Salamanderland 

Triturus vittatus vittatus (Gray, 1835)

Südlicher Bandmolch
Southern Banded Newt

Männchen

Weibchen

Balz

 

 
 

Habitat

 

Erstbeschreibung:
Triturus vittatus:
Gray J. E. in Jennys, L. (1835): A Manual of British Vertebrate Animals: or descriptions of all the animals belonging to the classes Mammalia, Aves, Reptilia, Amphibia, and Pisces, which have been hitherto observed in the British Islands, including the domesticated, naturalized, and extirpated species: the whole systematically arranged. Cambridge (John Smith), 559 pp.
Triturus vittatus cilicensis:
Wolterstorff W. (1906): Über den Formenkreis des Triton (=Molge) vittatus Gray. Zool. Anz., 29: 649-654.

Diagnosis:
Ein großer Molch mit einer Gesamtlänge von maximal 18 cm. Die Weibchen sind kleiner als die Männchen. Der Körper ist kräftig mit einem ungefähr dreieckigen Kopf. Die Haut an Land ist samtig, im Wasser hingegen glatt und glänzend. Seitlich von den Augen bis zum Ansatz der Beine erstreckt sich ein silbrig-weißes, schwarz eingefasstes Band (=namensgebend). Die Einfassungsstreifen des weißen Bandes sind nicht unterbrochen und breit. Auf dem Trockenen besteht die Färbung aus einer mittel- bis dunkelgrauen bis -braunen Marmorierung auf dem Rücken. Bei den Männchen ist auch außerhalb der Fortpflanzungszeit an Stelle des Kammes häufig eine hell/dunkel gebänderte Leiste zu erkennen. Der Bauch ist gelb und zeigt zahlreiche dunkle Flecken. Die Schläfenflecken sind zeitlebens erkennbar. Die Schwanzoberkante und die Unterkante ist wellig bzw. fast gerade. Im Schwanzteil weist er als einzige der drei Unterarten von T. vittatus einen schwarzen Streifen auf. Während des Aufenthalts im Wasser ist der Geschlechtsdimorphismus unter allen Triturus-Arten am stärksten ausgeprägt. Verändert sich bei den Weibchen im Wesentlichen nur Haut- und Lippenstruktur, so bauen die Männchen einen sehr hohen, tief gezackten Kamm auf, der mit einer Einbuchtung über der Schwanzwurzel bis zur Schwanzspitze zieht. An den Hinterbeinen entwickeln sich ein Hautlappen, die Metatarsalfalte. Auch die Färbung ändert sich im Wasser auffällig. Goldfarben oder broncegrün leuchtet der Rücken mit vielen kleinen schwarzen Flecken. Am Schwanz entlang zieht sich ein breites Band, das silbrig- blau ist. Die gelbe Bauchseite wird farblich intensiver.

Differentialdiagnosis:
Zu Triturus vittatus ophryticus: Dessen Bauch weist in der Regel keine dunklen Flecken auf, die schwarzen Steifen an den Seiten sind schmal und nicht durchbrochen. Die Schläfenflecken sind nur bei den Jungtieren erkennbar. Die obere und die untere Schwanzkante ist gezackt.
Zu Triturus vittatus cilicensis: Häufig sind hier die seitlichen schwarzen Einfassungsstreifen des weißen Bandes in einzelne Flecken aufgelöst. Der Bauch weist eine Fleckenzeichnung auf. Die obere und die untere Schwanzkante ist zahnförmig bzw. wellig.
Auf Grund der ausgeprägten Merkmale der Männchen in Wassertracht ist eine Verwechslung mit anderen Triturus-Arten kaum möglich.

Status der Unterarten:
Als Synonyme von Triturus vittatus vittatus sind zu werten:

Triturus vittatus excubitor
(Wolterstorff, 1905), Grenzregion Libanon, Syrien.
Triturus vittatus chuldaensis
(Bodenheimer, 1926), Hulda, Israel.
Morphologisch und entwicklungsgeschichtlich lässt sich die Art in zwei Unterartgruppen gliedern, wobei eine Gruppe von Triturus vittatus ophryticus (Berthold, 1846) und die andere von den beiden Formen Triturus
vittatus vittatus /cilicensis (Wolterstorff, 1906) gebildet wird.
mehr Systematik:

Verbreitung:
Terra typica:
„ponds near London“. Ein seltsamer Irrtum der offenbar dadurch zustande kam, dass Molchliebhaber schon viel früher als die Wissenschaft von der Art wussten, sie importierten, vermehrten und in "ponds near London" frei setzten!
Triturus vittatus vittatus bewohnt vor allem die Levanteküste des Mittelmeeres aber auch weit verstreute Stellen im Südosten Anatoliens bis in den Irak. Triturus vittatus cilicensis hingegen ist auf ein recht kleines Gebiet beschränkt, das westlich des Amanus-Gebirges an der türkischen Südküste bis Mersin reicht und somit das Gebiet von Triturus vittatus vittatus im Norden gleichsam umschließt.

Habitat:
Tritutus vittatus vittatus /cilicensis bewohnt ein Gebiet mit heißen, trockenen Sommern. Die Niederschlagsmenge, die praktisch ausschließlich in den Wintermonaten anfällt, muss mindesten 500-600 mm erreichen um ein Überleben der Art zu ermöglichen. Diese Verhältnisse erzwingen eine Sommerruhe in verhältnismäßig schwach feuchten Bodenspalten, unter Steinen, in Totholz etc. Die Hauptaktivitätszeit ist der Winter. In diesem Zeitraum suchen die Molche ihre Fortpflanzungsgewässer auf. Diese sind meist stark getrübt und temporär. Sie weisen kaum Bewuchs auf. pH-Werte und Härtegrade der Gewässer sind in weiten Bereichen variabel.

Nahrung:
Im Wasser werden vor allem kleine Krebstiere und Chironomiden-Larven aufgenommen. Aber auch größengerechte Beute vieler weiterer Arten. Insbesondere die Weibchen nehmen Laich und Larven anderer Amphibien. Auch die Larven der eigenen Art werden nicht verschont. An Land werden alle Arten von Wirbellosen gefressen, die für die Tiere zu überwältigen sind.

Fortpflanzung:
Triturus vittatus vittatus /cilicensis Männchen wandern gegen Ende Dezember in die Fortpflanzungsgewässer ein. Die Wassertemperaturen liegen zwischen 10° und 12°C. Die Aktivitätszeit reicht bis März/April, kann aber, bedingt durch rasch ansteigende Wassertemperaturen, in den südlichsten Vorkommen nur wenige Tage umfassen. Die Eizahl ist bezogen auf die Größe der Tiere verhältnismäßig gering und umfassen meist etwa 50 Stück. Die Eier werden in der Uferzone im flachen Wasser an verschiedene Objekte geheftet. Die Larven schlüpfen nach 8-10 Tagen und beginnen schon nach weiteren drei Tagen mit der Nahrungsaufnahme. Zwar kann die Metamorphose schon nach anderthalb Monaten einsetzen, wenn beispielsweise das Gewässer austrocknet, andererseits können insbesondere die Larven der südlichen Formen bis in den Juli im Wasser verbleiben und dadurch eine Größe von bis zu 69 mm erreichen.
Die Geschlechtsreife wird im vierten Lebensjahr erreicht. Die maximale Lebenserwartung im Freiland liegt bei 21 Jahren.
Arteigene Männchen werden vom jeweiligen Revierbesitzer angegriffen und es kann zu Beschädigungskämpfen kommen. Diese innerartliche heftige Aggressivität ist in der Gattung Triturus einzigartig.

Haltung im Terrarium:
Triturus vittatus vittatus /cilicensis ist jeweils zum Jahreswechsel bei einer Temperatur um 12°C vorsichtig an einen Wasseraufenthalt zu gewöhnen. Häufig erfolgt das Einwandern langsam und individuell unterschiedlich. Schwache Individuen können auch völlig darauf verzichten. Es kann zwei bis drei Wochen dauern, bis das Männchen in voller Balzstimmung ist. Gleichzeitig erwacht die innerartliche Aggressivität. Es ist daher in dieser Aktivitätsphase unbedingt zu vermeiden, mehr als ein Männchen im Behälter zu halten. Andernfalls kommt es in der Regel zu heftigen Kämpfen, die nicht selten mit dem Tod eines oder beider Tiere enden. Weibchen werden nicht angegriffen und in Mehrzahl im Revier geduldet. Der Wasserstand sollte maximal 30 cm aufweisen. Die Temperatur kann rasch ansteigen und mehr als 20°C erreichen. Allerdings werden die Adulten dabei bald wieder an Land streben. Das Terrarium für den Landaufenthalt sollte einen deutlich ausgeprägten Feuchtegradienten aufweisen. Insbesondere die Unterschlupfe sollten aber nur schwach feucht sein. Eine etwas stärker angefeuchtete Stelle wird von den Tieren zuweilen vor den Häutungen aufgesucht. Die Temperaturen sollten nicht zu niedrig gewählt werden und im Sommer generell über 20°C liegen. Zeitweise können Werte von 25°- 26°C erreicht werden. Hierbei ist darauf zu achten, dass das Becken zwar nur schwach feucht gehalten wird, aber auch niemals völlig austrocknen darf. In dieser Phase sind die Tiere weitgehend inaktiv. Die Art weist ein enormes Regenerationsvermögen nach Wasserverlust auf: Selbst bereits weitgehend dehydrierte und somit bewegungsunfähige Tiere können sich, in feuchteres Milieu gebracht, innerhalb weniger Stunden völlig erholen. Da die Aktivität an Land generell sehr niedrig ist, sind die Becken kleinvolumig zu wählen.

Fortpflanzung im Terrarium:
Auf Grund der aufwändigen Balztracht und des hohen Energieeinsatzes bei der Paarung sollten nur bestens ernährte Männchen zur Vermehrung eingesetzt werden. Das Risiko des Verlustes ist hoch. Auf Grund der hohen innerartlichen Aggressivität kann nur jeweils ein Männchen in einem Becken im Wasser sein. Mehrere Weibchen werden hingegen geduldet.

Nach der Sommerruhephase sollte Triturus vittatus vittatus /cilicensis reichlich mit hochwertigen Beutetieren versorgt werden. Bei sinkenden Temperaturen im beginnenden Winter werden die Tiere aktiver und wandern zunehmend im Becken herum. Es sollte nun das stärkste Männchen ausgewählt werden. Dieses wird in ein Aquarium mit einem Wasserstand von wenigen Zentimetern gesetzt, das zahlreiche Versteckmöglichkeiten über und unter dem Wasserspiegel aufweist. Zuweilen sofort, manchmal aber erst nach einigen Tagen wird sich das Männchen ins Wasser begeben und dort verbleiben. Es baut nun den Kamm und sämtlich anderen Attribute des Balzkleids auf. Obwohl viele Männchen nun die Nahrungsaufnahme einstellen, sollte weiter versucht werden, Beute anzubieten. Wird diese angenommen, ist die Gefahr der Entkräftung geringer. Während dieser Zeit wird in einem gesonderten Becken den Weibchen Gelegenheit geboten, sich an das Wassermilieu anzupassen. Ist das Männchen bereit und die Weibchen ständig im Wasser, so können diese zu ihm gesetzt werden. 

Die Balz entspricht ungefähr dem Schema der großen Triturus-Arten und verläuft sehr heftig.

Einige Tage nach der erfolgten Befruchtung legen die Weibchen an Pflanzen und diversen Gegenständen ihre reinweißen Eier ab. 

Entwicklung im Terrarium:
Im Durchschnitt schlüpfen die Larven nach zweieinhalb bis drei Wochen mit einer Länge von 7,5- 10 mm. 4-5 Tage später beginnen sie zu fressen. Tümpelplankton oder Artemia-Nauplien haben sich als Erstfutter bewährt. Die Larven wachsen rasch und sind entsprechend intensiv zu versorgen. Dabei ist der Erhaltung der Wasserqualität besonderes Augenmerk zu schenken. Die organische Belastung sollte über eine leistungsfähige biologische Filterung und häufigen Wasserwechsel so gering wie möglich gehalten werden. Die Temperatur ist bei etwa 18°C zu halten. Es ist kaum möglich, die Metamorphose durch niedrigere Temperaturen sinnvoll zu verzögern, weil in diesem Fall die Larven nur noch wenig Nahrung aufnehmen, kaum wachsen und in der Entwicklung behindert werden. Größere und vitale Jungtiere lassen sich in erster Linie durch optimale und zeitlich lückenlose Versorgung der Larven erzielen. Kurz vor der Metamorphose stellen die Larven die Nahrungsaufnahme weitgehend ein, um sie erst einige Zeit nach dieser wieder aufzunehmen. Da in dieser Phase häufig Totalverluste auftreten, ist ihr besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Das Becken für die erste Aufzuchtszeit sollte so klein gewählt werden, wie es für die nötigen Manipulationen noch sinnvoll erscheint. Für 50 Jungtiere ist ein Becken mit 6-7 l Inhalt passend. Die gesamte Dachfläche sollte mit Drosophila dichter Gaze bespannt sein, um eine gute Lüftung zu ermöglichen. Der Bodengrund sollte nur leicht feucht sein. Niemals dürfen die Jungtiere direkten Kontakt mit nassen Bereichen haben. Am günstigsten sind Unterschlupfe aus trockenen Rindenstücken, die lose auf das leicht feuchte Substrat aufgelegt werden. Die Jungtiere rotten sich meist alle an einer geeigneten  Stelle zusammen und verharren dort. Sie laufen in der Regel auch nicht davon, wenn ihr Unterstand kontrolliert wird. Das Auflegen der Rindenstücke muss deshalb nach einer derartigen Nachschau besonders sorgfältig erfolgen, um kein Jungtier einzuklemmen. Da sich die Jungen kaum aktiv auf die Jagd begeben, müssen die Futtertiere so zahlreich eingebracht werden, dass diese zumindest teilweise in das Versteck eindringen und dort gefressen werden können. Hierfür eignen sich vor allem Microheimchen und Enchyträen aber auch Drosophila. Störungen der Jungtiere sollten in dieser Phase so weit wie möglich unterbleiben. Reinigungen sollten immer nur in Teilbereichen und niemals radikal durchgeführt werden. Trotzdem muss auf  optimale Hygiene geachtet werden. Die Temperaturen sollten sich im Bereich von 20°-22°C bewegen. Erst, wenn der Nachwuchs deutlich gewachsen ist und die Tiere bei Nachschau in den ersten Nachtstunden auch außerhalb des Schlupfwinkels angetroffen werden können, was meist etwa zwei Monate nach der Metamorphose eintritt, sollten sie in ein größeres Becken gesetzt werden. Hierbei ist wieder sehr sorgfältig vorzugehen, da auch jetzt noch hohe Verluste auftreten können. Das weitere Wachstum geht langsam vor sich und die Tiere entwickeln sich sehr unterschiedlich. Erst nach dem Ablauf des ersten Lebensjahres bei einer Gesamtlänge von 5-6 cm sind die Jungtiere robuster und widerstandsfähig genug, um so wie die Adulten behandelt zu werden. Der Mineralstoffbedarf der Jungen und Halbwüchsigen dürfte recht hoch sein. Futtertiere sollten deshalb regelmäßig mit entsprechenden Präparaten bestäubt werden.


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