Salamanderland 

Triturus montandoni (Boulenger, 1880)

Karpatenmolch
Carpathian Newt

Männchen in Landtracht

Weibchen in Landtracht

Habitat

Erstbeschreibung:
Boulenger, G. A. (1880): Description d´une espèce nouvelle de Triton. Bull. Soc. Zool. France, Paris, 5: 157-161.

Diagnosis:
Ein zarter Molch mit einer Gesamtlänge von meist unter 10 cm. Die Haut ist rau. Der Querschnitt des Körpers ist kantig. Die Männchen zeigen bei dieser Art auch in der Wassertracht keinerlei Kamm, sondern nur einen dunklen Schwanzfaden. Die Schwimmhäute an den Hinterextremitäten sind gut ausgebildet und dunkel pigmentiert. Der Kopf weist drei Längsfurchen auf. Die Färbung an den Flanken ist eine grün-braune Marmorierung, der Bauch ist gelb. Der Geschlechtsdimorphismus ist gering ausgeprägt.

Differentialdiagnosis:
Es gibt eine große Ähnlichkeit zu Triturus vulgaris. Dieser trägt aber in der Wassertracht im männlichen Geschlecht immer einen Kamm. Die Unterscheidung der Weibchen ist schwierig. Mit dem Teichmolch kann es auch zu natürlicher Hybridbildung kommen. Die Hybriden sind fruchtbar. 

Status der Unterarten:
Von Triturus montandoni wurden keine Unterarten beschrieben. Der Hybride T. montandoni X T. vulgaris wurde irrtümlich als "Triton hoffmanni" bezeichnet.

Verbreitung:
Terra typica restricta (Mertens & Müller, 1928): Barnarie-Tal bei Brosteni, Rumänien.
Die Art bewohnt hauptsächlich den Karpatenbogen. Allerdings ist sie sowohl in den West- als auch in großen Gebieten der Südkarpaten nicht vertreten. Teilweise verlässt sie den Hauptzug des Gebirges und dringt in dessen Vorberge und selbst bis ins anschließende Tiefland vor. An zwei Stellen lebt der Karpatenmolch außerhalb des namensgebenden Gebietes: In den Ostsudeten und in der Ukraine bei Lvov. Am häufigsten kommt die Art in Höhen zwischen 600 und 1100 m vor. Sie steigt aber auch bis 2000 m hoch, respektive auf unter 200 m ab.

Habitat/Ökologie:
Zwar bevorzugt Triturus montandoni vor allem Laub- und Fichten/Tannenwälder, er kommt aber auch auf agrarischen Flächen im Tiefland und selbst oberhalb der Baumgrenze vor. Er lebt an Land hauptsächlich an feuchten und schattigen Berghängen, meist in der Nähe von Bächen. In den bewohnten Waldgebieten sucht die Art zur Fortpflanzung unterschiedliche Gewässer auf. Diese reichen von Wagenspuren bis zu Sümpfen und Randbereichen von Flüssen und Seen. Auch künstliche Gewässer werden akzeptiert. Dabei tolerieren die Molche auch extrem seichte Gewässer (10 cm) und die damit verbundenen heftigen Temperaturschwankungen (1°-22°C). Der pH-Wert der bewohnten Gewässer reicht von 5,0 bis 9,1. Auch starke organische Belastung der Gewässer wird ertragen.
An Land werden häufig ausgesprochen trockene, warme Stellen aufgesucht. Die Überwinterung erfolgt sowohl im Wasser unter dem Eis im Bodenschlamm, als auch an Land versteckt unter Steinen, Holz oder Laub.

Nahrung:
Im Wasser werden vor allem Chironomiden-Larven aufgenommen. Aber auch größengerechte Beute vieler weiterer Arten. Auf das Wasser fallende Insekten und selbst Eier von Amphibien werden gefressen. Die Weibchen nehmen etwa doppelt so viel Nahrung wie die Männchen auf. An Land stellen Ameisen einen nicht geringen Teil der Beutetiere. Dazu auch einer Vielzahl von anderen Gliedertieren und deren Larven.

Fortpflanzung:
Je nach Höhenlage beginnt die Fortpflanzungsperiode im April bis in den Juni. Nach der Ablage der Eier, die einzeln oder in kleinen Gruppe wenig sorgfältig in Pflanzenblätter gewickelt werden, dauert es temperaturabhängig 15- 20 Tage bis zu deren Schlupf. Die Zahl der von einem einzelnen Weibchen produzierten Eier kann mehr als 400 betragen, liegt im Mittel aber zwischen 100 und 200. Frischgeschlüpfte Larven haben eine durchschnittliche Gesamtlänge von 6 mm und sind von denen des Triturus vulgaris in diesem Stadium nicht unterscheidbar. Die Entwicklung der Larven erfolgt bemerkenswert rasch in Anpassung an die besiedelten Kleinstgewässer, die oftmals früh trocken fallen. Bereits im Alter von 5-6 Wochen können die Jungtiere metamorphosieren. Andererseits findet man auch häufig große, überwinternde Larven. Entsprechend unterschiedlich ist die Körpergröße der verwandelten Jungmolche, die von 11 bis 35 mm reicht. Im dritten Lebensjahr wird die Geschlechtsreife erlangt.
Das maximal erreichbare Alter im Freiland dürfte zwischen 7 und 10 Jahren liegen. Überraschend ist das extrem hohe Alter von 26 Jahren, das bei Hybriden festgestellt wurde.

Haltung im Terrarium:
Die Art weist einen sehr deutlich ausgeprägten biphasischen Lebensraumwechsels im Jahresverlauf auf. Deshalb empfiehlt sich eine Haltung im Aquarium respektive während der Landphase im Terrarium. Nach Beendigung der Winterruhe Ende März werden die Tiere in ein Aquarium gesetzt. Zunächst die Männchen und 7-10 Tage später die Weibchen. Das Becken sollte für die im Wasser lebhafte Art so groß bemessen sein, dass wenigstens 10 l Inhalt pro Tier geboten wird. Da Triturus montandoni im Aquarium zuweilen dazu neigt, im Frühjahr nicht sofort eine benetzbare Hautoberfläche auszubilden, ist bei der Gewöhnung an das Wassermilieu behutsam vorzugehen. Grundsätzlich muss es den Tieren jederzeit möglich sein, trockene Stellen außerhalb des Wassers aufzusuchen. Am günstigsten ist zunächst eine Einrichtung mit einer Vielzahl von Versteckmöglichkeiten aus Steinen und Rindenstücken bei einem Wasserstand von nur wenigen Millimetern Höhe. Wenn sich nach einigen Tagen herausstellt, dass die Hautoberfläche der Tiere nicht mehr Wasser abweisend ist, kann der Wasserstand erhöht werden bis zu einem Pegel von 30 cm. Dabei sind die Tiere kontinuierlich gut zu beobachten, da oftmals einzelne Exemplare weiterhin ans Trockene streben. Diese sind abzusondern und in ein eigenes Terrarium zu setzen. Sie fallen für die Vermehrung in der laufenden Saison aus. Gut gepflegt und ernährt sind sie jedoch durchaus in der Lage, ein Jahr später wieder an der Fortpflanzung teilzunehmen. Die Haltung im Aquarium ist bei Triturus montandoni nicht sehr lange möglich, da die Tiere recht unmittelbar nach dem Laichgeschäft im Verlauf von Mai/Juni das Wasser wieder verlassen. Dazu ist ihnen in jedem Fall eine Vielzahl von Gelegenheiten zu bieten, um Verluste durch Ertrinken zu vermeiden. Das Terrarium für den Landaufenthalt ist vor allem mit vielen unterschiedlichen Versteckplätzen zu versehen, da die Art ein sehr verborgenes Leben führt. Sie weist an Land eine samtige, Wasser abweisende Hautstruktur auf und sucht häufig verhältnismäßig trockene Stellen auf. Nässe ist deshalb in jedem Fall unbedingt zu vermeiden. Da die Tiere kaum Ortsveränderungen durchführen, sondern nach Art des Lauerjägers in ihren Unterschlupfen auf vorüber ziehende Beute warten, sollte das Landhabitat von den Dimensionen eher knapp bemessen sein um eine entsprechende Futterdichte zu erreichen. 5 l Rauminhalt pro Tier erscheint günstig. Die Grundtemperatur im Terrarium sollte sich zwischen 16° und 18°C bewegen. Wobei das Erreichen von 20-22°C über kurze Perioden von einigen Tagen im trockenen Sommer wichtig erscheint.

Fortpflanzung im Terrarium:
Der Karpatenmolch ist auf Grund seiner spezifischen Habitatstruktur ökologisch deutlich enger eingenischt als andere Triturus-Arten. Er benötigt deshalb auch etwas mehr Aufmerksamkeit in der Pflege. Nur optimal konditionierte Tiere schreiten im Terrarium zur Fortpflanzung. Dazu gehört reichliche und qualitativ hochwertige Ernährung und eine Winterruhe bei 4-5°C über mindestens 3 Monate.
Nach Balz und Paarung die dem Schema der kleinen Triturus-Arten entspricht, beginnen die Weibchen ihre bräunlichen Eier abzulegen. Sie kleben diese einzeln oder auch in kleinen Gruppen auf unterschiedlichstes Substrat. Auch künstliche Ablaichhilfen werden problemlos akzeptiert. Die Larven schlüpfen im Aquarium nach etwa zwei Wochen. Sie sind mit 5-7 mm Gesamtlänge sehr klein und brauchen deshalb entsprechend feines Erstfutter ab dem 4. Tag. Tümpelplankton oder Artemia-Nauplien haben sich bewährt. Die Larven wachsen rasch und sind entsprechend intensiv zu versorgen. Dabei ist der Erhaltung der Wasserqualität besonderes Augenmerk zu schenken. Die organische Belastung sollte über eine leistungsfähige biologische Filterung und häufigen Wasserwechsel so gering wie möglich gehalten werden. Die Temperatur ist unter 18°C zu halten. Das Ziel hierbei ist, die Metamorphose der Larven zu verzögern, um größere und vitale Jungtiere zu erhalten. Auch bei optimaler Versorgung sind die Frischmetamorphosierten mit 20-25 mm klein und empfindlich. Entsprechend aufwändig gestaltet sich deren weitere Aufzucht. Eine ständige Versorgung mit Collembolen, Drosophila und frischgeschlüpften Heimchen ist wichtig. Diese Futtertiere bedürfen ihrerseits einer ebenso guten Versorgung, damit ausreichend Inhaltsstoffe an die Jungen weitergegeben werden. Das Becken für die Aufzucht sollte in den ersten Monaten eher knapp bemessen sein. Eine Grundfläche von 30 x 30 cm ist für die Erstaufzucht von 50 Exemplaren ausreichend. Die Jungtiere sitzen in der Regel alle zusammen in einem dichten Knäuel im Versteck und bewegen sich nur während der ersten Nachtstunden bei ausreichender Luftfeuchtigkeit ein wenig von dort weg. Da sich die Stoffwechselendprodukte am bevorzugten Aufenthaltsort des „Jungtieraggregats“ konzentrieren, ist für dessen regelmäßige Reinigung zu sorgen. Bei höheren Jungtierzahlen ist es ratsam, diese nicht in einem großen, sondern in mehreren kleinen Behältern unterzubringen. Wenn die Jungen eine Größe von 30-40 mm erreicht haben, wird ihr Aktionsradius größer und sie müssen in umfangreichere Behälter umgesetzt werden.


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