Salamanderland 

Triturus pygmaeus (Wolterstorff, 1905)

Zwerg- oder Südlicher Marmormolch
Pygmy Marbled Newt

Männchen

Weibchen

Erstbeschreibung:
W
olterstorff
, W. (1905): Zwergformen der paläarktischen Urodelen. C.-R. 6ème Congr. Int. Zool. Berne: 258-263. 

Diagnosis:
Ein kleinwüchsiger Molch mit einer Gesamtlänge von maximal 11,6 cm beim größeren Weibchen. Der Schwanz ist etwas kürzer als der Körper. Die Männchen sind in der Regel um 1 cm kleiner als die Weibchen. Es existieren zwei Grundtypen der Färbung: Die nördlichen Populationen zeigen eine schwarze Fleckung auf grünem Grund. Die südlichen hingegen haben eine Marmorierung wie Triturus marmoratus. Der Bauch ist gelblich mit zahlreichen weißen Tüpfeln und schwarzen Flecken. Die Rückenhaut weist zahlreiche Körnungen auf, die an den Seiten schwächer ausgebildet ist und am Bauch fehlt. Der Geschlechtsdimorphismus ist deutlich ausgeprägt: Das Männchen trägt in der Fortpflanzungszeit einen schwarzweißlichen Kamm, der verhältnismäßig niedrig ist und ohne Unterbrechung in den Schwanz übergeht. Im Bereich der Schwanzwurzel weist er nur eine geringe Einbuchtung auf. Ein  perlmuttfarbenes Band erscheint an den Schwanzseiten. Die Kloake ist halbkugelförmig und ragt prominent hervor. Das Weibchen zeigt an Stelle des Kammes eine Rinne in Rückenmitte, die häufig braun gefärbt ist. Bei Jungtieren ist diese Rinne leuchtend orange.  

Differentialdiagnosis:
Zu Triturus marmoratus dem Großen- oder Nördlichen Marmormolch: Dieser wird mit maximal 16 cm Gesamtlänge deutlich größer. Der Bauch ist dunkelgrau bis schwarz mit schwarzen Flecken und weißen Tüpfeln. Der Rückenkamm ist über der Schwanzwurzel stark eingebuchtet.
 

Status der Unterarten:
Es sind von Triturus pygmaeus  keine Unterarten beschrieben. Allerdings kann man eine nördliche von einer südlichen Form an der Färbung unterscheiden. Lange Zeit galt diese Art als Subspecies von
Triturus marmoratus
 

Verbreitung:
Terra typica: „Südspanien“ (Wolterstorff, 1905).
Die Art bewohnt den Südwesten der Pyrenäenhalbinsel. Sie breitet sich von der Atlantikküste Portugals südlich des Tejo nach Spanien bis zu den andalusischen Bergen aus. Das Verbreitungsgebiet reicht an das Habitat von Triturus marmoratus stellenweise bis auf wenige Kilometer heran, es gibt aber keine syntopen Vorkommen. Im Lebensraum der Art kommt sie sehr unterschiedlich häufig vor. Insbesondere der Ost- und Südrand des Areals ist nur dünn besiedelt.
Die Höhenverbreitung reicht von Meeresniveau bis 1400 müNN, allerdings leben die meisten Populationen in Höhen zwischen 100 m und 350 m. 

Habitat:
Die Art weist einen deutlich zweiphasigen Lebensraumwechsel im Jahreszyklus auf. Während der Fortpflanzungszeit werden sämtliche Typen von Still- und langsamen Fließgewässern unterschiedlichster Beschaffenheit aufgesucht. So auch von Menschenhand geschaffene Sekundärbiotope wie Brunnen und Viehtränken. Typischerweise nutzt die Art auch temporäre Gewässer. Die Tiere zeigen keine auffällige Präferenz für bestimmte wasserchemische Werte, leicht alkalische Gewässer werden allerdings bevorzugt. Die Art kommt sowohl auf Silikat- als auch auf Kalkböden vor. Beim Landaufenthalt werden die unterschiedlichsten Habitate wie diverse lichte Wälder, aber auch Wiesen und Weiden genutzt. 

Nahrung:
Es werden im Wasser hauptsächlich Crustaceen (Kleinkrebse) erbeutet. An Land hingegen diverse Insekten und deren Larven. 

Fortpflanzung:
Die Paarung findet meist nachts im Wasser statt. Zunächst wandern die Männchen beim Beginn der Herbstregen im November an. Bei Temperaturen zwischen 8° und 17°C. Einige Tage später folgen die Weibchen. Die Eiablage erfolgt ab Dezember.
Wenn das Männchen ein Weibchen entdeckt, so versucht es zunächst, sich zu präsentieren: Es erhebt sich, bläht sich auf und faltet den Schwanz auf eine Körperseite. Anschließend stellt es sich quer vor das Weibchen und schneidet ihm so den weiteren Weg ab. Hierbei macht es den typischen „Katzenbuckel“. Mit dem Schwanz werden nachfolgend wellenförmige Bewegungen vollführt und das Männchen lehnt sich hierbei seitlich über das Weibchen. Mit peitschenartigen Bewegungen des Schwanzes wird ein Wasserschwall gegen das Weibchen gerichtet. Wobei diese Bewegung schwächer ausgeführt wird als von Triturus marmoratus. Schließlich kommt es zur Spermatophorenübergabe indem das Männchen vom Weibchen wegkriecht und ihm dieses folgt. Es orientiert sich am wellförmig bewegten Schwanz des Männchens. Sobald es ein oder mehrere Male mit seiner Schnauze  die Schwanzspitze berührt hat, setzt das Männchen unter anheben des Schwanzes den Spermatophoren ab. Nachdem es daraufhin eine Körperlänge weitergekrochen ist, stellt sich das Männchen quer und positioniert dadurch die Kloake des Weibchens im Idealfall genau über dem Spermatophoren, der letztlich aufgenommen wird.
Kurze Zeit später beginnt das Weibchen die Eier abzulegen idem es sie mit den Hinterbeinen in Pflanzenblätter wickelt.
Der Schlupf erfolgt bei 20°C nach 14 Tagen.
Die Larven metamorphosieren nach etwa 3,5 Monaten mit einer Gesamtlänge von etwa 45 mm. Die Jungtiere bleiben bis zur sexuellen Reife im 4. Lebensjahr an Land. Ein Weibchen kann maximal 380 Eier ablegen.
Das Maximalalter im Freiland liegt bei etwa 12 Jahren. 

Haltung im Terrarium:
Auf Grund des biphasischen Lebensraumwechsels im Jahresverlauf empfiehlt es sich, den Tieren einen derartigen Wechsel ebenfalls zu ermöglichen. Es ist nicht ratsam, diese Art ganzjährig im Wasser zu halten, da sie an lange und warme Trockenperioden angepasst ist.
Eine Winterruhe wird nicht angeboten. Statt dessen sollte darauf geachtet werden, dass die Tiere im Sommer verhältnismäßig warm (bis 26°C) und nur schwach feucht untergebracht werden.
Die Strukturierung des Wasserraumes sollte zumindest teilweise mit Pflanzen erfolgen, da viele Tiere Gewässer meiden in denen Macrophyten fehlen. Bei der Bepflanzung sollte auf nicht zu feinfiedrige und lichthungrige Arten zurückgegriffen werden. Bei der Beleuchtung des Beckens sollte darauf geachtet werden, dass nicht sämtliche Bereiche hell bestrahlt werden und die Lichtquellen das Wasser nicht aufheizen.
Eine Filterung des Wasser empfiehlt sich. Der Rücklauf sollte allerdings keine deutliche Strömung erzeugen. Ein Wasserwechsel von bis zu einem Drittel des Volumens pro Woche ist anzuraten. Hierbei sollten auch Mulm und übrig gebliebene Futterreste abgesaugt werden. Die Haltungstemperaturen im Wasser sollten im Bereich zwischen 17° und 21°C liegen. Die Abdeckung des Beckens sollte lückenlos sein, da die Tiere hervorragende Kletterer sind. Am günstigsten hierbei hat sich ein mit Gaze bespannter Rahmen erwiesen, der den nötigen Gasaustausch kaum behindert.
Der Landaufenthalt im Sommer und Herbst kann entweder in einem eigenen Terrarium erfolgen oder aber das Becken ist als Aquaterrarium mit einem eigenen Landteil versehen. In jedem Fall ist darauf zu achten, ob und wann die Tiere nach der Fortpflanzung auf das Trockene streben. Wird ein derart gestimmtes Exemplar gezwungen, im Wasser zu verbleiben, kann es leicht ertrinken.
Der Landteil sollte reichlich gegliedert sein, um ausreichend Unterschlupfmöglichkeit für die Tiere zu bieten, die sich in dieser Phase kaum zeigen. Der Bodengrund sollte nur leicht feucht sein. Da für den Wasserhaushalt eines derartigen Terrariums vor allem die Luftfeuchtigkeit der Umgebung ausschlaggebend ist, können hierzu keine absoluten Angaben gemacht werden. Grundsätzlich ist Triturus pygmaeus an verhältnismäßig trockene und warme Habitate angepasst. Hierbei werden auch verhältnismäßig hohe Temperaturen im Sommer ertragen. Die günstigsten Werte liegen zwischen 20° und 26°C.
Im Herbst bei sinkenden Temperaturen sollten die Tiere allmählich an ein feuchteres Milieu gewöhnt werden. Nun nehmen sie auch wieder vermehrt Futter an, das während der relativen Sommerruhe bei hohen Temperaturen eher verschmäht wird.  
Als Futter eignen sich der Größe der Tiere entsprechend kleinere Beutestücke wie: kleine Regenwürmer, Wachsraupen, Fliegenmaden,  mittelgroße Heimchen, Daphnien, Mückenlarven, Drosophila etc.  

Fortpflanzung im Terrarium:
Sind die Tiere 4 Jahre alt, können sie im Spätherbst erstmals zur Fortpflanzung herangezogen werden. Hierzu ist es notwendig, die Tiere vor allem in der Wasserphase im Frühjahr reichlich mit Futter zu versorgen. Derart vorbereitete Tiere werden ohne besondere Probleme über den heißen Sommer kommen und im September wieder ihre Aktivität aufnehmen.  Diese besteht zunächst in einer vermehrten Nahrungsaufnahme. Ende Oktober werden zuerst die Männchen in ein Aquarium eingesetzt, einige Tage später, wenn diese sich optimal entwickelt haben, kommen die Weibchen dazu. In der Regel werden diese schon kurze Zeit später angebalzt. Einige Tage nach der Befruchtung beginnen die Weibchen ihre Eier in die Pflanzen abzulegen. Es ist anzuraten, die mit Laich besetzten Pflanzen regelmäßig in andere Becken zu überführen und durch frische zu ersetzen, da die Eltern häufig Laichräuber sind. Da voraussagbar mindestens 50% der Eier verderben werden (Chromosom-1-Syndrom), bewährt es sich, ein fungizides Medikament vorbeugend einzusetzen, um das Übergreifen einer Verpilzung auf entwicklungsfähige Embryonen zu verhindern.
 

Entwicklung im Terrarium:
Die Larven schlüpfen mit einer Länge von 10 mm. Sie hängen zunächst mit ihren Haftfäden am Substrat und leben vom deutlich sichtbaren Dottervorrat. Sechs bis sieben Tage später beginnen sie mit der Nahrungsaufnahme. Als Erstnahrung haben sich Cyclopsnauplien bzw. Nauplien von Artemia salina bewährt.
Diese Fütterung kann beibehalten werden, bis die Larven eine Länge von 15-20 mm erreicht haben. Dann muss auf größere Nahrungsorganismen umgestellt werden (Daphnien, Tubifex, Mückenlarven, Enchyträen). Da sich die Larven gegenseitig schädigen können oder einander auch fressen, ist auf eine Isolierung der einzelnen Größenklassen zu achten.
Nach dreieinhalb Monaten und einer Länge von 40-50 mm metamorphosieren die Tiere. In dieser Phase drängen sie an Land. Sie brauchen deshalb Strukturen im Becken, die ein einfaches Aufsuchen des Trockenen ermöglichen, um Unfälle durch Ertrinken zu verhindern. Die Jungtiere sollten nicht unter 18°C gehalten werden, um den Stoffwechsel nicht einzudämmen. Auch das Aufzuchtbecken für die Jungtiere sollte recht trocken gehalten werden. Staunässe und mangelnde Hygiene sind für die Heranwachsenden tödlich.

Larven und Jungtiere sollten so viel an Nahrung aufnehmen können, wie sie wollen, um ein zügiges Wachstum und eine optimale Entwicklung zu ermöglichen.  Durch die verhältnismäßig hohen Temperaturen bei der Aufzucht sind entsprechend große Futtermengen nötig.

Molchregister:
Die Art wird im Molchregister der AG-Urodela der DGHT monitorisiert. Ziel dabei ist es unter anderem, diverse Lokalpopulationen in den Terrarien zu erhalten. Pate der Art ist Sergé Bogaerts (Niederlande).
Die Tiere im Salamanderland, welche ursprünglich aus der Sierra de Guadalupe kamen, stammen ebenfalls aus der Nachzucht von Herrn Bogaerts.


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