrarium:
Die Larven
schlüpfen mit einer Länge von 10 mm (Die auf den Fotos dargestellte
Embryonalentwicklung erfolgte bei einer Durchschnittstemperatur von 15,1°C). Sie hängen zunächst mit ihren Haftfäden am
Substrat und leben vom deutlich sichtbaren Dottervorrat. Sechs bis sieben Tage
später beginnen sie mit der Nahrungsaufnahme. Als Erstnahrung haben sich Cyclopsnauplien bzw. Nauplien von Artemia salina bewährt.
Diese Fütterung kann beibehalten werden, bis die Larven eine Länge von 15-20 mm
erreicht haben. Dann muss auf größere Nahrungsorganismen umgestellt werden (Daphnien,
Tubifex, Mückenlarven, Enchyträen). Da sich die Larven gegenseitig schädigen
können oder einander auch fressen, ist auf eine Isolierung der einzelnen
Größenklassen zu achten. Für entsprechende Wasserqualität in den
Aufzuchtbehältern ist durch ausreichende Filterung, Belüftung und Wasserwechsel
zu sorgen.
Nach drei Monaten und einer Länge von 50-60 mm metamorphosieren die Tiere. In
dieser Phase drängen die meisten Jungtiere an Land. Sie brauchen deshalb
Strukturen im Becken, die ein einfaches Aufsuchen des Trockenen ermöglichen, um
Unfälle durch Ertrinken zu verhindern. Exemplare, die in dieser Phase im Wasser
bleiben, können dort weitergepflegt werden.
Literatur:
Mertens,
R. & L. Müller (1928): Liste der
Amphibien und Reptilien Europas. Abh. Senkenberg. Naturf. Ges., 41: 1-62.
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