Salamanderland 

Triturus italicus (Peracca, 1898)

Italienischer Wassermolch
Italian Newt

Männchen

Weibchen

Erstbeschreibung:
Peracca, M. G. (1898): Descrizione di una nuova specie de tritone italiano, Molge italica, n. sp. Boll. Mus. Zool. Anat. Comp. Torino, 317, 13: 1-6.

Diagnosis:
Triturus italicus ist mit einer maximalen Gesamtlänge von 8 cm die kleinste Art der Gattung. Der Geschlechtsdimorphismus ist gering. An Land kommt er fast nicht zur Geltung. Das Männchen weist keinen Kamm auf. Bei beiden Geschlechtern gibt es statt dessen eine Längsfurche in Rückenmitte. Bedingt durch gut ausgebildete Drüsenleisten am Rücken treten beim Männchen Lateralleisten prominent hervor und lassen den Körperquerschnitt vierkantig erscheinen. Bei den Weibchen ist der Körperquerschnitt abgerundeter. Schwimmhäute an den Zehen treten niemals auf. Der Schwanz trägt während des Wasseraufenthalts niedrige Hautsäume. Er weist beim Männchen metallisch graublaue Flecken auf und ist bei ihm etwas länger als die Kopf-Rumpf-Länge. In der Landtracht verschwinden die Hautsäume. Der Schwanz endet mit einem kurzen, meist dunkel gefärbten Dorn von etwa 1 mm Länge. Der Kopf ist rundlich und kaum länger als breit. Die Schnauze ist kurz und stumpf. Durch das Auge läuft ein dunkler Längsbalken. Die Kloake des Männchen tritt in der Balzzeit prominent halbkugelförmig hervor. Sie ist weißgelb mit großen schwarzen Flecken. Die Rückengrundfarbe bei beiden Geschlechtern ist metallisch braun bis grünlich. Das Männchen ist insgesamt dunkler gefärbt und weist zahlreiche dunkle Flecken auf. Der Bauch ist weißlich bis gelb, die Kehle ist intensiver gefärbt und ist dunkelgelb bis orange. Auf der Bauchseite sind zahlreiche dunkle Punkte mittig angeordnet. Seitlich am Kopf beginnt ein weißlicher Streifen, der bis auf die Körperseiten zieht. Bei beiden Geschlechtern ist in der Parietalregion hinter den Augen ein heller Fleck zu erkennen.

Differentialdiagnosis:
Zu Triturus vulgaris, dem Teichmolch: Dieser trägt an den Hinterbeinen Schwimmhäute. Die Männchen tragen einen deutlichen Rückenkamm, die Weibchen zumeist eine erkennbare Medianleiste. Der Teichmolch weist niemals den weißlichen Seitenstreifen auf und zeigt keine Parietalflecken.
Zu Triturus helveticus, dem Fadenmolch: Dieser hat einen deutlichen Endfaden und nicht nur den kurzen Dorn. Er hat ausgeprägte Schwimmhäute an den Zehen. Er zeigt keine Parietalflecken.
Zu Triturus montandoni, dem Karpatenmolch: Dieser hat schwarze Schwimmhäute an den Zehen. Er weist drei deutliche Kopffurchen auf und zeigt keine Parietalflecken.

Zu Triturus boscai, dem Spanischen Wassermolch: Dieser erscheint insgesamt deutlich dunkler. Er weist im männlichen Geschlecht einen weißen Fleck vor der Schwanzwurzel auf. Der Bauch trägt kleine Flecken. Er hat keine Parietalflecken.

Status der Unterarten:
Es sind von Triturus italicus  keine Unterarten beschrieben. Mehrfach wurde in früheren Zeiten die Eigenständigkeit der Art angezweifelt und mit Triturus vulgaris gleichgesetzt. Die Hybriden aus der Kreuzung der beiden Arten sind allerdings nicht lebensfähig und kommen deshalb im Freiland nicht vor. Der klassische Nachweis, dass es sich bei T. vulgaris bzw. T. italicus um zwei gute, eigenständige Arten handelt. Beide können auch im gleichen Gewässer vorkommen.
Mehr Systematik:
 

Verbreitung:
Terra typica : Potenza, Basilicata, Süditalien.
Die Art ist für Süd- und Mittelitalien endemisch. Sie fehlt auf Sizilien. Das Verbreitungsgebiet beginnt in südliche Richtung ab einer gedachten Linie zwischen Formia im Westen und Ancona an der Ostküste der Apenninenhalbinsel

Habitat:
Die Art kommt in sämtlichen geeigneten Gewässern im Gebiet, wie Teichen, Gräben, Zisternen und selbst in langsam fließenden Bächen und sogar in Flüssen recht häufig vor. Vor allem die Zone unterhalb von 800 m wird bewohnt. Höher als 1500 m steigen die Tiere nicht. Der Lebensraumwechsel im Jahresverlauf ist bei dieser Art je nach Habitat sehr unterschiedlich. In frostfreien, aber relativ kühlen Gebieten können die Tiere ganzjährig im Wasser verbleiben. In den Gebirgsregionen, wo Bodenfröste auftreten ziehen sich die Molche in Spalten zu einer Winterruhe zurück. An der Westküste allerdings sind sie im Winter aktiv und legen statt dessen eine Trockenruhe an Land im Sommer ein. Die Wasserphase kann sehr unterschiedlich lang ausgedehnt sein und dauert in den Gebieten, wo die Tiere winteraktiv sind, nur bis in den April. Andernorts beginnt sie erst im Februar oder erst im Mai und dauert bis Oktober. Über das bevorzugte Bodensubstrat oder über chemische Werte der bewohnten Gewässer ist nichts bekannt.

Nahrung:
Im Wasser werden vor allem Kleinkrebse und Chironomiden-Larven aufgenommen. Auf Grund der geringen Größe der Tiere ist das Beutespektrum entsprechend auf kleinvolumige Objekte ausgerichtet. Außergewöhnlich ist, dass Truturus italicus seine Nahrung vor allem tagsüber sucht. Dies tut er vornehmlich in den seichten Uferbereichen seiner Habitate.  

Fortpflanzung:
Je nach Lage des Gewässers beginnt die Fortpflanzungsperiode zu sehr unterschiedlichen Zeiten im Areal der Art. Sie kann mit der Anwanderung bereits im Januar gestartet werden oder in den Bergregionen auch erst im Mai. Offenbar können einzelne Populationen die dauernd aquatisch leben auch ebenso andauernd über das Jahr sich fortpflanzen. In anderen Populationen wurden zwei Fortpflanzungsphasen jeweils im Herbst und im Frühjahr beobachtet. Die Balz verläuft nach dem Schema der kleinen Triturus- Arten.
Die Temperaturen in den Fortpflanzungsgewässern sind sehr uneinheitlich und können zwischen 10° und 22°C aufweisen. Ebenso unterschiedlich ist die temperaturabhängige Enbryonalentwicklung. Die Weibchen legen ihre kleinen Eier indem sie diese nach Triturus-Weise in unterschiedliche Substrate, meist jedoch in Wasserpflanzen hüllen. Es dauert etwa zehn bis vierzehn Tage, bis die Larven schlüpfen. In warmen Gewässern benötigt die anschließende Larvalentwicklung oft nur 4-6 Wochen. Entsprechen winzig gehen die Jungtiere dabei mit 9 mm Gesamtlänge an Land. In höheren Lagen und kühleren Gewässern wird im Regelfall eine Länge von durchschnittlich 26 mm vor der Metamorphose erreicht. Eine Reihe von Populationen mit neotenen oder partiell neotenen Tieren ist bekannt. Aber auch vollständig umgewandelte Tiere, die ganzjährig aquatil leben kommen vor. Die Geschlechtsreife wird mit 2-3 Jahren erreicht. Die maximale Lebenserwartung im Freiland liegt bei 8-10 Jahren.

Haltung im Terrarium:
Die Art bewohnt im Vorkommensgebiet höchst unterschiedlich gestaltete Habitate. Entsprechen unterschiedlich gestaltet sich auch die Lebensweise der einzelnen Populationen. Es ist deshalb schwierig, die Haltungsbedingungen zu standardisieren. Insbesondere dann, wenn die Herkunft der gepflegten Tiere nicht bekannt ist. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass Triturus italicus als ausgesprochen südeuropäisch-mediterrane Art Wärme liebend ist. Ein Großteil der Tiere lebt in tiefen Lagen. Dem entsprechend sollten- wenn keine genauen Fundortdaten vorlegen- die Terrarienbedingungen ausgerichtet werden. Nach einer verhältnismäßig kühlen Ruheperiode im Winter bei 8° - 10°C können die Tiere im Januar wieder an das Wasser gewöhnt werden. Am günstigsten geschieht dies im Aquarium mit zunächst sehr geringem Wasserstand und einer Vielzahl von Versteckplätzen oberhalb und unterhalb des Wasserspiegels. Nehmen die Molche die Bedingungen an und bilden sie die Fortpflanzungsattribute aus, kann der Wasserstand angehoben werden. Unter Berücksichtigung auf das Leben in der flachen Uferzone sollte dieser aber nicht höher als 15 cm gewählt werden. Für reichlich Strukturen im Wasserraum ist zu sorgen. Entweder durch Verwendung von Wasserpflanzen oder aber auch durch künstliche Ablaichhilfen. Triturus italicus ist ausgesprochen tagaktiv und akzeptiert auch verhältnismäßig helle Beleuchtung des Beckens sofern genügend Strukturen und Versteckplätze vorhanden sind.  Die Becken sollten eine möglichst große Grundfläche bei geringer Höhe aufweisen. Ein Volumen von 5-8 Liter pro Tier erscheint ausreichend. Die Wassertemperatur sollte nicht zu hoch gewählt werden, um den Tieren einen langen Aufenthalt im Becken zu ermöglichen. Werte zwischen 17° und 20°C scheinen günstig zu sein. Wenn die Tiere das Wasser zu verlassen beginnen, müssen ihnen ausreichend viele Ausstiegsstellen zur Verfügung gestellt werden, um der Gefahr des Ertrinkens vorzubeugen.

Für den Landaufenthalt wird ein Terrarium gewählt. Ein kombiniertes Aquaterrarium scheint weniger günstig für die Art zu sein, da sie an Land recht trocken zu halten sind. Das Volumen des Terrariums kann gering sein. Etwa 3-4 Liter reichen für ein Tier aus, da der Aktionsradius überaus eingeschränkt ist. Größere Becken weisen den gravierenden Nachteil der relativ geringen Futterdichte auf. Die Haut der Tiere weist nun eine samtige, Wasser abweisende Struktur auf. Die Einrichtung des Beckens sollte deshalb nur leicht feucht sein, mit einer etwas stärker befeuchteten Stelle, um einen Gradienten zu schaffen. Eine Schichtung aus Steinen und Rindenstücken, die auf dem feuchten Bodengrund aufliegt, bietet den Tieren die Möglichkeit, den günstigsten Aufenthaltsort selbst wählen zu können. Das Becken sollte zur Gänze mit Drosophila-dichter Gaze abgedeckt werden, um die nötige Belüftung zu gewährleisten. Als Futter bieten sich diverse Kleininsekten, wie kleine und mittlere Heimchen und Grillen, Drosophila, kleine Regenwürmer etc. an.

Fortpflanzung im Terrarium:
Auf Grund der geringen Größe der Elterntiere ist die Auswahl der in Terrarienhaltung angebotenen Futtertiere weiter eingeschränkt. Es muss daher besonders darauf geachtet werden, sowohl ausreichende Mengen, wie Qualität an Kleininsekten zu reichen, um den Adulten die Fortpflanzung prinzipiell zu ermöglichen. Nach der Winterruhe während der die Tiere weiter, wenn auch in geringerem Ausmaß, gefüttert werden, wird ihnen ein Aquarium angeboten. Reichlich Pflanzenwuchs im flachen, hellen Becken oder auch künstliche Ablaichhilfen, die das Becken ebenso stark gliedern, ist für das Wohlbefinden im Wasser nötig. Nach Balz und Paarung beginnen die Weibchen ihre kleinen, weißen Eier abzulegen. Sie kleben diese einzeln in die Pflanzen und hüllen sie mit Blättern ein.

Entwicklung im Terrarium:
Die Larven schlüpfen im Aquarium nach etwa zehn Tagen. Sie sind mit 5-7 mm Gesamtlänge sehr klein und brauchen deshalb entsprechend feines Erstfutter ab dem 3. Tag. Tümpelplankton oder
Artemia-Nauplien haben sich bewährt. Die Larven wachsen bei hohen Temperaturen über 20°C zunächst rasch, wandeln sich allerdings ebenso schnell um und gehen mit weniger als 10 mm Gesamtlänge an Land. Da es unter Terrarienbedingungen überaus schwierig erscheint, derart winzige Jungtiere zu ernähren, sollte durch etwas niedrigere Wassertemperaturen um 18°C die Entwicklung zu Metamorphose verzögert werden. Auch in diesem Fall sind die Larven intensiv zu versorgen. Dabei ist der Erhaltung der Wasserqualität besonderes Augenmerk zu schenken. Die organische Belastung sollte über eine leistungsfähige biologische Filterung und häufigen Wasserwechsel so gering wie möglich gehalten werden. Auch bei optimaler Versorgung sind die Frischmetamorphosierten mit 20-25 mm klein und empfindlich. Entsprechend aufwändig gestaltet sich deren weitere Aufzucht. Eine ständige und kontinuierliche Versorgung mit Collembolen, Drosophila und frisch geschlüpften Heimchen ist wichtig. Hier sollte die Phantasie des Halters einsetzen, um weitere Futterquellen für seine Tiere ausfindig zu machen, wie etwa Blattläuse u. ä. Das Becken für die Aufzucht sollte in den ersten Monaten eher knapp bemessen sein, um die nötige Futterdichte aufrecht erhalten zu können.


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