Salamanderland
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Triturus helveticus (Razoumovsky, 1789)
Fadenmolch
Palmate Newt
|
Männchen |
Erstbeschreibung:
Razoumovsky,
G. (1789): Hist. Nat. Jorat, 1: 111
Diagnosis:
Ein typischer Vertreter der Kleinen Wassermolche mit einer
maximalen Gesamtlänge beim Weibchen von 9,6 cm. Die dorsolateralen Drüsenleisten
sind deutlich ausgebildet und verleihen dem Rumpf einen annähernd quadratischen
Querschnitt. Das Männchen trägt in der Wassertracht einen wenig auffallenden,
niedrigen glatten Kamm, der sich in eine stark verbreitete Schwanzscheide
fortsetzt. Die Füße tragen deutlich ausgebildete, dunkel gefärbte Schwimmhäute.
Die Kloake des Männchen ist prominenter und dunkel gefärbt. Diese dunkle
Kloakenfärbung erhält sich auch in der Landtracht und stellt ein sicheres
Unterscheidungsmerkmal der Geschlechter dar. Der Bauch ist gelb bis orangefarbig
und weiste eine Reihe von Flecken auf. Die Kehle hingegen ist stets
unpigmentiert fleischfarbig und fleckenlos. Das Schwanzende ist mit einem Faden
(namensgebend) versehen, der bis zu 7 mm lang sein kann.
Differentialdiagnosis:
Zu
Triturus vulgaris, dem Teichmolch: Dieser
hat in der Wassertracht einen deutlich stärker ausgebildeten Kamm. Die Kehle ist
gefleckt. Beim Weibchen sind die Innenflächen der Füße dunkel. (T. helveticus:
hell)
Zu Triturus
italicus, dem Italienischen Wassermolch: Dieser hat am
Schwanzende nur einen kurzen Dorn. Er hat keinerlei Schwimmhäute an den Zehen.
Er zeigt deutliche Parietalflecken.
Zu
Triturus montandoni, dem Karpatenmolch: Er weist drei deutliche Kopffurchen auf.
Besitzt keinen Schwanzfaden.
Zu
Triturus boscai, dem Spanischen
Wassermolch: Er weist im männlichen
Geschlecht einen weißen Fleck vor der Schwanzwurzel auf. Der Bauch trägt kleine
Flecken. Er hat keinen Schwanzfaden.
Es treten sehr selten Kreuzungen zwischen T. helveticus und T.
vulgaris auf. Diese sind allerdings nur begrenzt lebensfähig. Experimentell
hervorgebrachte Kreuzungsprodukte bestätigen diesen Befund.
Status der Unterarten:
Es sind von Triturus helveticus neben der Nominatform noch zwei
bzw. drei Unterarten beschrieben worden:
Triturus helveticus sequeirai
Triturus helveticus punctillatus
Triturus helveticus alonsoi
Mehr Systematik:
Verbreitung:
Terra
typica: Brunnenbecken der Villa Vernand
Bois Genoud bei Lausanne, Westschweiz.
Westeuropa von den Niederlanden bis Portugal und Spanien. Britische Inseln.
Habitat:
T. helveticus bewohnt Gewässer und deren Nähe von
Meereshöhe bis 2400 m. Die bewohnten Wasserkörper sind mannigfaltig, weisen
allerdings eine Präferenz zu stehenden oder langsam fließenden Gewässern des
Grünlandes auf. Wobei auch kleinste Wasseransammlungen häufig genutzt werden.
Der Chemismus dieser Gewässer ist überaus unterschiedlich. Allerdings lassen pH-
Werte unter 4,2 keine Fortpflanzung mehr zu. Eine Präferenz für Werte etwas
oberhalb von pH 7,5 ist festzustellen. Häufig sind die Gewässer mit reichlicher
Vegetation versehen. Die Umgebung der Laichplätze ist zumeist Gehölz reich und
feucht. Offene Landschaften werden gemieden. An Land verstecken sich die Tiere
unter Steinen, Totholz und ähnlichem. Ebenso unterschiedlich gestalten sich die
möglichen Winterquartiere. Der Fadenmolch wandert bis zu 800 m vom Laichgewässer
zu den Sommer- und Winterquartieren.
Nahrung:
T. helveticus ist ein ausgesprochener Nahrungsopportunist, der sämtliche
Organismen seiner Umgebung, sofern sie überwältigbar für ihn sind und eine
Mindestgröße aufweisen, frisst.
Fortpflanzung:
Die Fortpflanzungsperiode ist, bedingt durch das große
Verbreitungsgebiet, in unterschiedlichen Zeiträumen angesiedelt. Beginnt sie im
Süden schon im Dezember, so findet sie in Hochlagen teilweise erst im Juli
statt. Die Paarung und Eiablage folgt dem Schema der Kleinen Wassermolchgruppe.
Die Geschlechtsreife tritt in der Regel im 3. Jahr ein. Kann aber schon im 2.
Jahr erreicht werden oder aber auch erst mit 6 Jahren. Das maximal erreichbare
Alter im Freiland dürfte bei 8 Jahren liegen.
Haltung im Terrarium:
Dem Fadenmolch ist im Terrarium die Möglichkeit zu bieten zwischen Wasser- und
Landlebensraum zu wählen. Außerhalb der Fortpflanzungszeit ist die Haut samtig,
Wasser abweisend und die Tiere können in dieser Phase relativ leicht ertrinken.
Der Platzbedarf ist am Land gering. Die Tiere führen nur wenig Ortsveränderung
durch. Zumeist befinden sie sich in der leicht feucht zu haltenden
Unterschlupfen. Dort nehmen sie auch ihre Nahrung in Form von kleinen
Wirbellosen zu sich. An Futtertieren kann alles gereicht werden, was erreichbar
ist und in der Größe passt. Im Becken sollte der Aufbau so gestaltet werden, dass ein
Gradient von stark bis mäßig feucht entsteht. Das Wärmebedürfnis der
Art ist gering, die Temperaturen im Sommer
sollten deshalb 22°C nicht über längere Perioden übersteigen.
Fortpflanzung im
Terrarium:
Im Alter von 3 Jahren sind die Tiere meist fortpflanzungsfähig. Nach der
Überwinterung bei 4-5°C können zunächst die Männchen in ein Aquarium mit 1-2 cm
Wasserstand gesetzt werden. Entsprechende Strukturen am Rand sollen das
Verstecken und Zurückziehen aus dem Wasser ermöglichen. Erst mit einigen Tagen
Verzögerung wandern die Männchen schließlich ins Wasser ein und beginnen ihren
Kamm auszubilden. Nun können in ähnlicher Weise auch die Weibchen an das
Wasserleben gewöhnt und der Wasserstand angehoben werden. In der Regel beginnt
nun die Paarung und einige Tage danach kommt es zur Eiablage. Nachdem die
Männchen weiterhin unermüdlich hinter jedem Webchen her sind, können sie das
Ansetzen der Eier erheblich stören und es ist in kleinen Becken anzuraten, die
bereits befruchteten Weibchen von den Männchen zu trennen. Die Eiablage zieht
sich über etwa drei Wochen. Nach 2-3 Wochen beginnt der Schlupf. Das Substrat
ist daher regelmäßig abzusammeln und der Laich in eigenen Behältern zum Schlupf
zu bringen. Sowohl Eier als auch insbesondere geschlüpfte Larven würden
ansonsten in der relativen Enge des Behälters von den Adulten gefressen werden. Laich gesunder und ausreichend ernährter Eltertiere
neigt wenig zur Verpilzung.
Entwicklung im
Terrarium:
Die Larven
schlüpfen mit einer Länge von 6-8 mm. Vier bis fünf Tage später beginnen sie mit
der Nahrungsaufnahme. Als Erstnahrung haben sich Cyclopsnauplien bzw. Nauplien
von Artemia salina bewährt.
Ab einer Größe von 15- 20 mm muss auf größere Nahrungsorganismen umgestellt
werden (Daphnien, Tubifex, Mückenlarven, Enchyträen). Die
Larven schädigen sich gegenseitig kaum. Zu berücksichtigen ist bei den üblichen großen Eizahlen die Menge der zu versorgenden Larven. Entsprechend große Behälter mit
hoher Wasserqualität und ausreichend Futter ist für eine gleichmäßige
Entwicklung der Brut notwendig.
Nach 3 bis 3,5 Monaten und einer Länge von 19-35 mm metamorphosieren die Tiere.
In dieser Phase drängen die Jungtiere an Land. Die Zeitspanne in der die
Jungtiere noch eine Benetzung der Haut vertragen ist recht kurz. Es muss daher
dafür gesorgt werden, dass sie das Wasser rasch und problemlos verlassen und in
relativ trockene Unterschlupfe kriechen können.
Der Landteil sollte mäßig feucht, bei hoher Luftfeuchtigkeit gehalten werden. Staunässe und
mangelnde Hygiene ist für die Heranwachsenden tödlich.
Es ist für die Entwicklung der Jungtiere an Land ungünstig, große Behälter zu
verwenden. Die kleinen Molche rotten sich in der Regel an wenigen Stellen im
Becken zusammen und verharren die meiste Zeit dort. Um die nötige Dichte des
Futters zu erreichen, sollten deshalb anfangs eher kleine Behälter gewählt
werden. Eine Größe von 20 x 30 cm Bodenfläche reicht für die Aufzucht der ersten
zwei bis drei Monate für 50 Jungtiere aus. Hierbei muss allerdings häufig
gereinigt werden. Sind die Molche 4-5 cm groß geworden, nimmt ihr
Bewegungsdrang zu und es sind entsprechend größere Behälter einzusetzen.
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