Salamanderland 

Triturus vittatus ophryticus (Berthold,1846)
Ommatotriton ophryticus (
Litvinchuk, Zuiderwijk, Borkin & Rosanov, 2005)

Nördlicher Bandmolch
Northern Banded Newt

Männchen, westliche Form

Männchen, östliche Form

Weibchen

Habitat Paarung Entwicklung

Erstbeschreibung:
Triturus vittatus:
Gray J. E. in Jennys, L. (1835): A Manual of British Vertebrate Animals: or descriptions of all the animals belonging to the classes Mammalia, Aves, Reptilia, Amphibia, and Pisces, which have been hitherto observed in the British Islands, including the domesticated, naturalized, and extirpated species: the whole systematically arranged. Cambridge (John Smith), 559 pp.

Triturus vittatus ophryticus:
Berthold A. A. (1846): Nachrichten königl. Ges. Wiss. Göttingen, 12: 189.

Ommatotriton ophryticus:
Litvinchuk S. N., A. Zuiderwijk, L. J. Borkin & J. M. Rosanov (2005): Taxonomic status of Triturus vittatus (Amphibia: Salamandridae) in western Turkey: trunk vertebrae counts, genome size and allozyme data. Amphibia-Reptilia, 26: 305-323. Die genannten Autoren führen zwar in ihrem Artikel entsprechende Argumente an, ändern aber die Taxonomie de facto und de jure nicht!
Erst nachfolgende Autoren übernehmen die Schlussfolgerungen und die daraus resultierende Taxonomie und schaffen somit "stillschweigend" das factum.

Siehe hierzu auch: Dubois A. & J. Raffaëlli (2009): A new ergotaxonomy of the family Salamandridae Goldfuss, 1820 (Amphibia, Urodela). Alytes 26 (1-4): 1-85.

Diagnosis:
Ein großer Molch mit einer Gesamtlänge von maximal 18 cm. Die Weibchen sind kleiner als die Männchen. Der Körper ist kräftig mit einem ungefähr dreieckigen Kopf. Die Haut an Land ist samtig, im Wasser hingegen glatt und glänzend. Seitlich von den Augen bis zum Ansatz der Beine erstreckt sich ein silbrig-weißes, schwarz eingefasstes Band (=namensgebend). Die Einfassungsstreifen des weißen Bandes sind nicht unterbrochen und schmal. Auf dem Trockenen besteht die Färbung aus einer mittel- bis dunkelgrauen bis -braunen Marmorierung auf dem Rücken. Bei den Männchen ist auch außerhalb der Fortpflanzungszeit an Stelle des Kammes häufig eine hell/dunkel gebänderte Leiste zu erkennen. Der Bauch ist gelb und in der Regel ohne Flecken. Die Schläfenflecken sind nur bei Jungtieren erkennbar. Die Schwanzoberkante und die Unterkante ist mit hohen Zacken versehen bzw. zahnförmig. Während des Aufenthalts im Wasser ist der Geschlechtsdimorphismus unter allen Triturus-Arten am stärksten ausgeprägt. Verändert sich bei den Weibchen im Wesentlichen nur Haut- und Lippenstruktur, so bauen die Männchen einen sehr hohen, tief gezackten Kamm auf, der mit einer Einbuchtung über der Schwanzwurzel bis zur Schwanzspitze zieht. An den Hinterbeinen entwickeln sich ein Hautlappen, die Metatarsalfalte. Auch die Färbung ändert sich im Wasser auffällig. Goldfarben oder broncegrün leuchtet der Rücken mit vielen kleinen schwarzen Flecken. Am Schwanz entlang zieht sich ein breites Band, das silbrig- blau ist. Die gelbe Bauchseite wird farblich intensiver.

Differentialdiagnosis:
Zu Triturus vittatus vittatus: Dessen Bauch zeigt zahlreiche dunkle Flecken, die schwarzen Steifen an den Seiten sind breit und nicht durchbrochen. Im unteren Schwanzteil weist er als einzige der drei Unterarten einen schwarzen Streifen auf. Die sonst nur bei den Jungtieren erkennbaren Schläfenflecken bleiben zeitlebens deutlich sichtbar. Die obere und die untere Schwanzkante ist wellig bzw. fast gerade.

Zu Triturus vittatus cilicensis: Häufig sind hier die seitlichen schwarzen Einfassungsstreifen des weißen Bandes in einzelne Flecken aufgelöst. Der Bauch weist eine Fleckenzeichnung auf. Die obere und die untere Schwanzkante ist zahnförmig bzw. wellig.
Auf Grund der ausgeprägten Merkmale der Männchen in Wassertracht ist eine Verwechslung mit anderen Triturus-Arten kaum möglich.

Status der Unterarten:
Da T. vitt. ophryticus, welcher eine Unterart des Triturus vittatus darstellt, von anderen Autoren (Litvinchuk et al., 2005) zur Art erhoben und von dieser wiederum Unterarten beschrieben wurden, sei an dieser Stelle kurz darauf eingegangen:  Es wird eine westliche Form: Triturus ophryticus nesterovi (Litvinchuk et al., 2005) und die östliche Nominatform unterschieden: Triturus ophryticus ophryticus. Diese Beschreibungen sind allerdings nicht allgemein anerkannt!
mehr Systematik:

Verbreitung:
Terra typica:
„ponds near London“
Gray fand den Bandmolch offenbar in Parktümpeln in der Nähe Londons und veröffentlichte die Entdeckung in einem Band über die Tiere der britischen Inseln! Lange Zeit hielt man daher die Art für einen Teil der englischen Herpetofauna. Wie konnte es zum Kuriosum des Londoner Bandmolchs kommen? Offenbar war hier die Liebhaberei schneller als die hehre Wissenschaft: Rührige "Terrarianer" hatten die interessanten und schönen Tiere schon früher als die Fachleute gekannt, importiert und möglicherweise auch nachgezüchtet oder zumindest die damals so beliebten Freisetzungsversuche unternommen. Auf diese Weise kam die Art Triturus vittatus zu ihrer grotesken Terra typica. (Die Tiere stammten übrigens möglicherweise aus Syrien)
Terra typica von T. vitt. ophryticus ist Tiflis, Georgien
Er bewohnt die Südküste des schwarzen Meeres. Sein Areal, das in einen westlichen und östlichen Anteil gegliedert ist, folgt im Osten der Schwarzmeerküste nach Norden bis nach Krasnodar. Ostwärts bewohnt er den Kaukasus entlang der Südseite des großen Gebirgszugs bis an die aserbeidschanische Grenze. 

Habitat:
Triturus vittatus ophryticus bewohnt vor allem Wälder. Auffällig ist die Übereinstimmung des Siedlungsgebietes mit dem Vorkommen von Fagus orientalis. Die mittlere Jahres-Lufttemperatur im Gebiet liegt zwischen 11° und 14°C. Die Selektivität bei der Wahl der Fortpflanzungsgewässer ist bemerkenswert gering. Es werden praktisch sämtliche Wasseransammlung genutzt, die sich bieten. Selbst in strömenden Bächen sind die Tiere anzutreffen. Die Überwinterung erfolgt in unterschiedlichsten Schlupfwinkeln. Sie beginnt im Oktober und dauert bis zu 5 Monate. Es ist keine Bindung an ein bestimmtes Substrat festzustellen.

Nahrung:
Im Wasser werden vor allem kleine Krebstiere und Chironomiden-Larven aufgenommen. Aber auch größengerechte Beute vieler weiterer Arten. Insbesondere die Weibchen nehmen Laich und Larven anderer Amphibien. Auch die Larven der eigenen Art werden nicht verschont. An Land werden alle Arten von Wirbellosen gefressen, die für die Tiere zu überwältigen sind.

Fortpflanzung:
Die Fortpflanzungsperiode von Triturus vittatus ophryticus ist direkt abhängig von der Höhenlage und beginnt frühestens im Februar, im Hochgebirge aber auch erst im Juni. Bereits bei Bodentemperaturen von wenig mehr als 1°C werden die Tiere aktiv und wandern bei Wassertemperaturen von 3°- 5°C ein. Vorher verbringen sie jedoch bis zu vier Wochen in aktivem Zustand an Land. Im Fortpflanzungsgewässer dauert es eine Woche bis zu einem Monat, bis die Männchen ihre volle Balztracht ausgebildet habe. Das Laichen erfolgt bei Wassertemperaturen von 7°- 9°C. Die Anzahl der abgelegten Eier beträgt durchschnittlich etwa 100. Die Embryonalentwicklung kann temperaturabhängig bis zu einem Monat dauern. Ende August erfolgt die Metamorphose bei einer Gesamtlänge der Jungtiere von durchschnittlich 30 mm. Die Geschlechtsreife wird im vierten Lebensjahr erreicht. Die maximale Lebenserwartung  im Freiland liegt bei 21 Jahren.
Arteigene Männchen werden vom jeweiligen Revierbesitzer angegriffen und es kann zu Beschädigungskämpfen kommen. Diese innerartliche heftige Aggressivität ist in der Gattung Triturus einzigartig.

Haltung im Terrarium:
Nach der ausgedehnten Winterruhe bei 4°-5°C, die vom November bis in den März, somit etwa 4 Monate betragen sollte, sind zunächst die Männchen an ein Leben im Wasser zu gewöhnen. In der Regel haben sie bereits in der Winterruhe damit begonnen, die ersten Attribute der Balztracht auszubilden. Sollte dies nicht der Fall sein, ist es günstiger, dem betreffenden Tier eine Pause zu gönnen und erst im darauf folgenden Jahr einen neuerlichen Versuch einzuleiten. In der Regel wird man nur das jeweils größte und stärkste Männchen einsetzen, da dieses sämtliche Weibchen erfolgreich befruchten kann. Um Verluste unter der Männchen zu vermeiden, sollten diese im Wasser niemals aufeinander treffen können. Bei Triturus vittatus ophryticus scheint die Aggressivität im Vergleich zur Nominatform noch stärker ausgeprägt zu sein oder es sind zumindest die Folgen der Kämpfe bei diesen kräftigen Tieren dramatischer. Sehr häufig kommt es vor, dass das dominante und balzende Männchen sich im Aquarium vollkommen erschöpft. Meist nimmt es während dieser Phase kaum Nahrung auf. Die Folge davon ist ein Siechtum nach der Balz, das in der Regel mit dem Tod des Tieres endet. Auch im natürlichen Habitat kann man um die Fortpflanzungsgewässer häufig tote und sterbende Männchen finden. Es ist daher unbedingt anzuraten, niemals alle Männchen einer Fortpflanzungsgruppe gleichzeitig in verschiedenen Becken zur Vermehrung schreiten zu lassen, sondern einen wesentlichen Teil der Männchen an Land weiterzupflegen und erst in den darauf folgenden Jahren einzusetzen. Die Haltungstemperaturen sollten im Wasser nicht über 12° - 15°C liegen und im Landterrarium 25°C nicht überschreiten. Auch für diese Unterart sind im Sommer Dauertemperaturen unter 18°C nicht empfehlenswert. Die Tier würden dadurch nicht genug Nahrung aufnehmen können und kümmern. Es müssen neben feuchten Stellen auch Unterschlupfe geboten werden, die weitgehend trocken sind.
An Futter kann alles gereicht werden, was die Tiere an Lebendbeute bewältigen können. Besonders beliebt scheinen die Raupen der Wachsmotte (Galleria melonella) zu sein. Triturus vittatus dürfte von allen Triturus-Arten am anfälligsten für rachitische Erkrankungen sein. Ein entsprechendes Bestäuben der Futtertiere mit Mineralstoffen sollte daher niemals unterbleiben.   

Fortpflanzung im Terrarium:
Auf Grund der aufwändigen Balztracht und des hohen Energieeinsatzes bei der Paarung sollten nur bestens ernährte Männchen zur Vermehrung eingesetzt werden. Das Risiko des Verlustes ist hoch. Auf Grund der hohen innerartlichen Aggressivität kann nur jeweils ein Männchen in einem Becken im Wasser sein. Mehrere Weibchen werden hingegen geduldet.
Nach der Winterruhe sollte Triturus vittatus ophryticus reichlich mit hochwertigen Beutetieren versorgt werden. Bei steigenden Temperaturen im Frühjahr werden die Tiere aktiver und wandern zunehmend im Becken herum. Es sollte nun das stärkste Männchen ausgewählt werden. Dieses wird in ein Aquarium mit einem Wasserstand von wenigen Zentimetern gesetzt, das zahlreiche Versteckmöglichkeiten über und unter dem Wasserspiegel aufweist. Zuweilen sofort, manchmal aber erst nach einigen Tagen wird sich das Männchen ins Wasser begeben und dort verbleiben. Es baut nun den Kamm und sämtlich anderen Attribute des Balzkleids auf. Obwohl viele Männchen nun die Nahrungsaufnahme einstellen, sollte weiter versucht werden, Beute anzubieten. Wird diese angenommen, ist die Gefahr der Entkräftung geringer. Während dieser Zeit wird in einem gesonderten Becken den Weibchen Gelegenheit geboten, sich an das Wassermilieu anzupassen. Ist das Männchen bereit und die Weibchen ständig im Wasser, so können diese zu ihm gesetzt werden.
Die Balz entspricht ungefähr dem Schema der großen Triturus-Arten und verläuft sehr heftig.

Einige Tage nach der erfolgten Befruchtung legen die Weibchen an Pflanzen und diversen Gegenständen ihre reinweißen Eier ab. 

Entwicklung im Terrarium:
Im Durchschnitt schlüpfen die Larven nach zweieinhalb bis drei Wochen mit einer Länge von 7,5- 10 mm. 4-5 Tage später beginnen sie zu fressen. Tümpelplankton oder Artemia-Nauplien haben sich als Erstfutter bewährt. Die Larven wachsen rasch und sind entsprechend intensiv zu versorgen. Dabei ist der Erhaltung der Wasserqualität besonderes Augenmerk zu schenken. Die organische Belastung sollte über eine leistungsfähige biologische Filterung und häufigen Wasserwechsel so gering wie möglich gehalten werden. Die Temperatur ist bei etwa 18°C zu halten. Es ist kaum möglich, die Metamorphose durch niedrigere Temperaturen sinnvoll zu verzögern, weil in diesem Fall die Larven nur noch wenig Nahrung aufnehmen, kaum wachsen und in der Entwicklung behindert werden. Dies trifft auch auf Tiere aus Tieflandpopulationen zu. Größere und vitale Jungtiere lassen sich in erster Linie durch optimale und zeitlich lückenlose Versorgung der Larven erzielen. Kurz vor der Metamorphose stellen die Larven die Nahrungsaufnahme weitgehend ein, um sie erst einige Zeit nach dieser wieder aufzunehmen. Da in dieser Phase häufig Totalverluste auftreten, ist ihr besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Das Becken für die erste Aufzuchtszeit sollte so klein gewählt werden, wie es für die nötigen Manipulationen noch sinnvoll erscheint. Für 50 Jungtiere ist ein Becken mit 6-7 l Inhalt passend. Die gesamte Dachfläche sollte mit Drosophila dichter Gaze bespannt sein, um eine gute Lüftung zu ermöglichen. Der Bodengrund sollte nur leicht feucht sein. Niemals dürfen die Jungtiere direkten Kontakt mit nassen Bereichen haben. Am günstigsten sind Unterschlupfe aus trockenen Rindenstücken, die lose auf das leicht feuchte Substrat aufgelegt werden. Die Jungtiere rotten sich meist alle an einer geeigneten  Stelle zusammen und verharren dort. Sie laufen in der Regel auch nicht davon, wenn ihr Unterstand kontrolliert wird. Das Auflegen der Rindenstücke muss deshalb nach einer derartigen Nachschau besonders sorgfältig erfolgen, um kein Jungtier einzuklemmen. Da sich die Jungen kaum aktiv auf die Jagd begeben, müssen die Futtertiere so zahlreich eingebracht werden, dass diese zumindest teilweise in das Versteck eindringen und dort gefressen werden können. Hierfür eignen sich vor allem Microheimchen und Enchyträen aber auch Drosophila. Störungen der Jungtiere sollten in dieser Phase so weit wie möglich unterbleiben. Reinigungen sollten immer nur in Teilbereichen und niemals radikal durchgeführt werden. Trotzdem muss auf  optimale Hygiene geachtet werden. Die Temperaturen sollten sich im Bereich von 20°-22°C bewegen. Erst, wenn der Nachwuchs deutlich gewachsen ist und die Tiere bei Nachschau in den ersten Nachtstunden auch außerhalb des Schlupfwinkels angetroffen werden können, was meist etwa zwei Monate nach der Metamorphose eintritt, sollten sie in ein größeres Becken gesetzt werden. Hierbei ist wieder sehr sorgfältig vorzugehen, da auch jetzt noch hohe Verluste auftreten können. Das weitere Wachstum geht langsam vor sich und die Tiere entwickeln sich sehr unterschiedlich. Erst nach dem Ablauf des ersten Lebensjahres bei einer Gesamtlänge von 5-6 cm sind die Jungtiere robuster und widerstandsfähig genug, um so wie die Adulten behandelt zu werden. Der Mineralstoffbedarf der Jungen und Halbwüchsigen dürfte recht hoch sein. Futtertiere sollten deshalb regelmäßig mit entsprechenden Präparaten bestäubt werden.


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