Salamanderland 

Zur systematischen Situation der Salamandriden-Gattungen Mertensiella / Lyciasalamandra

Waga beschreibt 1876 auf Grund des charakteristischen Schwanzwurzelhöckers beim Männchen des Kaukasussalamanders nicht nur eine neue Art sondern auch eine neue Gattung und bezeichnet diese als Exaeretus caucasicus. Leider hatte Waga wenig Glück bei der Namenswahl. Die Gattungsbezeichnung Exaeretus war zu diesem Zeitpunkt bereits vergeben und stellte eine Käfergattung dar.

1878 stellt Bedriaga deshalb die Art zu Salamandra.

Im Wiener Museum erhält Steindachner von Prof. Luschan einen Salamander aus Lykien, erkennt ihn als neue Art und beschreibt 1891 Molge luschani, den Boulenger schon 1892 zu Salamandra luschani macht. Im gleichen Jahr allerdings bezeichnet Bedriaga die Art nicht, wie Boulenger, Salamandra luschani, sondern folgt Steindachner mit dessen Taxon: Molge luschani. Daraus folgt, dass Bedriaga schon damals die beiden Arten nicht zu derselben Gattung gehörend angesehen hat.

Wolterstorff, mit etwas zeitlichem Abstand, findet, wenn zwei Arten ein derart charakteristisches Merkmal gemeinsam aufweisen, sind sie zweifellos gemeinsamen Ursprungs und kreiert hauptsächlich aus diesem Grund 1925 eine neue Gattung: Mertensiella.

Wenn man sich allerdings unter anderem die Morphologie und Lebensweise der beiden Arten vor Augen führt, ergeben sich rasch Zweifel an deren Monophylie: Lebt zum Beispiel M. caucasica an und in Bergbächen und legt Eier, so ist M. luschani vom Wasser völlig unabhängig und bringt vollständig entwickelte Jungtiere zur Welt.

Neuere Untersuchungen stellen zunächst Sever et al. 1997 an und finden heraus, dass sich die Hautdrüsen im Bereich der Schwanzwurzelhöcker der beiden Taxa histologisch so gravierend von einander unterscheiden, dass es fraglich erscheint, ob es sich um nah verwandte Arten handelt.

Titus & Larsen im Jahr 1995 und Veith et al. bald darauf, 1998, untersuchen die Gattung molekularbiologisch und weisen zweifelsfrei nach, dass M. caucasica  näher zu Chioglossa und M. luschani näher zu Salamandra gehört, beide Arten also polyphyletischen Ursprungs sind und Wolterstorff einem Irrtum erlegen ist. Die Konsequenz daraus war zwingend: Eine neue Gattung musste geschaffen werden: Lyciasalamandra (Veith et al., 1998) In dieser Arbeit werden auch einige der vorherigen M. luschani Unterarten zur Art erhoben. Allerdings folgt ein Teil der US-amerikanischen Wissenschaftler dieser Argumentation nicht und stellt die Art, der alten Ansicht Bedriagas folgend und wenig überzeugend, zu Salamandra (Weisrock et al. 2001)

Wie konnte es aber zu dieser seltsamen Bildung des Schwanzwurzelhöckers gleich zwei Mal scheinbar unabhängig voneinander kommen? Nun, es gibt Hinweise, dass dieses Merkmal möglicherweise einst einer Reihe von Gattungen eigentümlich war und in vielen Fällen einfach verloren ging. Wenn man sich das Paarungsverhalten des Feuersalamanders ansieht und schon einmal M. caucasica dabei beobachtet hat, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass der Feuersalamander heute noch „so tut als ob“ er einen Schwanzwurzelhöcker hätte.

Übersicht der Veränderungen in den Gattungen Mertensiella/Lyciasalamandra: 

Mertensiella caucasica   e Mertensiella caucasica
     
Mertensiella luschani e Lyciasalamandra luschani
     
Mertensiella luschani luschani  e Lyciasalamandra luschani luschani
Mertensiella luschani finikensis e Lyciasalamandra luschani finikensis
Mertensiella luschani basoglui e Lyciasalamandra luschani basoglui
Mertensiella luschani helverseni e Lyciasalamandra helverseni
Mertensiella luschani atifi   e Lyciasalamandra atifi
Mertensiella luschani fazilae  e Lyciasalamandra fazilae
Mertensiella luschani antalyana e Lyciasalamandra antalyana
Mertensiella luschani billae   e Lyciasalamandra billae
Mertensiella luschani flavimembris  e Lyciasalamandra flavimembris

 

Literatur:

Boulenger, G. (1892): Ann. Mag. Nat. Hist., Ser. 6, 9: 74.

Bedriaga, J. (1892): Congr. Internatl. Zool., Moscow, Part 1: 242.

Sever, D. M., M. Sparreboom, G. Schultschik (1997): The dorsal tail tubercle of Mertensiella caucasica and M. luschani (Amphibia: Salamandridae), J. Morphol., 232: 93-105.

Steindachner, F. (1891): Sitzungsber. Akad. Wiss. Wien, Phys. Math. Naturwiss. Kl., 100: 306

Veith, M. & S. Steinfartz (2004): When non-monophyly results in taxonomic consequences- the case of Mertensiella within the salamandridae (Amphibia: Urodela), Salamandra, Rheinbach, 40(1): 67-80.

Wolterstorff, W. (1925): Abh. Ber. Mus. Nat. Heimatkd. Magdeburg, 4: 244.

Weisrock, D. W., J. R. Macey, I. H. Ugurtas, A. Larson, T. J. Papenfuss (2001): Mol. Phylogenet. Evol., 18 : 434.


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